Friday, September 29, 2017

Trump wäre wieder mal beim feuern


Trump kann nur beleidigen, spalten und feuern und Verträge sind für ihn sowieso nur da um gebrochen zu werden. Jetzt möchte er aus Protest knieende schwarze Footballer feuern lassen, aber da wird man sicher nicht auf ihn hören. Von fehlendem Respekt sollte er besser nicht reden, da muss er „first“ bei sich selbst anfangen. Natürlich kommen bei Trump die Weißen first vor Schwarzen, daran zweifelt niemand. Ganz sicher wird er bei dieser Forderung auf Granit beißen. Welchen Rassismus es in den USA noch gibt weiß man ja, man erinnere sich nur an das erschießen von schwarzen, unschuldigen Bürgern, zum Beispiel bei einer Verkehrskontrolle. Die das Niederknallen von Schwarzen auch noch ungestraft tun, weil fast immer freigesprochen. Ist wohl klar, dass bei Trump und anderen Rassisten die Weißen first kommen, vor allen anderen Nicht-Weißen und zuletzt die Schwarzen.


Irgendjemand sagte mir: was kümmerst du dich um Trump und die USA, wir leben in Deutschland, in Europa. Da sage ich nur Trump steht für mich STELLVERTRETEND für die hässliche Fratze des Rassismus, für Nationalismus und für nationalen Egoismus. Wo kämen wir hin, wenn alle Regierungschefs sich so verhalten würden wie diese amerikanische Narzisst, der keine Ahnung von Politik hat? Einer, der sich mit Ultrarechten, wie Richard B. Spencer von der Alt-Right-Bewegung am rechtsextremistischen Rand der politischen Rechten abgibt oder mit Steve Bannon vom Breitbart News Network. Anhänger der Alt-Right werden oft auch als „White Supremacists“, Rechtsextremisten und Neonazisbezeichnet.


Man muss sich einmal überlegen warum sind denn Schwarze (Rassisten sagen Neger dazu) überhaupt in den USA. Sie wurden doch als Sklaven mit Schiffen in die USA gebracht! Man unterdrückte sie auf Baumwollplantagen, misshandelte sie und beutete sie aus. Und jetzt wären es Menschen dritter Klasse?

Die knieenden Footballer haben volkommen recht! Ich solidarisiere mich mit ihnen gegen alle Rassisten und gegen alle Rechtsextremen.


Aus Tagesschau.de
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Bild aus Tagesschau.de
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Protest bei Nationalhymne

Trump will kniende Footballer feuern

US-Präsident Trump ist für beleidigende Worte bekannt. Doch diesmal griff er in die unterste Schublade: Football-Spieler, die aus Protest gegen die Diskriminierung Schwarzer bei der Nationalhymne knien, nannte er „Hurensöhne“ und forderte die NFL auf, sie zu feuern.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Die Nationalhymne gehört zu jedem Football-Spiel dazu: Zu besonderen Anlässen wird sie von einem Musikstar live gesungen. Die Zuschauer und Spieler im Stadion erheben sich. Manche singen mit. Doch einige Spieler gehen in diesen Minuten bewusst auf die Knie. Sie wollen auf die Rassendiskriminierung aufmerksam machen. Seit gut einem Jahr wird in den USA über diese Form des Protests diskutiert.


Für US-Präsident Donald Trump handeln die knienden Football-Spieler respektlos. Trump wendete sich gestern auf einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Alabama an die Klubchefs der Football-Profiliga NFL. Diese sollten die protestierenden Spieler entlassen. Vor seinen feiernden Anhängern polterte Trump: „Würden Sie nicht gerne hören, dass einer der Bosse der National Football League sagt, wenn jemand unsere Flagge nicht respektiert: ‚Nehmt diesen Hurensohn sofort vom Feld! Er ist gefeuert!‘?“ Und weiter: „Dies ist eine totale Respektlosigkeit gegenüber unserer Tradition und gegenüber allem, für das wir stehen.“ (Anmerkung: für das wofür Trump steht, stehen nicht alle Amerikaner).


Welle des Protests

Begonnen hat der ungewöhnliche Hymnen-Protest vor gut einem Jahr. Quarterback Colin Kaepernik, damals bei den San Francisco 49ers, weigerte sich zu stehen. Dafür erntete der prominente Spieler viel Kritik. Weitere Spieler, auch anderer Teams, folgten seinem Beispiel. Derzeit ist Kaepernik vereinslos.

Trump will dieses Verhalten stoppen und ruft zum Boykott auf. „Auch wenn es nur ein Spieler ist – verlasst das Stadion! Ich garantiere euch, diese Dinge werden dann aufhören. Steht einfach auf und geht.“


NFL verurteilt Trump-Äußerungen


Die Football-Profiliga NFL reagierte mit scharfen Worten. Trumps Aussagen seien spalterisch und respektlos, heißt es in einem offiziellen Statement, das die NFL per Twitter veröffentlicht hat. Der Chef der NFL-Spielergewerkschaft, DeMaurice Smith, sagte, der Verband werde auf jeden Fall das Recht der Spieler auf freie Meinungsäußerung schützen.

Auch Basketball-Profis stimmten in die Kritik an Trump ein. Stephen Curry von den Golden State Warriors sagte, er werde gegen einen geplanten Besuch des aktuellen NBA-Meisters beim Präsidenten stimmen. Trump erklärte via Twitter, es sei für ein Meisterschafts-Team eine große Ehre, ins Weiße Haus zu kommen. „Stephen Curry zögert, darum ist die Einladung zurückgezogen!“ Basketball-Star LeBron James, der im Präsidentschaftswahlkampf Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton unterstützt hatte, schrieb daraufhin auf Twitter: „Ins Weiße Haus zu gehen war eine große Ehre – bis Sie aufgetaucht sind!“

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Trump wäre wieder mal beim feuern

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Hier noch einige Kommentare.

Am 24. September 2017 um 03:35 von Hanno1984
Der Splitter im Auge des Anderen…
„Für US-Präsident Donald Trump handeln die knieenden Football-Spieler respektlos.“ Die Diskriminierung von Minderheiten bzw. weniger mächtigen gesellschaftlichen Gruppen ist respektlos, und damit haben die USA ein Problem, das von weißen Oligarchen allzugerne negiert wird! Der (weiße) US-Bürger ist damit nicht alleine; auch wir sollten uns fragen: Wie gehen wir mit Randgruppen um? Politische, monetäre, ethnische, religiöse Minoritäten; was ist angemessen bezüglich Abgrenzung (dem Bedürfnis derer, die sich in ihrer Identität bedroht fühlen) und Integration (dem Bedürfnis der Marginalisierten bzw. Nicht-Deutschen)? Das ist wahrlich kein Thema von Nationalstaaten.

Am 24. September 2017 um 03:48 von Wendehammer
Nein, Mr. President!
Eine Schande für das „großartigeste Land dieser Welt“ sind ausschließlich Sie, der sich als Soziopath auf dem Pfad der 140-Zeichen-Gemeinde bewegt und und andersdenkende und -handelnde Menschen mit Spott, Drohungen und Respektlosigkeit überzieht.
Ich hoffe von ganzem Herzen, daß Ihre Amtszeit vorzeitig endet. Wie auch immer!

Am 24. September 2017 um 04:40 von Reginald
Teufelsbrut
Überall sind Idioten an die Macht gekommen. Diese Idioten werden überall die Gesellschaften spalten Bevölkerungsgruppen werden sich schon bald in unversöhnlichem Hass und Zwietracht gegenüber stehen. Wir brauchen keine Hassprediger gleich welcher Politik oder Religion. Diese Art von Politikern oder Religionsfaschisten gehören zur wahrhaftigen Teufelsbrut.

http://meta.tagesschau.de/id/127257/usa-trump-will-kniende-footballer-feuern

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Gruß Hubert

AfD-Kandidat mit Hitlergruß?


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Marc Jongen – Foto: Tageszeitung.it

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Hier einiges zum „großen Südtiroler Sohn“ Marc Jongen. 😉 (muss ich wohl setzen, sonst meint noch jemand ich meine das ernst).

Parteitag mit Nachspiel
AfD-Kandidat mit Hitlergruß?
Der Karlsruher AfD-Bundestagskandidat Marc Jongen soll auf dem Weg zum AfD-Parteitag in Karlsruhe den Hitlergruß gezeigt haben. Er hat den Vorwurf inzwischen als völlig absurd zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt inzwischen gegen Jongen, der Eingang einer Strafanzeige wurde mittlerweile bestätigt. Marc Jongen, AfD-Bundestagskandidat und Sprecher des AfD Landesvorstands in Baden-Württemberg hat gegenüber dem SWR eingeräumt, dass er – nach Provokationen durch Parteimitglieder der Linken – tatsächlich seinen linken Arm in Richtung der Demonstranten erhoben und „Vorwärts SED“ gerufen habe. Dies sei aber kein Hitlergruß gewesen, sondern nur eine Antwort auf die Provokationen gegen seine Person.
Ein Sprecher der Partei „Die Linke“ sagte, dass mehrere Parteimitglieder die Geste von Marc Jongen gesehen und als Hitlergruß erkannt haben wollen. Für einen weiteren Zwischenfall sorgte ein noch unbekannter Teilnehmer im Vorfeld des Parteitages der AfD in der Badnerlandhalle im Karlsruher Stadtteil Neureut. Mit den Worten „Ihr kommt alle ins KZ“ lief er an den Demonstranten vorbei und betrat den Veranstaltungsort. Auch in diesem Fall haben Mitglieder der Partei „Die Linke“ Strafanzeige gegen unbekannt bei der Polizei in Karlsruhe-Neureut erstattet.
Das hat mich inspiriert einen Leserbrief zu schreiben. Der Leserbrief war heute (29.09.2017) im „Tagblatt der Südtiroler“, der „Dolomiten“ veröffentlicht ist.

Man muss nur genau hinhören

Ich bin entsetzt, wie sehr man in Südtirol und auch im Sender Bozen den Rechtsruck mit der AfD verharmlost und nur Befürwortern der AfD Raum und Zeit bietet (u.a. auch dem Südtiroler Dr. Marc Jongen, Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg). Die AfD ist nicht nur gemäßigt rechts, konservativ, bürgerlich, sondern in großen Teilen rechtsradikal. Man muss sich nur viele rechtsradikale Aussagen von Höcke (der Geschichte unterrichtet…) mit Anleihen aus der NS-Zeit, Gauland usw. zu Gemüte führen. Der Karlsruher AfD-Bundestagskandidat Marc Jongen soll auf dem Weg zum AfD-Parteitag in Karlsruhe den Hitlergruß gezeigt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt (swr.de/swraktuell). Ein großer Sohn Südtirols? Wenn man das alles nicht für so schlimm hält, hat man ein ernsthaftes Problem. Also bitte genauer hinschauen und hinhören. Oder will man, dass Südtirol ruhig rechtsradikaler werden kann? Nur ein Beispiel für eine kritische Betrachtung: der Historiker Leopold Steurer wäre ein Experte für den Nationalsozialismus und für rechtsradikales Gedankengut. Ist er unerwünscht?

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AfD-Kandidat mit Hitlergruß?

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Aus der SZ

Die AfD steht für das Wehrhafte, das Heroische, das Starke

Jongen ist eben kein Björn Höcke, er argumentiert lieber mit Platon als mit dumpfen Parolen. Aber er verteidigt Höcke (Anmerkung: das sagt mir alles und ich weiß jetzt genau wo er steht) und lobt, dass die AfD die einzige Partei sei, die Wut und Zorn in der Bevölkerung nicht nur ernst nehme, sondern anzufeuern wisse. Die „Thymos-Spannung heben“ nennt Jongen das im Gespräch mit Journalisten. Was nichts anderes heißt, als den Zorn der Bürger zu schüren. Thymos ist bei Platon, neben Logos und Eros, eine der drei Gemütsbewegungen des Menschen. Der Wutbürger habe eben eine erhöhte Thymos-Spannung.

Versucht man Jongen mit der Frage zu konfrontieren, ob er tatsächlich wolle, dass der Zorn in der Gesellschaft steigt, wird deutlich, wie vorsichtig er im Umgang mit Medien inzwischen ist. Kein Interview mehr, nur schriftliche Fragen, jede Kürzung in seinen Antworten will er vorab vorgelegt bekommen. Aber dann streitet er keineswegs ab, dass er sich einen kräftigeren Thymos wünscht. „Zorn und Protest sind für die AfD aber kein Selbstzweck, sondern haben ein ganz konkretes Ziel: die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen, sodass die Sicherheit im Land und der soziale Frieden nicht weiter gefährdet werden“, schreibt er in seiner Antwort.

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Foto: Süddeutsche Zeitung

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In dem Szenario, das Jongen hier suggeriert, ist die Verfassung in Deutschland außer Kraft und der Wutbürger die Instanz, die die Sicherheit im Land gewährleistet. Eine Ordnung wiederherzustellen, ist ein vollmundiges Versprechen in diesen unübersichtlichen Zeiten. Wohlklingend für alle, die überfordert und desorientiert sind. Jongen sagt, er wünsche sich „mehr Selbstachtung“. Wut, Ordnung und Stolz, darauf ist sein Konzept gebaut.

Vor allem aber, das betont Jongen immer wieder, müsse das Erregungsniveau gehoben werden, damit die Deutschen nicht länger „wehrlos“ seien gegenüber „robusteren Naturellen“, sagte er der FAS. Er schürt die Angst vor einer Bedrohung durch „Masseneinwanderung“, um dieser „Gefahr“ dann die AfD als Gegenwehr entgegenzusetzen. Denn die AfD steht in Jongens Darstellung für das Wehrhafte, das Heroische, das Starke.

http://www.sueddeutsche.de/politik/philosoph-marc-jongen-der-wutdenker-der-afd-1.2865813

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Gruß Hubert

Saturday, September 09, 2017

Christliche Apologeten halten bei der Frage warum es all dieses Leid gibt das Argument entgegen, der Mensch sei selbst schuld, denn er hätte den freien Willen und ER sei böse.
Diese Argument kenne ich zur Genüge, so antworten christliche Apologeten wenn sie für das Leid in der Welt (Theozidee) keine Antwort mehr wissen. Oder macht der Mensch mit seinem „freiem Willen“ auch Erdbeben, Hurrikans, Tsunamis und alle anderen Naturkatastrophen? Da ist der Mensch einmal vollkommen unschuldig. Man will mit dem „freiem Willen“ dem Mensch die alleinige Verantwortung für alles Leid auf der Welt zuschieben. Das ist eine Zumutung und inakzeptabel – und es stimmt einfach nicht, lässt sich leicht widerlegen.

Der leider sehr früh verstorbene Dichter Georg Büchner, sagte das Leid in der Welt sei der Fels des Atheismus, und damit hatte er recht.

Hier dazu eine Abhandlung von diesseits.de

Bild: gemeinfrei
Genialer Einzelgänger: Georg Büchners Werk und politischer Ingrimm erwuchsen aus dem Leiden.

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Georg Büchner ist überall präsent („Büchner lebt!“). Der früh verstorbene Büchner zeigt seine ungebrochene Vitalität jedenfalls einmal wieder in Hunderten von Veranstaltungen und Betrachtungen – zweihundert Jahre nach seinem Geburtstag.

Keine Geistesrichtung, die ihn nicht „irgendwie“ für sich vereinnahmen könnte oder wollte. Das Avangardistische! Das Fragmentarische! Das Radikale! Das Soziale! Das Revolutionäre! Die Literatur! Ja, sogar das Christliche! Und auch die schlussendliche Resignation vor der Übermacht der Verhältnisse! Ist da für jeden etwas dabei? Abgesehen von den Büchnerpreisträgerinnen und Büchnerpreisträgern, die ja jährlich auch ihren Bezug zum berühmten Büchner finden müssen?

Joachim Kahl hielt zum Büchnerjahr einen Vortrag über die religionskritischen Beiträge der Brüder Georg und Ludwig Büchner. Veranstalter war die Evangelische Kirche in Darmstadt-Land (Erwachsenenbildung), die sich in einem fünfteiligen Seminar mit dem Verhältnis der Familie Büchner zur Religion befasste.

Joachim Kahl ging von ausgewählten Zitaten der beiden Brüder aus, aus denen er die Kernpositionen zur Kritik des europäischen Christentums im 19. Jahrhundert entfaltete. Ihm war wichtig, die Büchnerschen Gedanken im Originalwortlaut zum Klingen zu bringen. Ihm war auch ein Anliegen, Georg Büchner dessen jüngeren Bruder Ludwig an die Seite zu stellen – nicht nur, weil Ludwig im 19. Jahrhundert die Werke von Georg herausgab und bekannt machte. Ludwig Büchner war vielmehr selbst eine prägende und prominente Figur der Geistes- und Sozialgeschichte eines Jahrhunderts, das er zu drei Vierteln mit erleben durfte.

Die Zitate von Georg Büchner waren seinen literarischen Werken sowie dem Hessischen Landboten entnommen, nicht seinen theoretischen Äußerungen. Es sprechen somit überwiegend die literarischen Figuren. Sie zeichnen in expressiven Farben eine unbarmherzige Natur, die ihrer ewigen Eigengesetzlichkeit folgt, die keine besondere Rücksicht auf die Menschen und Tiere nimmt, die sich in ihrer Entwicklung dem Menschen entgegenstellt und in ihrer Größe die Menschenopfer kaum „bemerkt“. „Die Natur folgt ruhig und unwiderstehlich ihren Gesetzen, der Mensch wird vernichtet, wo er mit ihnen in Konflikt kommt.“ (St. Just in „Dantons Tod“).

Woyzeck erzählt sein (Anti-)Märchen zu den Sterntalern der Gebrüder Grimm. Da ist ein Kind ohne Vater und Mutter und ohne jeden anderen Menschen auf der Welt. Der freundlich guckenden Mond, den es besucht, erweist sich als faules Holz, die Sonne ist nur eine verreckte Sonnenblume, die Sterne sind nur tote aufgespießte goldene Mücken und die Erde ist ein umgestürzter Nachttopf. Das Kind bleibt einsam und traurig in der leeren und sinnlosen Welt zurück.

Lenz aus der gleichnamigen Erzählung Georg Büchners findet die Gottesvorstellung des Pfarrers Oberlin alles andere als tröstlich. „Lenz wand sich ruhig los und sah ihn mit einem Ausdruck unendlichen Leidens an, und sagte endlich: aber ich, wär’ ich allmächtig, sehen Sie, wenn ich so wäre, ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten, ich will ja nichts als Ruhe, Ruhe, nur ein wenig Ruhe und schlafen können.“ Lenz misst den vorgestellten Gott an dem einfachen menschlichen Kriterium der Mitmenschlichkeit und sieht stattdessen Mitleidlosigkeit und Grausamkeit – ob durch aktives Einwirken oder durch Tatenlosigkeit.

Büchners Dramenfigur Thomas Payne ergänzt in „Dantons Tod“, was er von einem gütigen und allmächtigen Gott hält:

Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz; nur der Verstand kann Gott beweisen, das Gefühl empört sich dagegen. Merke dir es, Anaxagoras, WARUM LEIDE ICH? DAS IST DER FELS DES ATHEISMUS. (Hervorhebung vom Autor)


Die Erlösung aller Gläubigen durch den Kreuzestod Christi erscheint Georg Büchner offenbar als ungeheuerliche Vorstellung, die er nicht glauben mag. Er lässt Robespierre in Dantons Tod argumentieren: „Was sehen wir immer nur nach dem Einen? Wahrlich des Menschensohn wird in uns Allen gekreuzigt, wir ringen Alle im Gethsemanegarten im blutigen Schweiß, aber es erlöst Keiner den Anderen mit seinen Wunden.“ In provokanter Weise relativiert Georg Büchner das im Christentum verherrlichte Leiden Christi durch das millionenfache schreckliche Leid der menschlichen Kreaturen überall auf der Erde.


Die Theodizee, die ungelöste Frage nach der Rechtfertigung eines von einem angeblich allmächtigen und allgütigen Gott tolerierten Leides auf der Welt, das ist offenbar der große Stein des Anstoßes für Georg Büchner, der ihm zum „Fels des Atheismus“ wird.


Damit stellt er sich an die Seite der zeitgenössischen Religionskritik von Feuerbach, Heine, Marx, Engels und anderen Linkshegelianern. Aber auch Epikur hat er offenbar gut gelesen und in sein Jahrhundert übersetzt.

Diesen Gott will er dann auch nicht als Legitimation der weltlichen Herrschaft anerkennen. Georg Büchners Urteil lautet: „Diese Regierung ist nicht von Gott, sondern vom Vater der Lügen. Diese deutschen Fürsten sind keine rechtmäßige Obrigkeit.“ (Der Hessische Landbote). Hier mündet die Religionskritik in politische Kritik.

Bei Ludwig Büchner kann man die gleichen Motive wie bei Georg Büchner finden, insbesondere in seinem Hauptwerk „Kraft und Stoff“, wie Joachim Kahl in den ausgewählten Zitaten belegte. In diesem Buch finden wir aber eine ausgearbeitete materialistische und naturalistische Weltanschauung vor, die mit Rationalität und rhetorischer Schärfe die damals vorherrschenden religiösen, idealistischen und metaphysischen Vorstellungen attackierte. Erwähnt werden sollen wichtige Leitthemen wie die „Unsterblichkeit des Stoffs“, die „Seelentätigkeit als Funktion der Gehirnsubstanz“ und die Kritik an der Konzeption des „Menschen als Gipfelpunkt der Schöpfung“, ohne sie an dieser Stelle zu vertiefen.

Hervorgehoben werden soll die Aufwertung des menschlichen Leibes im Gefolge einer Vorstellung von der „Würde des Stoffs“, die mit folgendem Zitat angedeutet werden soll: „Wer den Stoff erniedrigt, erniedrigt sich selbst und die ganze Schöpfung; wer seinen Leib misshandelt, misshandelt auch seinen Geist und fügt sich selbst in dem Maße einen Schaden zu, als er vielleicht in seiner törichten Einbildung einen Gewinst für seine Seele erlangt zu haben glaubt.“

Geradezu modern klingt auch die Kritik daran, dass sich der Mensch die Erde und alle Wesen untertan machen zu können glaubt: „Kein Wesen kann dazu bestimmt sein, für den Nutzen des Menschen zu leben; alles, was lebt, hat das gleiche Recht der Existenz, und es ist nur das Recht des Stärkeren, welches dem Menschen erlaubt, sich andere Wesen dienstbar zu machen oder zu töten. Es gibt keine Zwecke, welche die Natur zugunsten eines Bevorzugten zu erreichen bemüht wäre; die Natur ist sich selbst Zweck, sich selbst erzeugend, sich selbst erfüllend.“


Mit seinem Bruder teilte Ludwig Büchner das Theodizeeproblem. Deshalb soll dieser Bericht mit einem Zitat zu diesem Thema schließen, das das Pathos des (undogmatischen)  Büchnerschen Atheismus noch einmal hervortreten lässt:
Wozu, fragen wir mit Recht, das Heer der Krankheiten, der physischen Übel überhaupt?

Warum diese Masse von Grausamkeiten, von Entsetzlichkeiten, wie sie die Natur täglich und stündlich an ihren Geschöpfen ausübt? Konnte es ein bewusster, gütiger Schöpfer sein, welcher der Katze, der Spinne ihre Grausamkeit verlieh und den Menschen selbst, die sogenannte Krone der Schöpfung, mit einer Natur begabte, welche aller Gräuel und Wildheiten fähig ist? … Täglich und stündlich hat der Arzt Gelegenheit, sich bei Krankheiten, Verletzungen, Fehlgeburten usw. von der Hilflosigkeit der Natur, von der so oft unzweckmäßigen verkehrten und erfolglosen Richtung ihrer Heilbestrebungen zu überzeugen; ja, es könnte keine Ärzte geben, handelte die Natur nicht unzweckmäßig. Entzündung, Brand, Zerreißung, Verschwärung und ähnlich Ausgänge wählt die Natur da und wird tödlich, wo sie auf einfacherem Wege zum Ziel und zur Genesung hätte kommen können.“

Wohlan! Die Lektüre der Gebrüder Büchner lohnt noch immer und handelt nicht von Märchen, sondern von praktischem Humanismus: Die Biografien der beiden Brüder zeigen, welchen Weg sie beschritten haben, um dem menschlichen Leid zu begegnen: aktive Mitmenschlichkeit in Beruf und Privatleben, riskantes politisches Engagement für eine Verbesserung der gesellschaftlichen Umstände, Verbreitung der Ideen in einer allgemeinverständlichen Sprache, Mut zum Widerstand gegen die herrschenden Ideologien und Mächte, Einsatz für die Bildung und demokratische Teilhabe Aller.

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Das Leiden in der Welt ist der Fels des Atheismus


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Gruß Hubert

Friday, February 27, 2015

Mega-Zoff bei „Maischberger“

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Es ist unglaublich wie sich die Grünen von einer ehemals pazifistischen Bewegung zur Kriegstreiber-Partei entwickelt haben. Sie gehören mit zu den größten Russland-Hetzern. Der Grüne Werner Schulz tritt vehement für Waffenlieferungen an die Ukraine ein.
Werner Schulz setzt sich vehement für eine militärische Aufrüstung der Ukraine durch den Westen ein. "Die Ukraine muss Paroli bieten können", sagt er. Oder: "Manchmal muss man Waffen eben mit Waffen zum Schweigen bringen."
Dass die Grünen sich vom Pazifismus schon länger verabschiedet haben, das macht der frühere EU-Parlamentarier hier jedenfalls mehr als deutlich.
http://www.welt.de/vermischtes/article137805565/Dann-machen-Sie-Ihre-Sendung-doch-alleine.html
Sandra Maischberger verlor am Dienstagabend fast die Kontrolle über ihre Talk-Runde zum Thema „Zar Wladimir I. – Was will Putin wirklich?“. Vor allem die Ex-Moskau-Korrespondentin der ARD Gabriele Krone-Schmalz (65) und der Bündnis 90/Die Grünen-Politiker Werner Schulz (65) gerieten heftig aneinander.

Werner Schulz (l.) und Gabriele Krone-Schmalz bei „Maischberger“ (Bild: WDR/Max Kohr)Werner Schulz (l.) und Gabriele Krone-Schmalz bei „Maischberger“ (Bild: WDR/Max Kohr)
Talkshow-Moderatorin Sandra Maischberger hatte sich das Ziel gesetzt, über Wladimir Putin als „machthungriger Diktator" und weltpolitisches Phänomen zu diskutieren. Dabei sollte besonders die Rolle des Kreml-Chefs im Konflikt in der Ostukraine thematisiert werden, doch gleich zum Start der Sendung wurde es parteipolitisch.
Maischberger-24.02.2015-Zar Wladimir...(Video © Sabine)
http://www.4shared.com/video/xIQx7Tmoba/Maischberger___24022015___Zar_.html


Werner Schulz von Bündnis 90/Die Grünen warf durch die Blume auch der Bundesregierung vor, die Diplomatie habe im Ukraine-Konflikt versagt. Das Friedensabkommen Minsk II sei erfolglos geblieben. Dass ein Bürgerrechtler wie Schulz sich für Waffenlieferungen an die ukrainischen Truppen als einzige Lösung ausspricht, konnte schon als außergewöhnlich polarisierende These aufgegriffen werden.

Da ließ sich Gabriele Krone-Schmalz nicht zweimal bitten. Es sei ein Irrglaube, „dass sich die kämpfenden Milizen aus Moskau bzw. Kiew etwas diktieren lassen.“ Gemeinsam mit dem einzigen Russen in der Runde, Ivan Radionov, Journalist von „RTDeutsch“, dem deutschsprachigen Programm des russischen Staatsfernsehens, regte sie Gespräche zwischen den verantwortlichen Militärs an. Als Maischberger nach der Rolle und den Motiven der russischen Regierung in der Ukraine fragte, kochten die Gefühle hoch. Russland wolle eine Großmacht sein, wetterte Schulz, die versuche, die Anbindung der Ukraine an den Westen zu verhindern. Krone-Schmalz hingegen zog die Europäische Union und den ehemaligen Kommissionschef José Manuel Barroso zur Verantwortung:
„Die Ukraine hätte nicht gezwungen werden sollen, sich zwischen der EU und Russland entscheiden zu müssen.“


Der darauf folgende Dialog um die Westanbindung der Ukraine endet in persönlichen Spitzen; Krone- Schmalz zu Schulz: „Können wir Ihren Intellekt einmal aktivieren?“ Die ehemalige ARD-Russland-Korrespondentin musste aber auch ordentlich einstecken. „Sie haben eine solche schulmeisterliche Art und wollen alle belehren. Sie haben doch keine Ahnung", warf Historiker Arnulf Baring ein. Krone-Schmalz geriet immer wieder in die Defensive und drohte zwischendurch, die Sendung zu verlassen.
Alles in allem wurde in der Talk-Runde viel Küchenpsychologie über die Lage eines im Stolz verletzten politischen Systems (Russland) und einer machtbesessenen Persönlichkeit (Putin) betrieben. Am stärksten hallte ein Satz des russischen Redakteurs nach: „Ein schlechter Frieden ist besser als ein guter Krieg“.

Mega-Zoff bei „Maischberger“



Gruß Hubert

Tuesday, February 24, 2015

Academi - die US-Söldnerfirma in der Ukraine

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Ich dachte Söldner hätte es nur im Mittelalter gegeben. Nicht so, wenn man das Treiben der US-Söldnerfirma Academi, ehedem Blackwater, sieht. Jezt gibt es nicht nur einen neoliberalen Privatisierungswahn in der Wirtschaft sondern auch noch beim Krieg.

Privatisierung des Krieges: Der Vormarsch der US-Söldnerfirmen 

 

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Die Mitarbeiter der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater schützen Paul Bremer, den zivilen US-Verwalter im Irak (M), in Bagdad, Irak am 08. September 2003. Blackwater wurde 2011 in Academi umbenannt. (Foto: dpa)
Die Mitarbeiter der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater schützen Paul Bremer, den
zivilen US-Verwalter im Irak (M), in Bagdad, Irak am 08. September 2003. Blackwater
wurde 2011 in Academi umbenannt. (Foto: dpa)


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Die staatliche Nachfrage nach privaten Söldnern für globale Konflikte ist in den letzten 15 Jahren stark gestiegen. Die USA nutzten in den Kriegen im Irak und in Afghanistan mehr Söldner als jemals zuvor. Im Jahr 2010 befanden sich 207.000 Söldner in den Konfliktgebieten, lediglich 175.000 reguläre US-Truppen waren im Einsatz. Dagegen machten Söldner im Zweiten Weltkrieg nur etwa 10 Prozent der US-Armee aus.
Auch der Krieg in der Ukraine findet unter starker Beteiligung von Söldnern statt. Neben den Amerikanern setzen auch die Russen auf bezahlte Krieger – meist kampferprobte Tschetschenen. 
Die Ausgaben des Pentagons für Privatarmeen stiegen zwischen 1999 und 2008 von 165 Milliarden auf 466 Milliarden Dollar. Das Pentagon ist mittlerweile so abhängig von den Privat-Armeen, dass es nicht mehr ohne sie auskommt. Zu diesem Schluss gelangt Sean McFate, Dozent an der National Defense University und Mitglied des Atlantic Council sowie der RAND Corporation. McFate diente selbst zunächst bei der Army, bevor er für die Söldnerfirma DynCorp in Afrika anheuerte.

„Nun, da die USA die Büchse der Pandora des Söldnertums geöffnet haben, kommen private Krieger jeglicher Art aus dem Schatten, um sich an der profitablen Kriegsführung zu beteiligen“, zitiert The American Conservative den Ex-Söldner McFate.
McFate zufolge ist der Aufstieg der Söldnerfirmen Teil einer Verlagerung der globalen Machtstrukturen. Lag die Macht in der Vergangenheit vor allem bei den Nationalstaaten, formt sich gerade eine „multipolare Weltordnung“, in der Konzerne, NGOs und Staaten um Einfluss konkurrieren. Der Zugang zu privaten Armeen greife dabei direkt in das Gewaltmonopol des Staates ein, so McFate.

Er nennt dies den „neuen Geist des Mittelalters“, da es jener Ordnung gleicht, die vor dem dem Westfälischen Frieden von 1648 und dem damit verbundenen Aufstieg der Nationalstaaten in Europa vorherrschte.
Auch damals gab es schon Söldnerheere, die ihre Dienste an den Höchstbietenden verkauften und bei denen nicht immer klar war, ob sie die Nachfrage nur bedienen oder selber schaffen.
Unter US-Präsident George W. Bush und seinem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wurde das US-Militär derart umgerüstet, dass alle Aufgaben, die nicht direkt mit der Kriegsführung zu tun hatten, an Privatunternehmen vergeben wurden. So übernahm Halliburton im letzten Irak-Krieg den Aufbau und die Versorgung der US-Stützpunkte, während private Söldnerfirmen wie Blackwater und DynCorp zunächst Ausbildungs- und Sicherheitsaufgaben und später den Wiederaufbau des Landes übernahmen.

„Als die Politiker den Irak-Krieg begannen, dachten sie nicht, dass er mehr als ein paar Wochen andauern würde. Sie hatten dann drei schreckliche Möglichkeiten: Sie konnten den Rückzug befehlen, sie konnten eine Einberufung wie in der Vietnam-Ära anordnen oder sie konnten Aufträge ausschreiben. Also haben sie sich entschlossen, Subunternehmer anzuheuern. Deshalb haben wir nun dieses Phänomen und deshalb ist es nicht staatlich reguliert“, so McFate weiter.
Die Söldnerheere unterstehen keiner parlamentarischen Kontrolle und die Vergabe der Aufträge erfolgt höchst intransparent. Eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie kam 2011 zu dem Schluss, dass Betrug und Korruption den US-Steuerzahler in diesem Zusammenhang bis zu 60 Milliarden Dollar gekostet haben.

Trotz heftiger Kritik am Vorgehen von Blackwater, das unter anderen für ein Massaker an 17 irakischen Zivilisten verantwortlich war, und DynCorp, das für schlampige Arbeit und zu hohe Rechnungen kritisiert wurde, führt die US-Regierung die Zusammenarbeit bis heute fort. Der Chef von Blackwater, Erik Prince, benannte das Unternehmen aufgrund anhaltender Skandale später in Xe Services und schließlich in Academi um.
Doch dass die Söldnerfirmen einfach wieder verschwinden, glaubt McFate nicht. „Die Branche ist hier, um zu bleiben. Sie wird nirgendwo hingehen.“ So sollen auch in der Ukraine 500 Academi-Söldner aktiv sein.
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Academi - die US-Söldnerfirma in der Ukraine


Gruß Hubert

Tuesday, December 02, 2014

Die Masken und der Anstand des Westens sind abgelegt


Die US-Hörigkeit der EU-Staaten ist unglaublich. Gerade heute verlangte US-Außenminister Kerry zum wiederholten Male verschärfte Sanktionen gegen Russland. Nutznießer dieser Sanktionspolitik gegen Russland ist die USA. Die EU-Staaten stecken ohne zu murren die Nachteile ein. Was hat Putin getan? Gar nichts. Die Krim wollte selbst zu Russland und hat diesen Willen mit überwältigender Mehrheit in eine Refrendum kund getan. Die Verbrechen gegen die ostukrainische, prorussische Bevölkerung gehen von Kiew aus. Der Westen schaut weg und gibt seinen Segen dazu. Der Westen erklärt Putin zur Ausgeburt der Hölle. Die Russophobie kennt kein Limit mehr. Bei dieser Politik wende ich mich mit Grausen vom Westen ab.

Hier ein lesenswerter Artikel von Alexei Puschkow, dem Vorsitzenden  des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma.
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Alexei Puschkow: “Die Masken sind abgelegt”

Um zu verstehen, wie repräsentative Russen (also nicht die, die im ARD-Presseclub als Feigenblatt präsentiert werden) die aktuelle Beziehungskrise zum Westen sehen, wird hier die Übersetzung eines denkwürdigen Artikels von Alexei Puschkow veröffentlicht. Er ist ein international bekannter Außenpolitiker und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma. Zudem leitet und moderiert er das populäre wöchentliche Politmagazin “Postscriptum” im russischen Fernsehen.



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Die Masken sind abgelegt, der Anstand ebenso. Und auch der gesunde Menschenverstand. Die NATO droht mit der Einrichtung von Militärbasen in unserer direkten Nachbarschaft. Die EU führt immer neue Sanktionen ein, persönliche und wirtschaftliche, und ergänzt die Liste mit immer neuen Namen. Der Westen konsolidiert sich auf der Basis einer neuen Feindseligkeit gegenüber Russland und auch die gegenteiligen Bemühungen einzelner Länder und Politiker können diese Tendenz nicht umkehren.

Es geht nicht mehr um die Verteidigung hoher Ideale, um die Rechte der Leidenden, um die Hoheit des Gesetzes. Unter dem mächtigen Druck der Vereinigten Staaten sind alle diese Prinzipien beiseite geschoben. Der Staatsstreich in der Ukraine vom 22. Februar wurde im Westen sofort und mit Begeisterung akzeptiert. Ganz gleich, dass dabei grob die ukrainische Verfassung verletzt und das Verfassungsgericht auseinandergetrieben wurde und dass die Oberste Rada illegale Entscheidungen traf. 

 

All das ist unwichtig, wenn es darum geht, sich ein Land wie die Ukraine geopolitisch unter den Nagel zu reißen.

Genau deshalb ist den derzeitigen Machthabern in Kiew all das erlaubt, wovon sich in anderen Fällen den westlichen Politikern offiziell die Nackenhaare sträuben: Mord an der Zivilbevölkerung, Einsatz von Phosphorbomben und ballistischen Raketen gegen Einwohner der Städte, Erschießungen und Entführung von Journalisten und nicht zuletzt Erstickung und Verbrennung von Menschen nur dafür, dass sie für sich mehr Rechte einforderten. So gesehen in Odessa.

Alle diese Verbrechen wurden durch den demokratischen Westen faktisch erlaubt und abgesegnet, bei gleichzeitigem verschämten Murmeln über die Notwendigkeit von Untersuchungen, die entweder nie stattfinden oder von Kiew gezielt in eine Sackgasse geführt werden. Erlaubt und abgesegnet für ein höheres Ziel: die Eingliederung der Ukraine in die euroatlantische Einflusszone.

Für all das, was in der Ukraine passiert, wird ausschließlich Russland die Schuld gegeben. Während Sanktionen für all die denkbaren und undenkbaren Verstöße gegen die Menschenrechte, allen voran das Recht auf Leben, eigentlich gegen Kiew gerichtet sein müssten, werden Russland und persönlich Putin als die neuen Ausgeburten der Hölle dargestellt. Und je höher die eigene Schuld des Westens für das Geschehen ist, desto verbissener wird unser Land von der westlichen Presse attackiert, die bereits vergessen hat, was Objektivität und elementare Ausgewogenheit sind.


So sieht heute die allgemeine Tonlage aus. Dabei räumen alle denkenden Menschen von Finnland bis USA ein: daran, dass die Ereignisse in der Ukraine die heutige Entwicklung genommen haben, ist nicht so sehr Russland schuld (das lange Zeit gar nicht auf das Geschehen dort reagierte), sondern der Westen selbst. Die EU war es, die die Ukraine vor die Wahl stellte: entweder die Zusammenarbeit mit Russland oder die Assoziierung mit der Europäischen Union. Die EU hat den Staatsstreich sofort unterstützt, während die USA ihn gar vorbereiteten. Why the Ukraine Crisis Is the West’s Fault lautet der Name des Artikels, den vor kurzem der Professor der Chicagoer Universität John J. Mearsheimer in der US-Zeitschrift “Foreign Affairs” veröffentlichte. 

Er schreibt: “Wenn man von den vorherrschenden Ansichten im Westen ausgeht, liegt die Schuld an der Ukraine-Krise fast gänzlich bei Russland. Dem ist jedoch nicht so. In Wirklichkeit tragen die USA und ihre europäischen Verbündeten den größten Teil der Verantwortung für die Krise. Der Westen hatte schon seit langen versucht, die Ukraine in den Orbit der NATO zu bringen und von Russland loszureißen. Dabei hat Moskau wiederholt klargemacht, dass es nicht einfach stillhalten werde, während sich sein strategisch wichtiger Partner in ein Bollwerk des Westens verwandelt. Für Putin wurde der unrechtmäßige Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten der Ukraine, den er zurecht Staatsstreich nennt, zum letzten Tropfen.”

Ähnlich bewertet der ehemalige US-Botschafter in der UdSSR Jack Matlock die Lage. Im Interview für die deutsche TAZ erzählt er, wie die NATO mit ihrer Expansionsstrategie in Osteuropa die Basis für die Krise in den Beziehungen mit Russland legte. “Keines dieser Länder war von Russland bedroht. Und dann begann die Eröffnung von Militärbasen, unter anderem in Polen – gegen nicht existierende Raketen aus Iran – Für die Russen war das eine Provokation.”
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Danach hat die NATO laut Matlock auch noch die Ukraine locken wollen, indem ihr die Mitgliedschaft in der Allianz versprochen wurde. “Das alles waren sehr dumme Schachzüge des Westens. Heute haben wir die Reaktion darauf.” Seiner Meinung nach würden es die USA genauso wenig tolerieren, wenn China auf eine Militärallianz mit Kanada und Mexiko hinarbeiten würde. Wir würden das verhindern. Mit jedem Mittel, das wir haben. Jedes Land, das die Macht dazu hat, würde das tun.” Doch all das wird man wird man in Washington und Brüssel niemals zugeben. Weil man in diesem Fall anerkennen müsste, dass die ganze antirussische Politik Obamas überhaupt keine Grundlage hat, außer dem Streben nach der Abrechnung mit dem unbotmäßigen Moskau, das es wagt, die USA herauszufordern und eine unabhängige Außenpolitik zu verfolgen.
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Weil man dann zudem anerkennen müsste, dass dass sich die Quelle der Aggression nicht im Kreml, sondern in Washington und den verbündeten europäischen Hauptstädten befindet. Und das wichtigste: man müsste dann anerkennen, dass sich alles nicht um Demokratie, Menschenrechte und hohe Prinzipien dreht, mit denen man uns 20 Jahre lange fütterte, sondern um das Streben nach Herrschaft um jeden Preis. Um das, was der Europäer Nietzsche als Willen zur Macht bezeichnete. Nietzsche wusste, wovon er sprach. Die Masken sind abgelegt. Der Anstand ebenso.
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Link zum Originaltext: http://vz.ru/opinions/2014/9/16/705778.html

http://derunbequeme.blogspot.it/2014/09/alexei-puschkow-die-masken-sind-abgelegt.html
 
 
Gruß Hubert

Saturday, November 22, 2014

China und Russland reagieren resolut auf westliche Kriegsdrohungen; sie vereinbaren engere militärische Zusammenarbeit

Neue Spielregeln einführen läuft nicht immer friedlich ab. Die letzte globale Wachablösung welche die Menschheit verspielte, war die Verabschiedung der Sowjetunion als eigenständiges Staatsgebilde und Supermacht. Sie verlief friedlich ab; im Sinne von ohne militärische Gewalt.

Dann passierte in Russland das, was sich in der Sprache des US-Milliardärs Warren E. Buffet, geschätztes Privatvermögen 66,1 Milliarden US-Dollar, so anhört: 

"Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen".

Wir anderen, die hier im neokonservativen Paradies des zügellosen Gewinnmaximierungskapitalismus, als Spaßvögel unter Gleichgesinnten in einer Spaßgesellschaft leben, denken zuerst an die Bundesliga und "Klassenerhalt" wenn irgendjemand von "Klassenkrieg" redet. Und ehe wir es noch merken, was Buffet eigentlich damit meinte, ist es schon zu spät für uns unbedarfte Spaßvögel. Auch Russen und Ostdeutsche, die an blühende Landschaften und glückliche Spaßgesellschaften glaubten wurden eines besseren belehrt. Die einen mehr, die anderen weniger.

Die Russen traf es besonders hart. Viel härter als ehemalige DDR-Bürger. Professor James Petras fasst es folgendermaßen zusammen:


"Plünderung als Privatisierung

Im vergangenen Viertel Jahrhundert wurden mehrere Billionen Dollar an öffentlichem Eigentum in jedem Sektor der russischen Ökonomie illegal übertragen oder gewaltsam von Gangster-Oligarchen an sich gerissen, die vermittels bewaffneter Gangs agierten, insbesondere beim 'Übergang zum Kapitalismus'.

Von 1990 bis 1999 starben über 6 Millionen russische Bürger vorzeitig als Ergebnis des katastrophalen Kollapses der Ökonomie; die Lebenserwartung für Männer sank von 67 Jahren in der Sowjetära auf 55 Jahre in der Jelzin-Periode. Russlands BNP sank um 60 Prozent - historisch einmalig für ein Land, das sich nicht im Krieg befindet. Nach Jelzins gewaltsamer Machtergreifung und seiner Bombardierung des russischen Parlamentes ging das Regime daran, die Privatisierung der Ökonomie zu 'prioritieren', den Verkauf der Energie, Naturresourcen, Banken, Transport- und Kommunikation-Sektoren zu einem Zehntel oder weniger ihres wirklichen Wertes an Kumpane und ausländische Instanzen. Bewaffnete Gauner, organisiert von den aufstrebenden Oigarchen "vollendeten" das Programm der Privatisierung durch Angriffe, Mord und Bedrohung von Rivalen.

Hunderttausende ältere Pensionäre wurden aus ihren Wohnungen und Häusern  durch böswilligen Landraub von gewalttätigen Grundstück-Spekulanten
geworfen. US und europäische akademische Finanzberater "berieten" rivalisierende Oligarchen und Regierungsminister über die "effizientesten" Markttechniken zur Plünderung der Ökonomie, wobei sie lukrative Gebühren und Kommissionen abschöpften - von Leuten mit guten Verbindungen wurden Vermögen gemacht.

Unterdessen kollabierte der Lebensstandard, verarmten zwei Drittel der russischen Haushalte, die Selbstmorde stiegen um das Vierfache und Tote durch Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, AIDS und Geschlechtskrankheiten waren an der Tagesordnung. Syphilis und Tuberkulose erreichten epidemische Proportionen - Krankheiten, die in der Sowjetära unter voller Kontrolle waren, traten mit der Schließung von Kliniken und Krankenhäuser wieder auf.

Natürlich feierten die westlichen respektablen Medien die Plünderung Russlands als Übergang zu "freien Wahlen und eine freie Markwirtschaft". Sie schrieben glühende Artikel, die die politische Macht und Vorherrschaft der Gangster-Oligarchen als Widerspiegelung einer aufstrebenden "liberalen Demokratie" beschrieben. Der russische Staat wurde so aus einer globalen Supermacht in ein elendes Marionetten-Regime verwandelt, durchdrungen von westlichen Geheimdiensten und unfähig, seine Verträge und Abkommen mit westlichen Mächten zu handhaben und durchzusetzen. Die USA und die EU ersetzten sehr schnell den russischen Einfluss in Osteuropa und schnappten sich blitzartig ehemalige staatseigene Industrien, die Massenmedien und Finanzinstitutionen." Weiter >>>

Es war Präsident Putin der diesen kriminellen Sumpf trockenlegte und so zum bevorzugten Hassobjekt des Wall Street-Kapitalismus aufstieg und den die westliche Kriegspresse dämonisierte, wann immer sie konnte. Lange glaubten wohl Soros und Konsorten mit Wladimir Putin ein ähnlich leichtes Spiel zu haben wie mit Jelzin.

Michail Chodorkowski, einer der Hauptprofiteure des Wildwest-Kapitalismus der 90er Jahre in Russland, brachte das einmalige "Kunststück" fertig den Yukos-Konzern mit Yukos-Geldern und mit Geldern des Finanzministeriums, deren Depositen seine Bank verwaltete
, zu kaufen. So sieht Klassenkrieg aus, wenn man ihn etwas näher betrachtet und warum die Klasse der Reichen diese Kriege auch fast immer gewinnt.

Bild: Nikolaus Pessler, Der Bündnisfall...
Freidenker Galerie
China, Russland und andere BRICS-Staaten haben sich vorgenommen, das globale Herrschaftssystem des Westens, an seinem empfindlichsten Punkt, der Finanzwirtschaft, herauszufordern. Das würde ein Ende des US-Dollars als Weltreservewährung, und sein Ende der fast alleinigen Macht über die internationale Finanzwirtschaft bedeuten.

So wie es heute ist, bestimmen die USA mehr oder weniger allein welche Staaten mit Sanktionen belegt werden und welche nicht. Sie haben auch Einfluss genug um darüber zu entscheiden welche Staaten sich an internationalen "Finanzmärkten" mit "frischem" Kapital bedienen dürfen und welche nicht.

Eine gigantische Macht die so in die Hände einer Mafia fließt, die mehr Morde auf ihrem "Weltgewissen" hat, als je ein oder mehrere Diktatoren zusammen, vor ihnen.

Das die Krise um die Ukraine die Ursache für das leicht aus dem Ruder laufende Vabanquespiel, (Spiel um den gesamten Einsatz) sei, ist so lächerlich als wenn man behauptete der 1. Weltkrieg wäre aufgrund des Attentates von Sarajevo erfolgt, oder der 2. Weltkrieg aufgrund des Überfalls auf den Sender Gleiwitz.

Es ist schon erstaunlich, dass die wahren Gründe der immer offener zu Tage tretenden Feindseligkeiten, im Westen nicht genügend zur Sprache kommen. Auch nicht im Netz. Die deutsche Flintenkanzlerin Merkel schaukelte sich, wie im Rausch, mit ihrer "Hunnenrede gegen Russland" hoch, so als könne sie Deutschland nicht schnell genug in einem finalen Atomkrieg entsorgen. Der ehemalige DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (CDU), erklärte im Gespräch mit der "FAZ", das ihn das Kanzleramt am Donnerstag mit der "Bitte bedrängt" habe, die Mitgliederversammlung des "Petersburger Dialogs" in der kommenden Woche in Berlin "wegen der politischen Großwetterlage" zu verschieben. Das ist mehr eine "Nötigung" als eine Bitte und wurde auch garantiert aufgrund eines digitalen Augenzwinkerns aus Washington umgesetzt.

Die Achse China-Russland nimmt, ausgelöst durch eine arrogante, aggressive Großmachtpolitik des Westens, Gestalt an. Sie werden wirtschaftlich und militärisch enger zusammenarbeiten. Gemeinsame Seemanöver im Frühjahr 2015 im Pazifik und Mittelmeer wurden bereits vereinbart.

Es ist an der Zeit, dass die deutsche Friedensbewegung, falls es sie noch gibt, das Volk zu friedlichen, machtvollen Massendemonstrationen aufruft. Den meisten scheint noch nicht klar zu sein, dass das Wall Street-Kapital versuchen wird jedes Opfer eines Krieges weiterzureichen. Besonders an Europa und die Deutschen. Darin hat man eine ganz besondere Übung.
FH

 http://principiis-obsta.blogspot.it/2014/11/china-und-russland-reagieren-resolut.html


Gruß Hubert

Friday, August 08, 2014

Geheimdienste und die Presse?

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Der Spiegel ist mit dem Begriff Verschwörungstheoretiker schnell bei der Hand. Man sollte bei SPON mal schauen ob die eigenen Beiträge über Putins angebliche Absichten nicht selbst ins Reich der Verschwörungstheorien gehören oder noch schlimmer bewusste Irreführung des Lesers sind. Ich habe früher den Spiegel immer für ein seriösese Magazin gehalten.

Hier ein Artikel von Flegel.de
Ein Linker löst Empörung bei den deutschen Medien aus. Behauptet er doch tatsächlich, die deutschen Medien würden inzwischen von den US-Geheimdiensten gesteuert und das auch noch gegenüber einem russischen Radiosender.

Spiegel Online (SPON) äußert sich dann auch in einem Artikel zu den Äußerungen des Linken Dieter Dehm am 17.04.2014 recht empört. Doch dabei belässt es SPON nicht, sondern fügt auch noch einen Seitenhieb gegen die Leser ein, die sich in Kommentaren anders äußern, als es der öffentlichen Meinung lieb ist. SPON macht sie zu "Verschwörungstheoretikern".
Der Spiegel macht es sich einfach. Was Dieter Dehm äußerte, mag ja überspitzt gewesen sein, aber völlig von der Hand zu weisen ist es auch nicht, denn die Einflüsterungen durch die Geheimdienste in Politik und Medien sollten auch SPON nicht völlig unbekannt sein. . Allerdings glaube ich auch, dass es dazu auch der Zustimmung der "Pressezaren a la Springer oder Bertelsmann" bedarf, die vermutlich ihrerseits Einfluss auf die Geheimdienste haben und nutzen.

Wenn Leser dann in ihren Forenbeiträgen zum Thema Ukraine und Russland eine divergente Auffassung zur Berichterstattung haben, diskreditiert SPON sie in diesem Beitrag als Verschwörungstheoretiker. Das macht es SPON leicht, alle dem Inhalt der Veröffentlichung entgegengebrachten Argumente vom Tisch zu wischen. Aber vielleicht sollte man sich in den Redaktionsstuben der Presse mal Gedanken darüber machen, ob die Berichterstattung zu den Vorgängen in der Ukraine und den dargestellten und unbewiesenen Äußerungen über Putins Absichten nicht selbst als Verschwörungstheorien zu sehen sind.

Aber Begrifflichkeiten können ihren Sinngehalt mitunter ändern. Verschwörungstheoretiker, eigentlich als Schimpfwort etabliert, verliert allmählich seine abschreckende Wirkung, weil sich dummerweise immer mehr der zuvor als Verschwörungstheorien abgestraften Meinungen als sachlich richtig erwiesen haben. Es ist überhaupt seltsam, wie sich in der Sprache Begriffe etabliert haben, die als Schimpfworte betrachtet werden. So wird z. B. das "Gutmenschtum" oder die "Gutmenschen" als Beschimpfung angesehen und vor allem auch in Leserforen gerne verwendet.
Der Terminus "Gutmenschentum" soll ironisch übersteigertes Moralempfinden und Naivität persiflieren. Aber die "Ironie" ist wohl auf der Strecke geblieben. Dieser Begriff wird als Schimpfwort verwendet und ich denke, von den meisten dazu ohne Ahnung, warum es mit diesen Begriff überhaupt geht. Welche Alternativen bleiben? Wer also kein "Gutmensch" ist, outet er sich nicht indirekt dahingehend, dass er entweder ein gleichgültiger oder gar ein schlechter Mensch ist? Sicher, auch ich glaube, dass der Glaube an das Gute im Menschen naiv ist, aber man sollte es doch zumindest anstreben.

Mit der Verschwörungstheorie verhält es sich ähnlich. Es ist zunächst einmal eine theoretische Betrachtung von Ereignissen, wenn Zweifel an der öffentlichen Darstellung auftauchen, während Indizien eigentlich in eine andere Richtung weisen. Manchmal versuchen Leute, auf Fehler in der offiziellen Darstellung hinzuweisen und bringen Fakten oder Überlegungen zu dem Thema.
Ein typischer Fall einer solchen Verschwörungstheorie ist der 11.09.2001, dessen Ablauf lt. öffentlicher Darstellung von ernstzunehmenden Physikern, Statikern und weiteren Fachkräften angezweifelt werden. Aber Zweifel an der offiziellen Darstellung machen diese Leute automatisch zu Verschwörungstheoretikern, denn sie haben keine Möglichkeit, Untersuchungen einzuleiten oder auch nur Einblick in die vorhandenen Untersuchungsergebnisse zu erhalten.

Aber ich bin mal wieder ein wenig vom Thema abgeschweift. Ich unterstelle einmal, dass auch die Spiegel-Redakteure das Interview des NDR mit Gabriele Krone-Schmalz gesehen haben, auch wenn die Berichterstattung der Medien incl. SPON sich davon nicht hat beeinflussen lassen. Schon in ihrer Anfangsargumentation verwies Frau Krone Schmalz auf § 7 des geplanten Assoziierungsabkommens, der die militärische Zusammenarbeit der EU mit der Ukraine betrifft, was gleichbedeutend mit einer weiteren Repräsentanz der NATO ist.

Ob USA, EU oder Russland, alle haben geostrategische Interessen und wen wundert es, dass das Interesse Russlands an einem geostrategischen Knotenpunkt direkt vor der Haustüre wenig bis kein Interesse daran hat, einmal mehr die NATO dort stationiert zu wissen.

Das Freund/Feind-Schema aus Tagen des kalten Krieges funktioniert wohl nicht mehr so ganz, vor allem deshalb nicht, weil die USA den Bonus, den sie lange Zeit hatten, verspielt haben.

Wer ein Konzentrationslager wie Guantanamo unterhält, Gefangene foltern lässt, Kriege mit Lügen (IRAK) oder wie in Afghanistan ohne UN-Mandat beginnt oder mit unbemannten Drohnen willkürlich auf Basis unbewiesener Behauptungen in fremden Ländern Leute töten lässt, der hat aus Sicht einer immer größer werdenden Zahl deutscher Bürger den Heiligenschein der "Befreier" verloren. Dabei scheint Guantanamo nicht das einzige als Gefangenenlager bezeichnete Konzentrationslager der Amerikaner im Verbund mit den Briten zu sein. Auf Wikipedia ist zu lesen:

Im August 2003 wurde bekannt, dass auf Diego Garcia ein Gefangenenlager nach dem Vorbild von Guantánamo Bay auf Kuba angelegt wurde. Der Washington Post zufolge wurden in dem kaum bekannten Lager mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen gefangen gehalten. Bis zur zufälligen Enttarnung des Lagers handelte es sich anders als bei Guantánamo um ein komplett geheim gehaltenes Lager. 

Was der deutschen Presse heute offenbar fehlt, sind Vollblut-Journalisten von der Art einer Gabriele Krone-Schmalz, Journalisten, die nicht nur abschreiben. sondern Fakten recherchieren und auf Basis dieser Fakten berichten. Sofern sie das dürfen, was ich wiederum bezweifle, wenn ich mir ansehe, welche Leute die gesamte Presselandschaft beherrschen.
Wie aber sieht dieses Assoziierungsabkommen eigentlich aus? Was beinhaltet es und was bringt es für den Teil Bevölkerung der Ukraine, dem es noch nicht gelungen ist, Millionen oder gar Milliarden auf die Seite zu schaffen. Dazu habe ich mal eine Betrachtung des Abkommens seitens der SPD-nahen Friedrich Ebert Stiftung angesehen, eine Schrift, die vor den derzeitigen "Irritationen" in der Ukraine entstanden ist. DCFTA steht dabei für Deep and Comprehensive Free Trade Area, was ich mit tief greifendes und umfassendes Freihandelsabkommen übersetze.

Freihandel deutet auf freien Handel hin, was ja eine wunderbare Sache wäre, wenn das auch politisch so verstanden und umgesetzt würde. Aber die EU ist ja eine solche Freihandelszone und wenn ich mich in Deutschland so umsehe, dann hat dieser Freihandel für die Einwohner, die keine großen Unternehmen besitzen, eigentlich nur eine erhebliche Absenkung der wirtschaftlichen Möglichkeiten in Form von Lohndumping, Privatisierung, Zerstörung der sozialen Systeme und hohe Arbeitslosigkeit gebracht, Umstände, die trotz aller Schönrederei der Politik und aller Schönrechnerei der Wirtschaftsinstitute und der statistischen Ämter immer mehr Menschen betrifft.
Hier weiterlesen:
http://www.flegel-g.de/


Gruß Hubert

Monday, December 09, 2013

Angriff auf Kritiker von Monsanto in Argentinien

Man sieht mit welcher Vehemenz und Gewaltbereitschaft ein Saatgutunternehmen wie Monsanto ihre Interessen durchdrücken will, wenn da Schlägertrupps gegen Umweltaktivisten vorgehen. Die scheuen vor nichts zurück. Deswegen sollte man das Transatlantische Freihandelsabkommen unbedingt verhindern. Es steht leider zu befürchten, dass uns "unsere" EU-Kommissare wieder mal verkaufen. Diese Verhandlugen werden ja hinter verschlossen Türen vorbei am Parlament geführt.

Hier ein Artikel von amerika21.de

Bewohner wehren sich gegen größte lateinamerikanische Produktionsanlage für genetisch verändertes Saatgut. 20 Verletzte nach Überfall.

 Córdoba. In der argentinischen Provinz Córdoba sind Bewohner und Umweltschützer, die sich gegen den Bau einer Anlage des US-amerikanischen Saatgutunternehmen Monsanto wehren, von Schlägertrupps angegriffen worden. Die Demonstranten hatten seit zwei Monaten gegenüber der Baustelle in der Gemeinde Malvinas zwölf Kilometer östlich von der Provinzhauptstadt Córdoba ein Camp eingerichtet. Hier soll die größte lateinamerikanische Produktionsanlage für genetisch verändertes Saatgut entstehen.

Die Bewohner der Gemeinde Malvinas fordern, selbst über den Bau der Anlage abzustimmen. Außerdem soll eine unabhängige Bewertung der Umweltbelastungen durch die mit 27 Hektar und 260 Silos dann größten Produktionsanlage für Gen-Mais in Lateinamerika durchgeführt werden.
Am Morgen des 28. November wurden die Umweltaktivisten in ihrem Camp von rund 60 Männern mit Knüppeln und Steinen angegriffen. Die Schläger kamen nach Angaben der Aktivisten mit mehreren LKWs, verletzten zwanzig Menschen, verwüsteten das Lager, legten Feuer und stahlen persönliche Gegenstände und Mobiltelefone.

Die "Bürgerversammlung Malvinas Kampf für das Leben" beschuldigt die Bauarbeitergewerkschaft UOCRA, den Überfall organisiert zu haben. Die Polizei sei nicht eingeschritten.
Ein Delegierter der UOCRA hingegen behauptete, dass die Gewerkschaft die Aktionen der Umweltschützer zwar kritisiere, da sie den Fortgang der Arbeiten verhinderten und Arbeitsplätze gefährdeten. Die Tumulte hätten sich jedoch erst entwickelt, weil die Protestierenden Baufahrzeuge zerstörten und zwei "Banden" versuchten, das Baugelände zu besetzen. Die Männer hätten lediglich versucht, den LKWs die Zufahrt auf das Baugelände zu sichern. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Untersuchungen zur Identifikation der Angreifer eingeleitet.

Monsanto steht in Argentinien in schwerer Kritik, da dem transnationalen Saatgutkonzern die unkontrollierte Anwendung von Agrarchemikalien nachgewiesen wurde.
Die Giftstoffe werden entgegen wissenschaftlicher Empfehlungen und gesetzlicher Begrenzungen eingesetzt.

Laut einem Bericht des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur vom Oktober sind die Toxine verantwortlich für die Gesundheitsprobleme in Santa Fe, der ertragreichsten Anbauprovinz für Getreide. Zwar hat die Provinzregierung den Einsatz landwirtschaftlicher Chemikalien näher als 500 Meter zu bewohnten Gebieten verboten, die Sojasaat werde aber bis auf 30 Meter an die Wohnhäuser besprüht.

Die Bewohner der Anbaugebiete seien so 24 Stunden täglich Herbiziden wie Glyphosat und anderen ausgesetzt. Die Häufigkeit von Krebserkrankungen in Santa Fe durch den exzessiven Einsatz von Agrochemikalien ist laut dem Bericht bis zu vier Mal höher als im Durchschnitt.


Im Nordosten haben sich Missbildungen bei Neugeborenen seit Beginn der Anwendung der Biotechnologie durch Monsanto in den 1990er Jahren vervierfacht. Achtzig Prozent der untersuchten Kinder weisen Spuren von Pestiziden im Blut auf. Das weit verbreitete, auch für den Hausgebrauch hergestellte Herbizid ist das unspezifisch wirkende "Roundup" und wird vom Konzern weiterhin als ungefährlich und sicher beworben, obwohl Monsanto von einem französischen Gericht bereits 2007 wegen unlauterer Werbung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde.
Monsanto bestreitet jeden Zusammenhang der Erkrankungen mit den Pestiziden und bezweifelt die Untersuchungsergebnisse.

https://amerika21.de/2013/12/95313/monsanto-proteste

Gruß Hubert

Tuesday, August 14, 2012

Alfred Deisenhofen - EKT

Psychiatrie

Sehr geehrte Damen und Herren,

Interessantes zur EKT




Alfred Deisenhofer (Münchner Psychiatrie-Erfahrene [MüPE] e.V.)
Beantwortung folgender 4 Fragen zur Elektrokrampftherapie aus meiner
persönlichen Sicht und Erfahrung

1) Bei welchen Diagnosen wird EKT angewandt?
2) Welche reversiblen und irreversiblen Nebenwirkungen hat EKT?
3) Wie wird die Elektrokrampftherapie durchgeführt?
4) Wie wirkt sich die Behandlung auf den Krankheitsverlauf aus?

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind auch der Meinung, dass das Thema EKT keine einfachen und raschen
Antworten erlaubt, schon deshalb nicht, weil EKT seit 70 Jahren so eng mit der
Geschichte der Psychiatrie verbunden ist und weil diese Wissenschaft so viele
Probleme und Widersprüche aufweist, angefangen von der Definition von
Krankheiten bis hin zu den Therapien. Trotzdem versuche ich, aus meiner und der
Sicht vieler unserer Mitglieder Ihre vier Fragen möglichst präzise und so
ausführlich, wie es mir unbedingt nötig scheint, zu beantworten. Weil das Thema
so komplex ist wie die menschliche Seele, ergeben sich dabei immer wieder
Überschneidungen. – Diagnosen, Art der Durchführung, vor allem Nebenwirkungen
und Heilerfolge lassen sich schwer allein bestimmen und genau einkreisen. Sie
werden auch unterschiedlich von Ärzten und Psychiatrieerfahrenen beurteilt. Was
für den Arzt als Erfolg erscheint, kann für den einzelnen Psychiatrieerfahrenen
eine Katastrophe sein.

1) Bei welchen Diagnosen wird EKT angewandt?
Die Elektrokrampftherapie (EKT) wird offiziell nur noch bei schweren
Depressionen eingesetzt, die auf Medikamente nicht ansprechen. Außerdem gilt sie
als »lebensrettend«; bei katatonen Zuständen, in denen der Patient auf seine
Umwelt nicht mehr reagiert. Bis etwa 1970 war EKT die unspezifische
Standardbehandlung für alle sogenannten »Geisteskrankheiten« oder das, was man
darunter verstand oder dafür hielt. Ich gehe davon aus, dass es auch heute
daneben noch eine hohe Dunkelziffer von EKT-Anwendung bei anderen Diagnosen
gibt, da die Behandlung sehr einfach und diskret durchzuführen ist und im
Gegensatz zur Medikamentenbehandlung außer dem Arzthonorar und dem einmaligen
Anschaffungspreis für das Gerät nur minimale Stromkosten verursacht. So wird in
den USA niedergelassenen Psychiatern zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen
Situation auch geraten, sich ein EKT-Gerät anzuschaffen und einen einwöchiges
Trainingskurs zu machen.
»..learn (…) specialized treatments, such as electroconvulsive therapy (ECT).
One psychiatrist whose practice was self-described as »strictly inpatient« took
a week-long practicum in ECT and has since developed an inpatient and outpatient
ECT service" (Auszug aus der Psychiatric Times).
Die Versuchung, EKT zur Lösung aller möglichen Probleme anzuwenden, scheint für
Psychiater sehr groß zu sein zum Schaden vieler Patienten, die oft glauben, dass
der Stromstoß ins Gehirn keine Schäden verursache, bis sie durch schmerzliche
Erfahrung eines besseren belehrt sind.
Ich selbst wurde jahrzehntelang im Unklaren darüber gelassen, ob und wie viele
Elektroschocks ich während meines Zwangsaufenthaltes in Haar bekommen hatte und
wegen welcher Diagnose. Ich musste also meine noch 1986 testpsychologisch
festgestellten Ausfallserscheinungen dem Fortschreiten einer Krankheit
zurechnen, die ich nicht gehabt hatte. Erst 1990 habe ich durch ein
Gerichtsgutachten (in dem es um meine Behinderung ging, nicht um eine Klage),
welches aus meinen Originalkrankenpapieren wörtlich zitierte, eher beiläufig zur
Kenntnis nehmen können, dass ich zusätzlich zu den 19 Insulinschocks auch
diskret 12 Elektroschocks erhalten hatte, was meine schweren
Ausfallserscheinungen nach meinem ersten Aufenthalt in Haar für mich
nachträglich erklärte. In einem Gerichtsgutachten von 1986 war aber noch
sachwidrig behauptet worden, in meinen Haarer Krankenpapieren wäre gar keine EKT
dokumentiert, aus den dortigen Unterlagen ginge nicht hervor, dass ich EKT
erhalten habe. Als Nichtprofi glaubt man immer dem Fachmann und seinem
Gutachten, auch wenn die Aussage falsch ist. Ich persönlich bin sicher, dass ich
bei meinem Erstaufenthalt in der Klinik 1953 in Haar als 18-Jährger durch
unnötig und willkürlich gegebene Schocktherapie so geprägt und geschädigt wurde,
dass sich von da an mein ganzes Leben und meine Persönlichkeit zum Negativen hin
veränderte. Meine nachfolgende Psychiatriekarriere wäre ohne diese
Schockbehandlung nicht eingetreten. Aus psychiatrischer Sicht wurde meine
Geisteskrankheit damals zum ersten Mal erkannt und hat sich »trotz«, nicht wegen
der Heilkrämpfe (die man dem Patienten natürlich aus »therapeutischen Gründen«
gegeben und verschwiegen hatte) dann weiterentwickelt. Aus meiner Sicht sieht
das anders aus.
Ich gehe auch davon aus, dass viele stationäre Langzeitpatienten, die heute
versorgt werden müssen, noch Opfer der damals extensiv geübten Schocktherapie
sind, ohne es zu wissen. Meine eklatanten sprachlichen Defizite (Aphasie) nach
EKT haben sich im Laufe der Jahrzehnte unter günstigen Bedingungen nach und nach
zurückgebildet, die visuellen Defizite sind aber heute noch offenkundig, obwohl
nicht mehr ganz so schwerwiegend wie unmittelbar nach der Behandlung. Dass EKT
damals für mich das soziale Aus bedeutete, lässt sich auch an meinem
Schülerbogen ablesen, den ich beilege.
Ich kenne verschiedene Psychiatrieerfahrene, die auch glaubhaft behaupten, EKT
erhalten zu haben, die es aber nicht belegen können, weil man es ihnen
verheimlicht hat. Es ist sehr schwierig, dann eine Gehirnschädigung durch EKT zu
behaupten, wenn EKT nicht dokumentiert ist. Unter vielen Leidensgenossen bin ich
fast ein Ausnahmefall, dass ich heute nach 40 Jahren definitiv weiß, was damals
an mir und vielen anderen verübt wurde. Eine mir bekannte Psychiatrieerfahrene
hat in den 80er Jahren nach einem Klinikaufenthalt in der Uniklinik Bonn durch
ihren Hausarzt nachträglich erfahren, dass die »Heilschlafbehandlungen«
eigentlich Elektrokrampfbehandlungen mit vorheriger Betäubung waren.
Ich lege einige Seiten aus Lehrbüchern vor, in denen das »amnestische Syndrom«
als nicht schockverursacht, sondern konstitutionsbedingt hingestellt wird. Das
ist typisch für die Denkweise der Schockärzte, dass sie die Folgen einer
iatrogenen Hirnschädigung entweder nicht zur Kenntnis nehmen oder einfach auf
die morbide Konstitution des Klienten abwälzen. Als ich Patient in Haar war,
wurden noch häufig (eben auch an mir) Elektrokrämpfe in der Bewusstlosigkeit
eines vorher erzeugten Insulinkomas verabreicht. Man nannte das
»Kombinationsschock« und sprach dem doppelten Schock doppelte »Heilkraft« zu,
nach dem Motto« je mehr desto besser«. Nur die ganz alten Psychiater wissen
heute noch, was sich unter dem neutralen Namen »Kombinationsschock« verbirgt.
Ich musste lange herumfragen, bis mir das einer erklären konnte, der es selber
noch gemacht hatte. Als ich Professor Sollmann anlässlich des internationalen
EKT-Workshops in München 1992 wegen meiner noch 1986 festgestellten
Gedächtnisdefizite ansprach, meinte er freundlich, diese müssten vom Insulinkoma
herrühren, da Elektroschock absolut sicher sei. Die meisten EKT-Patienten, die
ich in Deutschland persönlich kenne, reden nicht gerne über ihre leidvolle
Erfahrung mit Elektroschock und seinen Folgen. In Amerika gibt es eine Website
für Patienten zum Thema. Die meisten berichten über sehr negative Folgen . Nur
eine Hausfrau nimmt es mit Galgenhumor und schreibt, dass sie seit ihrer EKT in
ihren Schubladen immer etwas Neues findet, weil sie vergessen hat, was darin
war, und dass ihre Kinder es schätzten, dass sie immer zweimal Taschengeld von
ihr bekämen wegen ihrer Vergesslichkeit.. Schon in alten Lehrbüchern wird am
Rande eingeräumt, dass Leute bei geistiger Tätigkeit nach EKT Schwierigkeiten
haben. Die englische Lyrikerin Sylvia Plath hatte in einem lesenswerten Buch
(the jar bell) darüber geschrieben. Sie hat sich bald darauf suizidiert, so wie
auch Earnest Hemingway, der sich besonders negativ und verzweifelt über die
Folgen seiner EKT ausgesprochen hat. Die begabte Schweizer Schriftstellerin
Annemarie Schwarzenbach bekam, weil sie lesbisch und zudem drogensüchtig war, in
den 40er Jahren in den USA vermutlich Krampftherapie, war dann eine gebrochene
Persönlichkeit und starb bald darauf bei einem Fahrradunfall in der Schweiz, der
auch suizidalen Charakter hatte. Man kann sagen, dass EKT zunächst gelegentlich
eine Euphorie schaffen kann, wenn man durch den Angriff auf das Gehirn seine
Probleme vergisst. Nachher kommen die Probleme meist mit doppelter Macht zurück,
weil man auch noch, je nach Anzahl der Schocks, eine mehr oder weniger starke
Gehirnschädigung zu verkraften hat. Ich lege einige Berichte von Betroffenen
bei. Solche Berichte finden im Allgemeinen wenig Gehör und bewirken wenig, weil
man Psychiatrieerfahrenen zu Unrecht die Fähigkeit abspricht, zu erkennen, was
für sie gut oder schädlich war.
Ich selber habe noch keinen Patienten getroffen, der sich über seine
EKT-Behandlung positiv ausgesprochen hat. Ich kenne aber viele, die sagen, sie
möchten sich so behandeln lassen, da EKT auch in Zeitschriften als
Wundertherapie für Finsternisse der Seele angepriesen wird. Ich rate jedem
Depressiven, dem die Ärzte eine EKT anraten, auf keinen Fall in eine solche
Therapie einzuwilligen. Der Preis, den der Patient für eine eventuelle schnelle
und vorübergehende Stimmungsaufhellung zahlt, ist sehr hoch.. Der bekannte
Gehirnchirurg Detlev Linke, hat Wirkungsweise von EKT in einem mir vorliegenden
Interview so beschrieben: »Wenn man eine defekte Uhr in die Ecke wirft, dann
funktioniert sie manchmal und manchmal nicht.«
Bei depressiv Suizidgefährdeten und Katatonen rechtfertigt man EKT heute damit,
dass ohne EKT der schwer Depressive sich suizidieren und der Katatone sterben
würde, dass also EKT in beiden Fällen lebensrettend und das kleinere Übel sei,
so dass selbst schwerwiegende Nebenwirkungen »Peanuts« sind. Früher hat man in
Haar mit ähnlichen Argumenten auch die Leukotomie gerechtfertigt und EKT eine
kleine Leukotomie genannt. Ich lege einen Ausschnitt aus der Haarer Festschrift
von 1955 bei, in dem die Wirkung von EKT mit der noch besseren »Heilwirkung« der
Leukotomie verglichen wird und beide »Therapien« der bis 1945 in Haar auch
praktizierten Euthanasie (Heilung durch Patientenmord) gegenübergestellt werden.
Vor dem Hintergrund der Haarer Euthanasie heben sich dann nach der Meinung der
Autoren EKT und Leukotomie noch sehr positiv ab, und man beklagt in der
Festschrift die nach 1945 einsetzende »Humanitätsduselelei«, die den Patienten
die so segensreiche Leukotomie vorenthalten und den Ärzten ihre mutige Arbeit
verleiden möchte. Man ging damals wenig rücksichtsvoll mit Patienten um und
kümmerte sich nicht um ihre Empfindungen oder gar um Einwilligung.
Compliance für EKT ist in moderner Zeit immer am leichtesten von einem
Depressiven zu erhalten, weil von ihm am wenigsten Widerstand ausgeht. Aus
dieser praktischen Erwägung heraus wird heute die Depression (wie eingangs
erwähnt) als eigentliche Indikation genannt. Die sogenannte Positivsymptomatik
einer produktiven Erstpsychose wird in der Regel nicht mehr (wie früher) mit
Schocks behandelt, sondern durch hochdosierte sedierende Neuroleptika gedämpft.
Wenn unter der Wirkung der Medikamente eine sogenannte »Negativsymptomatik«
auftritt, der Patient teilnahmslos oder gar kataton wird, kann dieser Zustand
als depressiv eingestuft werden und nach der jetzigen Mode auch mit EKT
angegangen werden. Psychiatrieerfahrene fürchten, dass sie ohne ihr Wissen in
einer geschlossenen Klinik Elektroschock bekommen haben oder wieder bekommen
können, eine Befürchtung, die ich aus den Erfahrungen meiner eigenen
Krankengeschichte und angesichts der immer noch undurchsichtigen Strukturen der
Großkrankenhäuser und ihrer mangelnden Informationspflicht und schlechten
Dokumentation nachvollziehen kann. Diese Angst ist umso verständlicher, als nach
meiner Information auch in Haar kürzlich das neue Schockgerät Thymatron
angeschafft wurde, nachdem man 20 Jahre lang in Haar offiziell nicht mehr
geschockt hatte. Patienten wurden dazu in eine Uniklinik gebracht. In den
beigelegten Seiten aus dem Buch »Irre« von Rainald Götz ist so ein Fall
dargestellt. Die heute wieder aufkommende Angst, in Großkliniken wieder
geschockt zu werden, wird umso eher schwinden, je mehr sich eine gemeindenahe
Versorgung der Psychisch Kranken (für die MüPE auch kämpft) durchsetzt und
Qualitätskontrolle und Transparenz zur Regel werden.
Die sogenannte biologische Psychiatrie hat eigentlich nur drei Möglichkeiten zur
Bekämpfung der sogenannten Psychosen, die man früher Geisteskrankheiten nannte,
a. die chemische Einwirkung durch dämpfende Psychopharmaka,
b. die undifferenzierte physikalische Elektroschockmethode (die auch als
Foltermethode verwendet wurde, aber bei vorheriger Betäubung schmerzfrei ist,
auch wenn nachher Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Ausfälle entstehen) und
c. die früher auch in Haar häufig durchgeführte Leukotomie. Das war die
chirurgische Abtrennung des Stirnhirns. Leukotomie, für deren Einführung der
portugiesische Psychiater Moniz den Nobelpreis erhalten hatte, wird heute nicht
mehr angewendet und (etwa zur Schmerzbekämpfung) durch modernere sterotaktische
Eingriffe ersetzt.
Da man bis heute nicht weiß, wie Elektrokrampftherapie wirkt, kann man es bei
jeder psychiatrischen Diagnose einsetzen. Aus der Literatur, die ich verfolge,
lässt sich entnehmen, dass EKT zunehmend jetzt für alte Patienten als nützlich
und unschädlich dargestellt wird. Während Psychiatieerfahrene sich zu
Selbsthilfegruppen zusammenschließen, langsam lernen, sich zu artikulieren, hat
diese neue Zielgruppe der ganz alten Opas und Omas keine Lobby, vor allem, wenn
sie auch noch depressiv sind. Gehirnschäden durch Schock können dann leicht der
Altersdemenz zugerechnet werden. Die Gerontopsychiatrie scheint ein neues, auch
gewinnträchtiges Einsatzgebiet für EKT zu werden.
Sogar für schwangere Frauen wird der Einsatz der neuen EKT als Alternative zu
eventuell fötusschädigenden Medikamenten ernstlich in Erwägung gezogen.
Bei der Ungenauigkeit der psychiatrischen Diagnosen und bei ihrer
Undifferenziertheit besteht immer auch die Gefahr, dass wirtschaftliche
Überlegungen auf seiten des Arztes eine Rolle spielen. Menschen mit hohem
Leidensdruck geben oft nach und unterschreiben und glauben gern etwas, was ihnen
als einfache Rettung vorgespiegelt wird und sich dann als Chimäre erweist,
Probleme nicht löst, sondern zusätzliche schafft.

2. Welche reversiblen oder irreversiblen Nebenwirkungen hat EKT?
EKT wurde früher bei Bewusstsein und ohne Betäubung und sehr häufig gegeben, in
Haar auch routinemäßig zur Vorbereitung der Patienten aufs Wochenende, wenn
Besuchszeit war und die Personaldecke dünner war. Ältere Pfleger wussten noch,
dass man die Freitage damals im Jagon »Waschtag« nannte, weil da jeder
prophylaktisch eine Behandlung im Sinne einer vom Personal positiv gesehenen
»Gehirnwäsche« bekam.
a) Um die »Nebenwirkungen« kümmerte man sich damals nicht. Die Ärzte wussten,
dass der Elektroschock, wie man EKT damals nannte, ohne Betäubung für den
Patienten eine sehr traumatische Erfahrung war und große Angst davor herrschte.
Die Befürworter von EKT ohne Betäubung argumentierten aber, dass beim Aufwachen
nach dem »Schock« infolge der Schädigung des Kurzzeitgedächtnisses dem Patienten
dieses Erlebnis nicht mehr in Erinnerung sei. An anderer Stelle leugnet man aber
jede Gedächtnisschädigung durch Schock und schreibt sie der von Anfang an
morbiden Konstitution des Patienten zu. Von Militärpsychiatern des 2.
Weltkrieges wurde auch argumentiert, dass das Foltererlebnis bei EKT ohne
Betäubung einen erzieherischen Wert für den Soldaten mit einer Kriegspsychose
habe und deshalb erwünscht sei, »weil das vor dem Krampf auftretende
Vernichtungsgefühl alarmierend wirkt und nicht in der nachfolgenden
Amnesie...unterzugehen pflegt«.
Während einer Serie von Schocks nimmt der Patient in dem »geschützten« Raum
einer Klinik und wegen seiner Benommenheit und einer gewissen vorübergehenden
»Euphorisierung« und Verflachung seinen Leistungsabfall auch nicht sofort wahr,
sondern erst, wenn er nach einer Schonzeit draußen wieder mit Anforderungen in
Familie und Beruf konfrontiert ist. Dann ist die Sache aber schon gelaufen und
nicht mehr zu ändern. Ich fühlte mich nach meiner Schocktherapie vernichtet, und
als Persönlichkeit reduziert, meiner Erinnerungen ohne Grund beraubt und konnte
meine vorher sehr guten Leistungen im Gymnasium in keiner Weise mehr halten oder
wiederaufnehmen.
Dagegen gibt es eine amerikanische Studie von 1993, die behauptet, dass
Patienten selbst nach 100 EKT keine kognitiven Schäden gegenüber anderen
Patienten aufweisen. Ein Psychiater kann von seinem »Krankengut« in so einer
Studie alles behaupten, je nachdem, welchen Maßstab er ansetzt. Auch von der
Leukotomie wurde behauptet, sie sei unschädlich für psychisch Kranke. Die
eigentlichen Schäden empfindet der so geschädigte und stigmatisierte Kranke nur
selbst, und dem glaubt man sie nicht, rechnet sie seiner psychischen Krankheit
zu. So hatte auch nach Presseberichten ein Mann, der in den 80er Jahren die
Dürergemälde in der Münchener Pinakothek mit Säure zerstörte, offensichtlich
noch genug kognitive Fähigkeiten, um das zu planen, obwohl er eine Leukotomie
hinter sich hatte. Dass ein normal intelligenter Mensch nach eines solchen
Behandlung noch einen Racheakt planen kann, ist aber kein Beweis, dass er keinen
Gehirnschaden hat. Einen lange hospitalisierten psychisch Kranken misst man
nicht mehr nach normalen Standards, steht doch in den Lehrbüchern, dass die
Krankheit selbst zur Imbezilität führen kann. Immerhin beweisen die EKT-Studie
sowie der leukotomierte Bilderzerstörer, dass man beide Behandlungsarten
irgendwie überstehen kann, wenn auch auf erniedrigtem seelischen und geistigem
Niveau. Das genügt uns aber nicht als Erfolg unserer Therapien. Es gibt eine
Gruppe von ehemaligen Schockpatienten, die sich als »survivor« bezeichnen.
Psychiater berufen sich darauf, dass EKT statistisch von allen Operationen, die
in Narkose durchgeführt werden, die niedrigste Todesrate habe. Dieser Statistik
messe ich keinen großen Wert zu, da ich unter anderem davon ausgehe, dass EKT,
die früher in Großkliniken auch als Disziplinierungsmaßnahme verwendet wurde und
mancherorts wohl noch wird, nur sehr unvollständig und vage dokumentiert wird.
Da die Anwender EKT seit 70 Jahren hartnäckig für völlig harmlos halten, aber
auch wissen, dass EKT wegen ihrer »Nebenwirkungen« in schlechtem Ruf steht, tun
sie ihre Arbeit meist im Stillen. In einer geschlossenen Klinik konnte und kann
man nicht nur EKT verheimlichen, sondern auch Todesursachen kaschieren.
Ausfallserscheinungen durch EKT sind schwer zu belegen, weil sie, wenn sie
belegt sind; als normale Krankheitssymptome oder (seit EKT nur noch in Narkose
gegeben wird) ausschließlich als Narkoseunfälle hingestellt werden, soweit man
sie überhaupt zur Kenntnis nehmen muss. Ein Narkoseunfall bei EKT ist aber
deshalb sehr unwahrscheinlich, weil zur Verhinderung einer Abwehrreaktion des
Patienten und um die letzte Compliance der Bewusstlosigkeit zu erreichen, nur
eine Kurzbetäubung von wenigen Sekunden nötig ist, innerhalb welcher Zeit der
Patient durch Stromeinwirkung auf das Gehirn unter Krämpfen ohnehin bewusstlos
wird. Die EKT-Psychiater berufen sich aber trotzdem auf den Narkosezwischenfall,
weil Unschädlichkeit von EKT für sie auch ein abstraktes und geschütztes Dogma
ist, das durch kein Argument zu erschüttern ist und das sie mit all ihrer
Autorität verteidigen.
b) Während die geistigen und seelischen Nebenwirkungen einer Behandlung, so
schwer sie für Betroffene auch sein mögen, angesichts des antzipierten schweren
Verlaufs jeder diagnostizierten geistigen oder seelischen Erkrankung für
Fachleute kein Problem und keine Kontraindikation darstellen, waren körperliche
und orthopädisch feststellbare Folgen von Anfang an nachweisbar und einklagbar.
Bei der Heilkrampfbehandlung kam es zu Knochenbrücken und Wirbelfrakturen, die
zwar in der Regel nicht beachtet wurden, die aber in besonders krassen Fällen
schon in den 50er Jahren zu mutigen Reklamationen von Angehörigen führten.
Um solche offensichtlichen und nicht wegzuleugnenden Nebenwirkungen zu
vermeiden, experimentierte man schon damals mit dem Nervengift Curare, das vor
dem Schock in nicht tödlicher Dosis appliziert wurde, die Muskulatur des
Patienten lähmte und die körperlichen Krämpfe milderte. Heute ist die Anwendung
relaxierender Mittel vor EKT die Regel, dämpft die sonst überaus heftigen
Konvulsionen, verhindert Knochenbrüche und muss somit als Beweis für
Fortschrittlichkeit, Unschädlichkeit und Humanität der neuen und modernen EKT
herhalten.
An den geistigen und seelischen Schäden von EKT hat sich nichts geändert.
Vielleicht geht man heute vorsichtiger und etwas maßvoller mit dieser
barbarischen Behandlungsmethode um. Betäubung und muskelentspannende Mittel zur
Vermeidung von Wirbelbrüchen sind aber keine moderne Erfindung (siehe Aufsatz
von Prof. Kalinowsky, Juni 1951). Ob man heute noch das Pfeilgift Curare, das
dem Schierling verwandt ist, nimmt, weiß ich nicht.
Wie lange die geistigen und (im Sinne einer Verflachung oder vorübergehenden
Euphorisierung) seelischen Nebenwirkungen einer Gehirnschädigung durch EKT
anhalten, hängt (wie bei jedem Gehirntrauma) von dem Grad der Schädigung, d.h.
von der Stärke der Schocks, ihrer Anzahl, ihrer Dichte und von den
Rehabilitationsmaßnahmen ab, die der Patient nachher erfährt. Auch ein schweres
Schädel-Hirn-Trauma ist nicht ganz irreversibel, und die Folgen eines schweren
Schlaganfalls können im Lauf der Zeit mehr oder weniger kompensiert werden. Die
alte Leistungsfähigkeit wird nach einer Schocktherapie in der Regel nicht mehr
erreicht. Das quälende Gefühl der Leistungseinschränkung nach Schocks kann aber
eine Zeitlang überlagert werden von einer gewissen Euphorie und Gleichgültigkeit
Problemen gegenüber, so dass der Patient sich auch subjektiv besser fühlt. Falls
ein Patient sich über seine Ausfallserscheinungen beklagt, kann man ihm das
leicht als noch übriggebliebenes Depressionssyndrom diagnostizieren und eine
weitere EKT-Behandlung empfehlen. Da er das nicht mehr will, wird er schon aus
eigenem Selbsterhaltungstrieb aufhören, über seine Ausfälle zu klagen.
Für mich persönlich war die erste Schocktherapie die Initiation in meine
Existenz als Psychisch Kranker und Behinderter, die mir gar nicht in die Wiege
gelegt war, die ich aber annehmen musste und schließlich notgedrungen auch
akzeptierte. Ich habe Hinweise darauf, dass es bei vielen anderen Patienten
nicht anders war. Übereinstimmend berichten EKT-Patienten, dass sie vor allem im
visuellen Bereich Ausfälle haben. Das entspricht meiner eigenen Erfahrung. Meine
sehr guten Schulleistungen sanken nach der EKT-Behandlung rapid. Ich bot erst
von da ab das Bild eines psychisch Kranken, was auch bei einem weiteren
Klinikaufenthalt sich verstetigte. Meine Lehrer bescheinigten mir dann auch im
Schülerbogen in einem Eintrag ein Jahr nach der Schockbehandlung: »Ein Fall der
nur noch die Medizin, nicht mehr die Schule angeht.« Ich habe ein noch 1986
testpsychologisch auffallendes Defizit in der visuellen Wahrnehmung, das nach
Meinung des Gutachters »eine organische Ursache haben könnte«, das eben typisch
für EKT-Patienten ist. Darüber gibt es auch wissenschaftliche Erklärungen, weil
der Schläfenlappen, an dem die Elektroden bei EKT angesetzt werden, zwar auch
für andere Persönlichkeitsbereiche, aber besonders für visuelle
Erkennungsprozesse wichtig ist. (Ich lege dazu den Aufsatz »Psychopathology of
Lobe Syndroms« bei). Kein Schockanwender würde die Idee zulassen, ein so
spezifisches und auffallendes Defizit könnte eine irreversible Spätfolge der
Schocktherapie sein. Eine solche Annahme in Betracht zu ziehen, eine solche
Untersuchung überhaupt anzustellen, wäre eine Verletzung des Dogmas von der
Unfehlbarkeit des Psychiaters und seiner seit 70 Jahren erfolgreich erprobten
Waffe gegen die Geisteskrankheit, die EKT heißt. Dieses Dogma wird meiner
Ansicht nach umso hartnäckiger verteidigt, je unsicherer und fragwürdiger
Diagnosen und Therapieansätze werden. Man muss sich dabei vor Augen halten, dass
die Psychiatrie nicht in dem Sinn eine exakte Disziplin der Medizin ist wie etwa
die Kardiologie oder die Orthopädie. Es gibt bis heute keine biologischen
Erkennungsmerkmale für psychische Krankheiten. Die Grundlage einer Diagnose ist
immer das Verhalten oder die verbale Aussage eines Patienten und die
Subjektivität des Diagnostizierenden. Die ordnungspolitische Aufgabe der
Psychiatrie ist heute noch, Menschen, die durch ungewöhnliche Aussagen oder
Handlungen Normen verletzen könnten, in einen so beruhigten, reduzierten,
notfalls auch imbezilen Zustand zu versetzen, in dem sie das nicht mehr tun können.
Ob alle Langzeitpatienten Menschen mit ursprünglichen Gehirnkrankheiten waren,
wissen wir nicht. Nach EKT haben sie aber ein feststellbares Syndrom. In diesem
Sinne hat Professor Dörner einmal gesagt, EKT verwandle psychiatrische Patienten
in neurologische.
Das Ziel und auch die gesellschaftliche Auftrag der Psychiater ist, diese
Menschen (die aus unterschiedlichsten Gründen auffällig sind oder erscheinen) zu
markieren, manchmal mit einem Stigma, einem Syndrom, und sie so zu verändern,
dass soziale Konflikte innerhalb von Familien oder Gruppen vermieden werden.
Dabei steht dem Psychiater ein weites Spektrum von Diagnosen und
Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die er sehr subjektiv einsetzen kann, da es
zwar anerkannte Lehrmeinungen, aber kein objektiven Kriterien gibt. Wenn bei der
Therapie Gehirnschäden oder organisch bedingte Intelligenzminderungen auftreten,
spielt das dabei eigentlich keine Rolle gegenüber der großen Aufgabe, den
sozialen Frieden wiederherzustellen, und kann auch schlichtweg vernachlässigt
und geleugnet werden.
Die Geschichte der Psychiatrie ist voll von Foltermethoden, die euphemistisch
als Therapie ausgegeben wurden. Der alte Elektroschock war eine Foltermethode
speziell für das Gehirn mit üblen Folgen für den Patienten. EKT und wird heute,
soweit mir bekannt ist, nur noch in Narkose durchgeführt, so dass dem Patienten
die Angst vor dem Schmerz erspart bleibt, nicht aber die Schädigung.
Die EKT-Folter in Narkose erinnert mich in makabrer Weise an die
Hinrichtungsmethoden der alten Chinesen, die dem Delinquenten große Mengen Opium
einflößten, bevor man ihn Glied für Glied amputierte. Eine fortschreitende
Amputation geistiger und seelischer Fähigkeiten stellt die Erzeugung künstlicher
Epilepsien durch Strom auch dar. Ein Elektroschock unterscheidet sich nur im
Ausmaß der Schädigung von einer Leukotomie, die früher auch mit moralischen
Argumenten verteidigt wurde und eine schwere Gehirnamputation darstellt. In der
Haarer Festschrift von 1955 (Autor: Oberarzt Dr. Vult Ziehen) kann man noch
lesen, dass man durch öftere Anwendung von EKT die Wirkung einer Leukotomie
erreicht. Beides sei für den Patienten unschädlich.
EKT geht mit Hirnschädigungen und Leistungsausfällen einher, die mit der Zahl
der Behandlungen zunehmen. Aussagen von Betroffenen und Untersuchungen darüber
werden aber von den Anwendern ignoriert und geleugnet.

3. Wie wird die Elektrokrampftherapie durchgeführt?
Wie heute eine EKT Therapie genau durchgeführt wird, kenne ich nicht aus
persönlicher Anschauung, nur aus Bildern und Berichten, da die Ärzte uns und
auch der Öffentlichkeit keinen Einblick in solch eine Sitzung gewähren. Manche
Anwender äußern sich so »begeistert« über ihre Therapieform, dass man annehmen
muss, dass ihnen die Macht, die sie mit dem Stomkabel über den Patienten
ausüben, Freude und Befriedigung gibt, nicht aber dem Patienten. Wie meine EKT
damals verlaufen ist, kann ich auch nicht sagen, da ich ja vorher (mit Insulin
und anderen Mitteln) betäubt wurde, was heute die Regel ist. Ich konnte nicht
einmal mit Bestimmtheit belegen, dass ich eine solche Behandlung bekommen hatte.
Ich lege aber den Teil meiner Krankengeschichte bei, den ich seit 1993 besitze
und in dem meine EKT (wenn auch verschlüsselt) dokumentiert ist.
Für Psychiatrieerfahrene sind EKT und deren Folgen so traumatisch und
demütigend, dass sie nicht gerne darüber reden.
Für die Münchner Verhältnisse ist das Buch »Irre« von Rainald Götz (einige
Seiten liegen bei) vielleicht aufschlussreich, der selber als junger Psychiater
Anfang der 80er Jahre in der Münchner Universitätsklinik gearbeitet hat und dort
auch beschreibt, wie EKT-Behandlungen durchgeführt wurden. Generell lässt sich
sagen, dass dabei zwei Elektroden an den Schläfen des Patienten befestigt werden
und ein starker Strom hindurchgeschickt wird, wodurch der Patient einen
epileptischen Anfall erleidet. Die »geniale« Idee, elektrischen Strom
therapeutisch zur Erzeugung epileptischer Anfälle (Heilkrämpfe) zu benutzen, war
dem italienischen Psychiater Cerletti bei einem Besuch im Mailänder Schlachthof
gekommen, wo ihn beeindruckte, dass Schweine, die vor dem Schlachten mit
elektrischem Strom betäubt wurden, daran nicht starben, sondern nur in Krämpfe
verfielen. Bei ersten Versuchen mit Hunden entdeckte er, dass so ein Strom, wenn
er nur durchs Gehirn und nicht übers Herz gejagt wurde, nur Ohnmacht, nicht aber
den Tod verursachte. Damit war EKT als sicher für Patienten eingestuft und wurde
in den 30er Jahren zur gängigen Behandlung gegen »Verrücktheit«. Ich besitze
auch ein Dokument, demzufolge bei einem Ärztekongress in Wien 1944 ein Mensch
vor der versammelten Ärzteschaft zu wissenschaftlichen Zwecken durch wiederholte
EKT absichtlich getötet wurde.
Schon in den 50er Jahren gab es den Versuch, der als großer Fortschritt gesehen
wurde, die EKT nicht mehr bilateral, sondern unilateral anzuwenden. In den 90er
Jahren wurde diese »Fortschritt« neu entdeckt und als bahnbrechende Neuheit
propagiert. Dabei werden die beiden Elektroden nur an einer Kopfseite angelegt
und zwar beim Rechtshänder an der rechten Kopfseite, die anatomisch mit der
linken, nicht dominierenden Hand verbunden ist, beim Linkshänder umgekehrt.
Damit erreicht man, dass die Schädigung vorwiegend auf der nicht dominierenden
Hirnseite entsteht und weniger störend für den Patienten sein soll. Ich habe
aber auf dem EKT-Workshop in München 1992 im Krankenhaus rechts der Isar
erfahren, dass diese unilaterale Anwendung nicht unbedingt vorzuziehen ist, weil
sie zwar schonender, aber auch weniger wirksam erscheint und daher öfter
angewendet werden muss, um dieselbe »Remission« zu erreichen.
4. Wie wirkt sich die Behandlung auf den Krankheitsverlauf aus?
Für mich bedeutete die EKT-Behandlung keine Heilung, sondern den Einstieg in das
Dasein des Behinderten und psychisch Kranken. Ich habe, seit ich MüPE und dem
Bundesverband Psychiatrieerfahrene angehöre, einige Veranstaltungen besucht,
unter anderem den oben erwähnten internationalen EKT - Workshop im Klinikum
rechts der Isar in seiner ganzen Länge und habe an Professor Lauter einen
ausführlichen Brief geschrieben, den er nicht beantwortet hat. Aus diesen
Kongressen und aus ausgedehnter Lektüre weiß ich, dass EKT, wenn man Glück hat,
von akuten Symptomen befreien kann, aber keine Heilung bewirkt. Rückfälle sind
vorprogrammiert, und es gibt auch den Begriff »Erhaltungs-EKT«, d.h. Schocks im
Abstand von einigen Wochen oder Monaten. Die meisten EKT-Patienten sind auch
nicht geheilt in dem Sinn, dass sie dann keine Antidepressiva mehr bräuchten.
Das erfährt man aber nur durch gezieltes und hartnäckiges Fragen. In Deutschland
waren die Elektroschocks ziemlich zurückgedrängt, sind aber in letzter Zeit
wieder mehr in Mode gekommen, seit man die körperlichen Nebenwirkungen der
Neuroleptika (Spätdyskinesien) besser kennt und sie nicht mehr einer genetisch
angeborenen Morbidität des Patienten anlasten kann. Die nach außen sichtbaren
Nebenwirkungen von EKT (Knochenbrüche) sind weit leichter zu beherrschen, als
die nach außen sichtbaren Dyskinesien. Die sogenannte »biologische Psychiatrie«
(so nennen sich die Psychiater, die psychische Leiden als reine
Gehirnkrankheiten sehen) und mit ihnen die Pharmaindustrie arbeiten zwar an der
Entwicklung von Neuroleptika, die nur die geistigen Leistungen durch Lähmung der
Dopaminrezeptoren behindern, die für Körperbewegung zuständigen und chemisch
anders gebauten Rezeptoren aber nicht angreifen (Risperdal und Zyprexa), Man
weiß aber noch nicht, welche Langzeitwirkung diese Mittel haben.
Die Renaissance der alten EKT in Deutschland ist auch ein Zeichen der
Hilflosigkeit der biologischen Psychiatrie gegenüber den nachweisbaren
Begleiterscheinungen vieler Psychopharmaka und der Versuch, eine »altgediente«
Behandlungsweise mit neuem Elan wieder neu zu installieren, denn früher übliche
Knochenbrüche oder Wirbelverletzungen durch Schocks sind heute weitgehend
vermeidbar, während Spätdyskinesien auch bei neueren Medikamenten nicht
ausgeschlossen werden können, da sie sich erst über Jahre entwickeln.
Aus all dem ergibt sich, dass ich aus eigener Erfahrung heraus EKT wegen ihrer
beträchtlichen Kurz- und Langzeitschäden, ihrer Wirkungslosigkeit und ihrer
Geschichte als Folterinstrument entschieden ablehne und auf die Entwicklung
einer gemeindenahen Psychiatrie ohne Schocks und mit möglicht wenig Medikamenten
in Krisenzeiten setze. Familientherapeutische und psychologische Ansätze sollten
im Vordergrund stehen. Damit weiß ich mich im Einklang mit der großen Mehrheit
unserer Mitglieder.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen Ausführungen ein wenig gedient zu haben und auch der
Sache. Ich habe Ihnen als Anlage Aussagen von Psychiatrieerfahrenen und Aussagen
von Psychiatern (teils aus alten und neuen Lehrbüchern und psychiatrischen
Fachzeitschriften) beigelegt. Ich hoffe, diese Anlagen sind nicht zu
unübersichtlich. Ich habe in den letzten Jahren nicht nur an EKT Kongressen
teilgenommen, sondern auch in der Fachliteratur gelesen und besitze noch mehr
Unterlagen. Ich kann auch gerne die genaue Herkunft der einzelnen beigelegten
Texte nachweisen und andere Texte beibringen, falls das nützlich ist.
Da ich aber nicht weiß, wie viel Zeit Sie für die Untersuchung aufwenden können
und ob es überhaupt Menschen gibt, die sich mit dem komplizierten und
unerquicklichen Thema tiefer auseinandersetzen können und wollen, erspare ich
mir die psychische Belastung, die für mich als Betroffenen immer noch mit der
Erinnerung an meine eigene EKT verbunden ist, obwohl seitdem viel Zeit
verflossen ist und ich inzwischen gelernt habe, einiges mehr an Belastung und
Stigmatisierung zu ertragen. Erkennbar ist aus den Texten, dass Patienten,
soweit sie sich artikulieren, wegen die Ausfälle nach EKT sehr betrübt und
sozial verunsichert sind, das aber nicht mehr rückgängig machen können, sondern
versuchen müssen, damit fertig zu werden und zu leben. Gelingt ihnen das trotz
ihrer Schäden, dann gilt die Behandlung als erfolgreich, gelingt es nicht dann
gilt der Patient eben als hoffnungslos. Suizidiert er sich nach EKT, dann war
immer seine angeborene Depression schuld. EKT-Behandler, die diese Ausfälle
nicht selbst spüren, neigen dazu, sie zu bagatellisieren oder, (was leicht
möglich ist) sie der Krankheit oder der besonders morbiden Konstitution der
»Geisteskranken« zuzurechnen.
Im ganzen scheint mir doe Abschaffung der atavistischen EKT mindestens so
schwierig und wichtig zu sein wie die Stillegung der vorsintflutlichen
Atomwärmekraftwerke. Die Elektroschocktechnik ist 70 Jahre alt und wurde seitdem
stetig, aber nur auf dem Papier verbessert. Noch immer werden künstlich
epileptische Anfälle erzeugt, die angeblich eine Form der Verrücktheit heilen
sollen. Auf dem EKT-Workshop von 1992 wurde gar behauptet, EKT setze einen
»Coctail« von heilenden Substanzen im Gehirn frei. Auf die Frage, warum sich
dann nicht jeder EKT machen lässt, wenn es so gesund und unschädlich und
erfrischend sei, folgte die Antwort, das wirke eben nur bei psychisch Kranken.
Es hat aber aus gutem Grund noch nie ein Psychiater diese angeblich so heilsame
Foltermethode an sich ausprobiert, während es kurze Ansätze von Selbstversuchen
mit niedrigdosierten Neuroleptika schon gab, die aber sehr bald abgebrochen
wurden. Erfrischend und unschädlich ist EKT nur für den anwendenden Arzt, wenn
er die Sicherheitsvorschriften beachtet und nicht selbst mit den Elektroden in
Berührung kommt. Ich habe eine diesbezügliche Warnung in einem alten Lehrbuch
gelesen.
Ich habe wenig Hoffnung, dass in den nächsten 40 Jahren der Ausstieg aus EKT
gelingt, zumal es in USA und anderen Ländern noch mehr verbreitet ist und in
Deutschland gerade eine Renaissance der EKT droht. Wie bei der vorsintflutlichen
Atomspaltung energiepolitische und wirtschaftliche Erwägungen, so verhindern
auch beim Elektrokrampf »sozialpolitische« und wirtschaftliche Erwägungen den
Ausstieg.
Der Vorteil, Menschen damit beruhigen zu können, ist so groß, dass er die
Gehirnschäden für einen Betroffenen in der öffentlichen Meinung aufwiegt. Wir in
der Gegenwart unmittelbar Betroffenen stellen nur einen kleinen
unterprivilegierten Teil der Bevölkerung dar, wie auch nur ein kleiner Teil der
Bevölkerung gegenwärtig von den Auswirkungen der Atomwirtschaft unmittelbar
betroffen ist. Aber grundsätzlich kann es auch in der Psychiatrie jeden treffen,
der sich jetzt noch in falscher Sicherheit wiegt oder wähnt.
Ich will das Bild nicht weitertreiben, aber mir kommt oft der Gedanke, dass wir
als Psychisch Kranke als »Müll der Gesellschaft« auch so gesehen wurden wie
Atommüll, dass man uns zwar lagerte, aber nichts mit uns anzufangen wusste, uns
in der Nazizeit mit aktiver und engagierter Beihilfe vieler Ärzte auch einfach
»entsorgte«. Professor Dörner hat einmal gesagt, dass man in den Kliniken
Menschen zu dem machte, was man dann als vernichtenswert einstufte. EKT, in den
dreißiger Jahren im Mailänder Schlachthof erfunden, in der Zwangspsychiatrie
unbeschränkt eingesetzt, hat kaum jemandem genützt, außer den Anwendern, aber
vielen Patienten geschadet. EKT setzt die Tradition der Folterwerkzeuge in der
Psychiatrie fort, nur dass die Folter sich heute nicht mehr auf den ganzen
Körper erstreckt, sondern auf das Gehirn konzentriert und am narkotisierten
Patienten gemacht wird.
Dabei werden die älteren Methoden (Drehstuhl und Dauerbäder) von Patienten, die
beides erleiden mussten, noch als gnädiger empfunden, weil man sich innerlich
dagegen wehren konnte. Ein direkter massiver Angriff auf das Gehirn, auch in
Narkose, ist eine sehr viel heimtückischere Sache, wirkt direkt auf die
Persönlichkeit und macht wehrlos und hilflos. Er heilt nicht, sondern verletzt.

Ich hoffe, dass ich damit unsere ablehnende Einstellung EKT gegenüber, auch aus
meiner persönlichen Erfahrung heraus einigermaßen begründet habe. Wir danken
Ihnen für Ihr Interesse und sind gerne bereit, unsere Informationen
weiterzugeben und uns für das Thema zu engagieren.
Mit freundlichen Grüßen
A. Deisenhofer
Mitglied des Vorstandes

mfg
P.O.


Siehe auch:
http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/deisenhofer.htm