Tuesday, December 02, 2014

Die Masken und der Anstand des Westens sind abgelegt


Die US-Hörigkeit der EU-Staaten ist unglaublich. Gerade heute verlangte US-Außenminister Kerry zum wiederholten Male verschärfte Sanktionen gegen Russland. Nutznießer dieser Sanktionspolitik gegen Russland ist die USA. Die EU-Staaten stecken ohne zu murren die Nachteile ein. Was hat Putin getan? Gar nichts. Die Krim wollte selbst zu Russland und hat diesen Willen mit überwältigender Mehrheit in eine Refrendum kund getan. Die Verbrechen gegen die ostukrainische, prorussische Bevölkerung gehen von Kiew aus. Der Westen schaut weg und gibt seinen Segen dazu. Der Westen erklärt Putin zur Ausgeburt der Hölle. Die Russophobie kennt kein Limit mehr. Bei dieser Politik wende ich mich mit Grausen vom Westen ab.

Hier ein lesenswerter Artikel von Alexei Puschkow, dem Vorsitzenden  des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma.
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Alexei Puschkow: “Die Masken sind abgelegt”

Um zu verstehen, wie repräsentative Russen (also nicht die, die im ARD-Presseclub als Feigenblatt präsentiert werden) die aktuelle Beziehungskrise zum Westen sehen, wird hier die Übersetzung eines denkwürdigen Artikels von Alexei Puschkow veröffentlicht. Er ist ein international bekannter Außenpolitiker und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma. Zudem leitet und moderiert er das populäre wöchentliche Politmagazin “Postscriptum” im russischen Fernsehen.



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Die Masken sind abgelegt, der Anstand ebenso. Und auch der gesunde Menschenverstand. Die NATO droht mit der Einrichtung von Militärbasen in unserer direkten Nachbarschaft. Die EU führt immer neue Sanktionen ein, persönliche und wirtschaftliche, und ergänzt die Liste mit immer neuen Namen. Der Westen konsolidiert sich auf der Basis einer neuen Feindseligkeit gegenüber Russland und auch die gegenteiligen Bemühungen einzelner Länder und Politiker können diese Tendenz nicht umkehren.

Es geht nicht mehr um die Verteidigung hoher Ideale, um die Rechte der Leidenden, um die Hoheit des Gesetzes. Unter dem mächtigen Druck der Vereinigten Staaten sind alle diese Prinzipien beiseite geschoben. Der Staatsstreich in der Ukraine vom 22. Februar wurde im Westen sofort und mit Begeisterung akzeptiert. Ganz gleich, dass dabei grob die ukrainische Verfassung verletzt und das Verfassungsgericht auseinandergetrieben wurde und dass die Oberste Rada illegale Entscheidungen traf. 

 

All das ist unwichtig, wenn es darum geht, sich ein Land wie die Ukraine geopolitisch unter den Nagel zu reißen.

Genau deshalb ist den derzeitigen Machthabern in Kiew all das erlaubt, wovon sich in anderen Fällen den westlichen Politikern offiziell die Nackenhaare sträuben: Mord an der Zivilbevölkerung, Einsatz von Phosphorbomben und ballistischen Raketen gegen Einwohner der Städte, Erschießungen und Entführung von Journalisten und nicht zuletzt Erstickung und Verbrennung von Menschen nur dafür, dass sie für sich mehr Rechte einforderten. So gesehen in Odessa.

Alle diese Verbrechen wurden durch den demokratischen Westen faktisch erlaubt und abgesegnet, bei gleichzeitigem verschämten Murmeln über die Notwendigkeit von Untersuchungen, die entweder nie stattfinden oder von Kiew gezielt in eine Sackgasse geführt werden. Erlaubt und abgesegnet für ein höheres Ziel: die Eingliederung der Ukraine in die euroatlantische Einflusszone.

Für all das, was in der Ukraine passiert, wird ausschließlich Russland die Schuld gegeben. Während Sanktionen für all die denkbaren und undenkbaren Verstöße gegen die Menschenrechte, allen voran das Recht auf Leben, eigentlich gegen Kiew gerichtet sein müssten, werden Russland und persönlich Putin als die neuen Ausgeburten der Hölle dargestellt. Und je höher die eigene Schuld des Westens für das Geschehen ist, desto verbissener wird unser Land von der westlichen Presse attackiert, die bereits vergessen hat, was Objektivität und elementare Ausgewogenheit sind.


So sieht heute die allgemeine Tonlage aus. Dabei räumen alle denkenden Menschen von Finnland bis USA ein: daran, dass die Ereignisse in der Ukraine die heutige Entwicklung genommen haben, ist nicht so sehr Russland schuld (das lange Zeit gar nicht auf das Geschehen dort reagierte), sondern der Westen selbst. Die EU war es, die die Ukraine vor die Wahl stellte: entweder die Zusammenarbeit mit Russland oder die Assoziierung mit der Europäischen Union. Die EU hat den Staatsstreich sofort unterstützt, während die USA ihn gar vorbereiteten. Why the Ukraine Crisis Is the West’s Fault lautet der Name des Artikels, den vor kurzem der Professor der Chicagoer Universität John J. Mearsheimer in der US-Zeitschrift “Foreign Affairs” veröffentlichte. 

Er schreibt: “Wenn man von den vorherrschenden Ansichten im Westen ausgeht, liegt die Schuld an der Ukraine-Krise fast gänzlich bei Russland. Dem ist jedoch nicht so. In Wirklichkeit tragen die USA und ihre europäischen Verbündeten den größten Teil der Verantwortung für die Krise. Der Westen hatte schon seit langen versucht, die Ukraine in den Orbit der NATO zu bringen und von Russland loszureißen. Dabei hat Moskau wiederholt klargemacht, dass es nicht einfach stillhalten werde, während sich sein strategisch wichtiger Partner in ein Bollwerk des Westens verwandelt. Für Putin wurde der unrechtmäßige Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten der Ukraine, den er zurecht Staatsstreich nennt, zum letzten Tropfen.”

Ähnlich bewertet der ehemalige US-Botschafter in der UdSSR Jack Matlock die Lage. Im Interview für die deutsche TAZ erzählt er, wie die NATO mit ihrer Expansionsstrategie in Osteuropa die Basis für die Krise in den Beziehungen mit Russland legte. “Keines dieser Länder war von Russland bedroht. Und dann begann die Eröffnung von Militärbasen, unter anderem in Polen – gegen nicht existierende Raketen aus Iran – Für die Russen war das eine Provokation.”
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Danach hat die NATO laut Matlock auch noch die Ukraine locken wollen, indem ihr die Mitgliedschaft in der Allianz versprochen wurde. “Das alles waren sehr dumme Schachzüge des Westens. Heute haben wir die Reaktion darauf.” Seiner Meinung nach würden es die USA genauso wenig tolerieren, wenn China auf eine Militärallianz mit Kanada und Mexiko hinarbeiten würde. Wir würden das verhindern. Mit jedem Mittel, das wir haben. Jedes Land, das die Macht dazu hat, würde das tun.” Doch all das wird man wird man in Washington und Brüssel niemals zugeben. Weil man in diesem Fall anerkennen müsste, dass die ganze antirussische Politik Obamas überhaupt keine Grundlage hat, außer dem Streben nach der Abrechnung mit dem unbotmäßigen Moskau, das es wagt, die USA herauszufordern und eine unabhängige Außenpolitik zu verfolgen.
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Weil man dann zudem anerkennen müsste, dass dass sich die Quelle der Aggression nicht im Kreml, sondern in Washington und den verbündeten europäischen Hauptstädten befindet. Und das wichtigste: man müsste dann anerkennen, dass sich alles nicht um Demokratie, Menschenrechte und hohe Prinzipien dreht, mit denen man uns 20 Jahre lange fütterte, sondern um das Streben nach Herrschaft um jeden Preis. Um das, was der Europäer Nietzsche als Willen zur Macht bezeichnete. Nietzsche wusste, wovon er sprach. Die Masken sind abgelegt. Der Anstand ebenso.
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Link zum Originaltext: http://vz.ru/opinions/2014/9/16/705778.html

http://derunbequeme.blogspot.it/2014/09/alexei-puschkow-die-masken-sind-abgelegt.html
 
 
Gruß Hubert

Saturday, November 22, 2014

China und Russland reagieren resolut auf westliche Kriegsdrohungen; sie vereinbaren engere militärische Zusammenarbeit

Neue Spielregeln einführen läuft nicht immer friedlich ab. Die letzte globale Wachablösung welche die Menschheit verspielte, war die Verabschiedung der Sowjetunion als eigenständiges Staatsgebilde und Supermacht. Sie verlief friedlich ab; im Sinne von ohne militärische Gewalt.

Dann passierte in Russland das, was sich in der Sprache des US-Milliardärs Warren E. Buffet, geschätztes Privatvermögen 66,1 Milliarden US-Dollar, so anhört: 

"Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen".

Wir anderen, die hier im neokonservativen Paradies des zügellosen Gewinnmaximierungskapitalismus, als Spaßvögel unter Gleichgesinnten in einer Spaßgesellschaft leben, denken zuerst an die Bundesliga und "Klassenerhalt" wenn irgendjemand von "Klassenkrieg" redet. Und ehe wir es noch merken, was Buffet eigentlich damit meinte, ist es schon zu spät für uns unbedarfte Spaßvögel. Auch Russen und Ostdeutsche, die an blühende Landschaften und glückliche Spaßgesellschaften glaubten wurden eines besseren belehrt. Die einen mehr, die anderen weniger.

Die Russen traf es besonders hart. Viel härter als ehemalige DDR-Bürger. Professor James Petras fasst es folgendermaßen zusammen:


"Plünderung als Privatisierung

Im vergangenen Viertel Jahrhundert wurden mehrere Billionen Dollar an öffentlichem Eigentum in jedem Sektor der russischen Ökonomie illegal übertragen oder gewaltsam von Gangster-Oligarchen an sich gerissen, die vermittels bewaffneter Gangs agierten, insbesondere beim 'Übergang zum Kapitalismus'.

Von 1990 bis 1999 starben über 6 Millionen russische Bürger vorzeitig als Ergebnis des katastrophalen Kollapses der Ökonomie; die Lebenserwartung für Männer sank von 67 Jahren in der Sowjetära auf 55 Jahre in der Jelzin-Periode. Russlands BNP sank um 60 Prozent - historisch einmalig für ein Land, das sich nicht im Krieg befindet. Nach Jelzins gewaltsamer Machtergreifung und seiner Bombardierung des russischen Parlamentes ging das Regime daran, die Privatisierung der Ökonomie zu 'prioritieren', den Verkauf der Energie, Naturresourcen, Banken, Transport- und Kommunikation-Sektoren zu einem Zehntel oder weniger ihres wirklichen Wertes an Kumpane und ausländische Instanzen. Bewaffnete Gauner, organisiert von den aufstrebenden Oigarchen "vollendeten" das Programm der Privatisierung durch Angriffe, Mord und Bedrohung von Rivalen.

Hunderttausende ältere Pensionäre wurden aus ihren Wohnungen und Häusern  durch böswilligen Landraub von gewalttätigen Grundstück-Spekulanten
geworfen. US und europäische akademische Finanzberater "berieten" rivalisierende Oligarchen und Regierungsminister über die "effizientesten" Markttechniken zur Plünderung der Ökonomie, wobei sie lukrative Gebühren und Kommissionen abschöpften - von Leuten mit guten Verbindungen wurden Vermögen gemacht.

Unterdessen kollabierte der Lebensstandard, verarmten zwei Drittel der russischen Haushalte, die Selbstmorde stiegen um das Vierfache und Tote durch Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, AIDS und Geschlechtskrankheiten waren an der Tagesordnung. Syphilis und Tuberkulose erreichten epidemische Proportionen - Krankheiten, die in der Sowjetära unter voller Kontrolle waren, traten mit der Schließung von Kliniken und Krankenhäuser wieder auf.

Natürlich feierten die westlichen respektablen Medien die Plünderung Russlands als Übergang zu "freien Wahlen und eine freie Markwirtschaft". Sie schrieben glühende Artikel, die die politische Macht und Vorherrschaft der Gangster-Oligarchen als Widerspiegelung einer aufstrebenden "liberalen Demokratie" beschrieben. Der russische Staat wurde so aus einer globalen Supermacht in ein elendes Marionetten-Regime verwandelt, durchdrungen von westlichen Geheimdiensten und unfähig, seine Verträge und Abkommen mit westlichen Mächten zu handhaben und durchzusetzen. Die USA und die EU ersetzten sehr schnell den russischen Einfluss in Osteuropa und schnappten sich blitzartig ehemalige staatseigene Industrien, die Massenmedien und Finanzinstitutionen." Weiter >>>

Es war Präsident Putin der diesen kriminellen Sumpf trockenlegte und so zum bevorzugten Hassobjekt des Wall Street-Kapitalismus aufstieg und den die westliche Kriegspresse dämonisierte, wann immer sie konnte. Lange glaubten wohl Soros und Konsorten mit Wladimir Putin ein ähnlich leichtes Spiel zu haben wie mit Jelzin.

Michail Chodorkowski, einer der Hauptprofiteure des Wildwest-Kapitalismus der 90er Jahre in Russland, brachte das einmalige "Kunststück" fertig den Yukos-Konzern mit Yukos-Geldern und mit Geldern des Finanzministeriums, deren Depositen seine Bank verwaltete
, zu kaufen. So sieht Klassenkrieg aus, wenn man ihn etwas näher betrachtet und warum die Klasse der Reichen diese Kriege auch fast immer gewinnt.

Bild: Nikolaus Pessler, Der Bündnisfall...
Freidenker Galerie
China, Russland und andere BRICS-Staaten haben sich vorgenommen, das globale Herrschaftssystem des Westens, an seinem empfindlichsten Punkt, der Finanzwirtschaft, herauszufordern. Das würde ein Ende des US-Dollars als Weltreservewährung, und sein Ende der fast alleinigen Macht über die internationale Finanzwirtschaft bedeuten.

So wie es heute ist, bestimmen die USA mehr oder weniger allein welche Staaten mit Sanktionen belegt werden und welche nicht. Sie haben auch Einfluss genug um darüber zu entscheiden welche Staaten sich an internationalen "Finanzmärkten" mit "frischem" Kapital bedienen dürfen und welche nicht.

Eine gigantische Macht die so in die Hände einer Mafia fließt, die mehr Morde auf ihrem "Weltgewissen" hat, als je ein oder mehrere Diktatoren zusammen, vor ihnen.

Das die Krise um die Ukraine die Ursache für das leicht aus dem Ruder laufende Vabanquespiel, (Spiel um den gesamten Einsatz) sei, ist so lächerlich als wenn man behauptete der 1. Weltkrieg wäre aufgrund des Attentates von Sarajevo erfolgt, oder der 2. Weltkrieg aufgrund des Überfalls auf den Sender Gleiwitz.

Es ist schon erstaunlich, dass die wahren Gründe der immer offener zu Tage tretenden Feindseligkeiten, im Westen nicht genügend zur Sprache kommen. Auch nicht im Netz. Die deutsche Flintenkanzlerin Merkel schaukelte sich, wie im Rausch, mit ihrer "Hunnenrede gegen Russland" hoch, so als könne sie Deutschland nicht schnell genug in einem finalen Atomkrieg entsorgen. Der ehemalige DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (CDU), erklärte im Gespräch mit der "FAZ", das ihn das Kanzleramt am Donnerstag mit der "Bitte bedrängt" habe, die Mitgliederversammlung des "Petersburger Dialogs" in der kommenden Woche in Berlin "wegen der politischen Großwetterlage" zu verschieben. Das ist mehr eine "Nötigung" als eine Bitte und wurde auch garantiert aufgrund eines digitalen Augenzwinkerns aus Washington umgesetzt.

Die Achse China-Russland nimmt, ausgelöst durch eine arrogante, aggressive Großmachtpolitik des Westens, Gestalt an. Sie werden wirtschaftlich und militärisch enger zusammenarbeiten. Gemeinsame Seemanöver im Frühjahr 2015 im Pazifik und Mittelmeer wurden bereits vereinbart.

Es ist an der Zeit, dass die deutsche Friedensbewegung, falls es sie noch gibt, das Volk zu friedlichen, machtvollen Massendemonstrationen aufruft. Den meisten scheint noch nicht klar zu sein, dass das Wall Street-Kapital versuchen wird jedes Opfer eines Krieges weiterzureichen. Besonders an Europa und die Deutschen. Darin hat man eine ganz besondere Übung.
FH

 http://principiis-obsta.blogspot.it/2014/11/china-und-russland-reagieren-resolut.html


Gruß Hubert

Friday, August 08, 2014

Geheimdienste und die Presse?

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Der Spiegel ist mit dem Begriff Verschwörungstheoretiker schnell bei der Hand. Man sollte bei SPON mal schauen ob die eigenen Beiträge über Putins angebliche Absichten nicht selbst ins Reich der Verschwörungstheorien gehören oder noch schlimmer bewusste Irreführung des Lesers sind. Ich habe früher den Spiegel immer für ein seriösese Magazin gehalten.

Hier ein Artikel von Flegel.de
Ein Linker löst Empörung bei den deutschen Medien aus. Behauptet er doch tatsächlich, die deutschen Medien würden inzwischen von den US-Geheimdiensten gesteuert und das auch noch gegenüber einem russischen Radiosender.

Spiegel Online (SPON) äußert sich dann auch in einem Artikel zu den Äußerungen des Linken Dieter Dehm am 17.04.2014 recht empört. Doch dabei belässt es SPON nicht, sondern fügt auch noch einen Seitenhieb gegen die Leser ein, die sich in Kommentaren anders äußern, als es der öffentlichen Meinung lieb ist. SPON macht sie zu "Verschwörungstheoretikern".
Der Spiegel macht es sich einfach. Was Dieter Dehm äußerte, mag ja überspitzt gewesen sein, aber völlig von der Hand zu weisen ist es auch nicht, denn die Einflüsterungen durch die Geheimdienste in Politik und Medien sollten auch SPON nicht völlig unbekannt sein. . Allerdings glaube ich auch, dass es dazu auch der Zustimmung der "Pressezaren a la Springer oder Bertelsmann" bedarf, die vermutlich ihrerseits Einfluss auf die Geheimdienste haben und nutzen.

Wenn Leser dann in ihren Forenbeiträgen zum Thema Ukraine und Russland eine divergente Auffassung zur Berichterstattung haben, diskreditiert SPON sie in diesem Beitrag als Verschwörungstheoretiker. Das macht es SPON leicht, alle dem Inhalt der Veröffentlichung entgegengebrachten Argumente vom Tisch zu wischen. Aber vielleicht sollte man sich in den Redaktionsstuben der Presse mal Gedanken darüber machen, ob die Berichterstattung zu den Vorgängen in der Ukraine und den dargestellten und unbewiesenen Äußerungen über Putins Absichten nicht selbst als Verschwörungstheorien zu sehen sind.

Aber Begrifflichkeiten können ihren Sinngehalt mitunter ändern. Verschwörungstheoretiker, eigentlich als Schimpfwort etabliert, verliert allmählich seine abschreckende Wirkung, weil sich dummerweise immer mehr der zuvor als Verschwörungstheorien abgestraften Meinungen als sachlich richtig erwiesen haben. Es ist überhaupt seltsam, wie sich in der Sprache Begriffe etabliert haben, die als Schimpfworte betrachtet werden. So wird z. B. das "Gutmenschtum" oder die "Gutmenschen" als Beschimpfung angesehen und vor allem auch in Leserforen gerne verwendet.
Der Terminus "Gutmenschentum" soll ironisch übersteigertes Moralempfinden und Naivität persiflieren. Aber die "Ironie" ist wohl auf der Strecke geblieben. Dieser Begriff wird als Schimpfwort verwendet und ich denke, von den meisten dazu ohne Ahnung, warum es mit diesen Begriff überhaupt geht. Welche Alternativen bleiben? Wer also kein "Gutmensch" ist, outet er sich nicht indirekt dahingehend, dass er entweder ein gleichgültiger oder gar ein schlechter Mensch ist? Sicher, auch ich glaube, dass der Glaube an das Gute im Menschen naiv ist, aber man sollte es doch zumindest anstreben.

Mit der Verschwörungstheorie verhält es sich ähnlich. Es ist zunächst einmal eine theoretische Betrachtung von Ereignissen, wenn Zweifel an der öffentlichen Darstellung auftauchen, während Indizien eigentlich in eine andere Richtung weisen. Manchmal versuchen Leute, auf Fehler in der offiziellen Darstellung hinzuweisen und bringen Fakten oder Überlegungen zu dem Thema.
Ein typischer Fall einer solchen Verschwörungstheorie ist der 11.09.2001, dessen Ablauf lt. öffentlicher Darstellung von ernstzunehmenden Physikern, Statikern und weiteren Fachkräften angezweifelt werden. Aber Zweifel an der offiziellen Darstellung machen diese Leute automatisch zu Verschwörungstheoretikern, denn sie haben keine Möglichkeit, Untersuchungen einzuleiten oder auch nur Einblick in die vorhandenen Untersuchungsergebnisse zu erhalten.

Aber ich bin mal wieder ein wenig vom Thema abgeschweift. Ich unterstelle einmal, dass auch die Spiegel-Redakteure das Interview des NDR mit Gabriele Krone-Schmalz gesehen haben, auch wenn die Berichterstattung der Medien incl. SPON sich davon nicht hat beeinflussen lassen. Schon in ihrer Anfangsargumentation verwies Frau Krone Schmalz auf § 7 des geplanten Assoziierungsabkommens, der die militärische Zusammenarbeit der EU mit der Ukraine betrifft, was gleichbedeutend mit einer weiteren Repräsentanz der NATO ist.

Ob USA, EU oder Russland, alle haben geostrategische Interessen und wen wundert es, dass das Interesse Russlands an einem geostrategischen Knotenpunkt direkt vor der Haustüre wenig bis kein Interesse daran hat, einmal mehr die NATO dort stationiert zu wissen.

Das Freund/Feind-Schema aus Tagen des kalten Krieges funktioniert wohl nicht mehr so ganz, vor allem deshalb nicht, weil die USA den Bonus, den sie lange Zeit hatten, verspielt haben.

Wer ein Konzentrationslager wie Guantanamo unterhält, Gefangene foltern lässt, Kriege mit Lügen (IRAK) oder wie in Afghanistan ohne UN-Mandat beginnt oder mit unbemannten Drohnen willkürlich auf Basis unbewiesener Behauptungen in fremden Ländern Leute töten lässt, der hat aus Sicht einer immer größer werdenden Zahl deutscher Bürger den Heiligenschein der "Befreier" verloren. Dabei scheint Guantanamo nicht das einzige als Gefangenenlager bezeichnete Konzentrationslager der Amerikaner im Verbund mit den Briten zu sein. Auf Wikipedia ist zu lesen:

Im August 2003 wurde bekannt, dass auf Diego Garcia ein Gefangenenlager nach dem Vorbild von Guantánamo Bay auf Kuba angelegt wurde. Der Washington Post zufolge wurden in dem kaum bekannten Lager mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen gefangen gehalten. Bis zur zufälligen Enttarnung des Lagers handelte es sich anders als bei Guantánamo um ein komplett geheim gehaltenes Lager. 

Was der deutschen Presse heute offenbar fehlt, sind Vollblut-Journalisten von der Art einer Gabriele Krone-Schmalz, Journalisten, die nicht nur abschreiben. sondern Fakten recherchieren und auf Basis dieser Fakten berichten. Sofern sie das dürfen, was ich wiederum bezweifle, wenn ich mir ansehe, welche Leute die gesamte Presselandschaft beherrschen.
Wie aber sieht dieses Assoziierungsabkommen eigentlich aus? Was beinhaltet es und was bringt es für den Teil Bevölkerung der Ukraine, dem es noch nicht gelungen ist, Millionen oder gar Milliarden auf die Seite zu schaffen. Dazu habe ich mal eine Betrachtung des Abkommens seitens der SPD-nahen Friedrich Ebert Stiftung angesehen, eine Schrift, die vor den derzeitigen "Irritationen" in der Ukraine entstanden ist. DCFTA steht dabei für Deep and Comprehensive Free Trade Area, was ich mit tief greifendes und umfassendes Freihandelsabkommen übersetze.

Freihandel deutet auf freien Handel hin, was ja eine wunderbare Sache wäre, wenn das auch politisch so verstanden und umgesetzt würde. Aber die EU ist ja eine solche Freihandelszone und wenn ich mich in Deutschland so umsehe, dann hat dieser Freihandel für die Einwohner, die keine großen Unternehmen besitzen, eigentlich nur eine erhebliche Absenkung der wirtschaftlichen Möglichkeiten in Form von Lohndumping, Privatisierung, Zerstörung der sozialen Systeme und hohe Arbeitslosigkeit gebracht, Umstände, die trotz aller Schönrederei der Politik und aller Schönrechnerei der Wirtschaftsinstitute und der statistischen Ämter immer mehr Menschen betrifft.
Hier weiterlesen:
http://www.flegel-g.de/


Gruß Hubert