Friday, September 29, 2017

Trump wäre wieder mal beim feuern


Trump kann nur beleidigen, spalten und feuern und Verträge sind für ihn sowieso nur da um gebrochen zu werden. Jetzt möchte er aus Protest knieende schwarze Footballer feuern lassen, aber da wird man sicher nicht auf ihn hören. Von fehlendem Respekt sollte er besser nicht reden, da muss er „first“ bei sich selbst anfangen. Natürlich kommen bei Trump die Weißen first vor Schwarzen, daran zweifelt niemand. Ganz sicher wird er bei dieser Forderung auf Granit beißen. Welchen Rassismus es in den USA noch gibt weiß man ja, man erinnere sich nur an das erschießen von schwarzen, unschuldigen Bürgern, zum Beispiel bei einer Verkehrskontrolle. Die das Niederknallen von Schwarzen auch noch ungestraft tun, weil fast immer freigesprochen. Ist wohl klar, dass bei Trump und anderen Rassisten die Weißen first kommen, vor allen anderen Nicht-Weißen und zuletzt die Schwarzen.


Irgendjemand sagte mir: was kümmerst du dich um Trump und die USA, wir leben in Deutschland, in Europa. Da sage ich nur Trump steht für mich STELLVERTRETEND für die hässliche Fratze des Rassismus, für Nationalismus und für nationalen Egoismus. Wo kämen wir hin, wenn alle Regierungschefs sich so verhalten würden wie diese amerikanische Narzisst, der keine Ahnung von Politik hat? Einer, der sich mit Ultrarechten, wie Richard B. Spencer von der Alt-Right-Bewegung am rechtsextremistischen Rand der politischen Rechten abgibt oder mit Steve Bannon vom Breitbart News Network. Anhänger der Alt-Right werden oft auch als „White Supremacists“, Rechtsextremisten und Neonazisbezeichnet.


Man muss sich einmal überlegen warum sind denn Schwarze (Rassisten sagen Neger dazu) überhaupt in den USA. Sie wurden doch als Sklaven mit Schiffen in die USA gebracht! Man unterdrückte sie auf Baumwollplantagen, misshandelte sie und beutete sie aus. Und jetzt wären es Menschen dritter Klasse?

Die knieenden Footballer haben volkommen recht! Ich solidarisiere mich mit ihnen gegen alle Rassisten und gegen alle Rechtsextremen.


Aus Tagesschau.de
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Bild aus Tagesschau.de
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Protest bei Nationalhymne

Trump will kniende Footballer feuern

US-Präsident Trump ist für beleidigende Worte bekannt. Doch diesmal griff er in die unterste Schublade: Football-Spieler, die aus Protest gegen die Diskriminierung Schwarzer bei der Nationalhymne knien, nannte er „Hurensöhne“ und forderte die NFL auf, sie zu feuern.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Die Nationalhymne gehört zu jedem Football-Spiel dazu: Zu besonderen Anlässen wird sie von einem Musikstar live gesungen. Die Zuschauer und Spieler im Stadion erheben sich. Manche singen mit. Doch einige Spieler gehen in diesen Minuten bewusst auf die Knie. Sie wollen auf die Rassendiskriminierung aufmerksam machen. Seit gut einem Jahr wird in den USA über diese Form des Protests diskutiert.


Für US-Präsident Donald Trump handeln die knienden Football-Spieler respektlos. Trump wendete sich gestern auf einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Alabama an die Klubchefs der Football-Profiliga NFL. Diese sollten die protestierenden Spieler entlassen. Vor seinen feiernden Anhängern polterte Trump: „Würden Sie nicht gerne hören, dass einer der Bosse der National Football League sagt, wenn jemand unsere Flagge nicht respektiert: ‚Nehmt diesen Hurensohn sofort vom Feld! Er ist gefeuert!‘?“ Und weiter: „Dies ist eine totale Respektlosigkeit gegenüber unserer Tradition und gegenüber allem, für das wir stehen.“ (Anmerkung: für das wofür Trump steht, stehen nicht alle Amerikaner).


Welle des Protests

Begonnen hat der ungewöhnliche Hymnen-Protest vor gut einem Jahr. Quarterback Colin Kaepernik, damals bei den San Francisco 49ers, weigerte sich zu stehen. Dafür erntete der prominente Spieler viel Kritik. Weitere Spieler, auch anderer Teams, folgten seinem Beispiel. Derzeit ist Kaepernik vereinslos.

Trump will dieses Verhalten stoppen und ruft zum Boykott auf. „Auch wenn es nur ein Spieler ist – verlasst das Stadion! Ich garantiere euch, diese Dinge werden dann aufhören. Steht einfach auf und geht.“


NFL verurteilt Trump-Äußerungen


Die Football-Profiliga NFL reagierte mit scharfen Worten. Trumps Aussagen seien spalterisch und respektlos, heißt es in einem offiziellen Statement, das die NFL per Twitter veröffentlicht hat. Der Chef der NFL-Spielergewerkschaft, DeMaurice Smith, sagte, der Verband werde auf jeden Fall das Recht der Spieler auf freie Meinungsäußerung schützen.

Auch Basketball-Profis stimmten in die Kritik an Trump ein. Stephen Curry von den Golden State Warriors sagte, er werde gegen einen geplanten Besuch des aktuellen NBA-Meisters beim Präsidenten stimmen. Trump erklärte via Twitter, es sei für ein Meisterschafts-Team eine große Ehre, ins Weiße Haus zu kommen. „Stephen Curry zögert, darum ist die Einladung zurückgezogen!“ Basketball-Star LeBron James, der im Präsidentschaftswahlkampf Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton unterstützt hatte, schrieb daraufhin auf Twitter: „Ins Weiße Haus zu gehen war eine große Ehre – bis Sie aufgetaucht sind!“

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Trump wäre wieder mal beim feuern

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Hier noch einige Kommentare.

Am 24. September 2017 um 03:35 von Hanno1984
Der Splitter im Auge des Anderen…
„Für US-Präsident Donald Trump handeln die knieenden Football-Spieler respektlos.“ Die Diskriminierung von Minderheiten bzw. weniger mächtigen gesellschaftlichen Gruppen ist respektlos, und damit haben die USA ein Problem, das von weißen Oligarchen allzugerne negiert wird! Der (weiße) US-Bürger ist damit nicht alleine; auch wir sollten uns fragen: Wie gehen wir mit Randgruppen um? Politische, monetäre, ethnische, religiöse Minoritäten; was ist angemessen bezüglich Abgrenzung (dem Bedürfnis derer, die sich in ihrer Identität bedroht fühlen) und Integration (dem Bedürfnis der Marginalisierten bzw. Nicht-Deutschen)? Das ist wahrlich kein Thema von Nationalstaaten.

Am 24. September 2017 um 03:48 von Wendehammer
Nein, Mr. President!
Eine Schande für das „großartigeste Land dieser Welt“ sind ausschließlich Sie, der sich als Soziopath auf dem Pfad der 140-Zeichen-Gemeinde bewegt und und andersdenkende und -handelnde Menschen mit Spott, Drohungen und Respektlosigkeit überzieht.
Ich hoffe von ganzem Herzen, daß Ihre Amtszeit vorzeitig endet. Wie auch immer!

Am 24. September 2017 um 04:40 von Reginald
Teufelsbrut
Überall sind Idioten an die Macht gekommen. Diese Idioten werden überall die Gesellschaften spalten Bevölkerungsgruppen werden sich schon bald in unversöhnlichem Hass und Zwietracht gegenüber stehen. Wir brauchen keine Hassprediger gleich welcher Politik oder Religion. Diese Art von Politikern oder Religionsfaschisten gehören zur wahrhaftigen Teufelsbrut.

http://meta.tagesschau.de/id/127257/usa-trump-will-kniende-footballer-feuern

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Gruß Hubert

AfD-Kandidat mit Hitlergruß?


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Marc Jongen – Foto: Tageszeitung.it

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Hier einiges zum „großen Südtiroler Sohn“ Marc Jongen. 😉 (muss ich wohl setzen, sonst meint noch jemand ich meine das ernst).

Parteitag mit Nachspiel
AfD-Kandidat mit Hitlergruß?
Der Karlsruher AfD-Bundestagskandidat Marc Jongen soll auf dem Weg zum AfD-Parteitag in Karlsruhe den Hitlergruß gezeigt haben. Er hat den Vorwurf inzwischen als völlig absurd zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt inzwischen gegen Jongen, der Eingang einer Strafanzeige wurde mittlerweile bestätigt. Marc Jongen, AfD-Bundestagskandidat und Sprecher des AfD Landesvorstands in Baden-Württemberg hat gegenüber dem SWR eingeräumt, dass er – nach Provokationen durch Parteimitglieder der Linken – tatsächlich seinen linken Arm in Richtung der Demonstranten erhoben und „Vorwärts SED“ gerufen habe. Dies sei aber kein Hitlergruß gewesen, sondern nur eine Antwort auf die Provokationen gegen seine Person.
Ein Sprecher der Partei „Die Linke“ sagte, dass mehrere Parteimitglieder die Geste von Marc Jongen gesehen und als Hitlergruß erkannt haben wollen. Für einen weiteren Zwischenfall sorgte ein noch unbekannter Teilnehmer im Vorfeld des Parteitages der AfD in der Badnerlandhalle im Karlsruher Stadtteil Neureut. Mit den Worten „Ihr kommt alle ins KZ“ lief er an den Demonstranten vorbei und betrat den Veranstaltungsort. Auch in diesem Fall haben Mitglieder der Partei „Die Linke“ Strafanzeige gegen unbekannt bei der Polizei in Karlsruhe-Neureut erstattet.
Das hat mich inspiriert einen Leserbrief zu schreiben. Der Leserbrief war heute (29.09.2017) im „Tagblatt der Südtiroler“, der „Dolomiten“ veröffentlicht ist.

Man muss nur genau hinhören

Ich bin entsetzt, wie sehr man in Südtirol und auch im Sender Bozen den Rechtsruck mit der AfD verharmlost und nur Befürwortern der AfD Raum und Zeit bietet (u.a. auch dem Südtiroler Dr. Marc Jongen, Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg). Die AfD ist nicht nur gemäßigt rechts, konservativ, bürgerlich, sondern in großen Teilen rechtsradikal. Man muss sich nur viele rechtsradikale Aussagen von Höcke (der Geschichte unterrichtet…) mit Anleihen aus der NS-Zeit, Gauland usw. zu Gemüte führen. Der Karlsruher AfD-Bundestagskandidat Marc Jongen soll auf dem Weg zum AfD-Parteitag in Karlsruhe den Hitlergruß gezeigt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt (swr.de/swraktuell). Ein großer Sohn Südtirols? Wenn man das alles nicht für so schlimm hält, hat man ein ernsthaftes Problem. Also bitte genauer hinschauen und hinhören. Oder will man, dass Südtirol ruhig rechtsradikaler werden kann? Nur ein Beispiel für eine kritische Betrachtung: der Historiker Leopold Steurer wäre ein Experte für den Nationalsozialismus und für rechtsradikales Gedankengut. Ist er unerwünscht?

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AfD-Kandidat mit Hitlergruß?

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Aus der SZ

Die AfD steht für das Wehrhafte, das Heroische, das Starke

Jongen ist eben kein Björn Höcke, er argumentiert lieber mit Platon als mit dumpfen Parolen. Aber er verteidigt Höcke (Anmerkung: das sagt mir alles und ich weiß jetzt genau wo er steht) und lobt, dass die AfD die einzige Partei sei, die Wut und Zorn in der Bevölkerung nicht nur ernst nehme, sondern anzufeuern wisse. Die „Thymos-Spannung heben“ nennt Jongen das im Gespräch mit Journalisten. Was nichts anderes heißt, als den Zorn der Bürger zu schüren. Thymos ist bei Platon, neben Logos und Eros, eine der drei Gemütsbewegungen des Menschen. Der Wutbürger habe eben eine erhöhte Thymos-Spannung.

Versucht man Jongen mit der Frage zu konfrontieren, ob er tatsächlich wolle, dass der Zorn in der Gesellschaft steigt, wird deutlich, wie vorsichtig er im Umgang mit Medien inzwischen ist. Kein Interview mehr, nur schriftliche Fragen, jede Kürzung in seinen Antworten will er vorab vorgelegt bekommen. Aber dann streitet er keineswegs ab, dass er sich einen kräftigeren Thymos wünscht. „Zorn und Protest sind für die AfD aber kein Selbstzweck, sondern haben ein ganz konkretes Ziel: die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen, sodass die Sicherheit im Land und der soziale Frieden nicht weiter gefährdet werden“, schreibt er in seiner Antwort.

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Foto: Süddeutsche Zeitung

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In dem Szenario, das Jongen hier suggeriert, ist die Verfassung in Deutschland außer Kraft und der Wutbürger die Instanz, die die Sicherheit im Land gewährleistet. Eine Ordnung wiederherzustellen, ist ein vollmundiges Versprechen in diesen unübersichtlichen Zeiten. Wohlklingend für alle, die überfordert und desorientiert sind. Jongen sagt, er wünsche sich „mehr Selbstachtung“. Wut, Ordnung und Stolz, darauf ist sein Konzept gebaut.

Vor allem aber, das betont Jongen immer wieder, müsse das Erregungsniveau gehoben werden, damit die Deutschen nicht länger „wehrlos“ seien gegenüber „robusteren Naturellen“, sagte er der FAS. Er schürt die Angst vor einer Bedrohung durch „Masseneinwanderung“, um dieser „Gefahr“ dann die AfD als Gegenwehr entgegenzusetzen. Denn die AfD steht in Jongens Darstellung für das Wehrhafte, das Heroische, das Starke.

http://www.sueddeutsche.de/politik/philosoph-marc-jongen-der-wutdenker-der-afd-1.2865813

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Gruß Hubert

Saturday, September 09, 2017

Christliche Apologeten halten bei der Frage warum es all dieses Leid gibt das Argument entgegen, der Mensch sei selbst schuld, denn er hätte den freien Willen und ER sei böse.
Diese Argument kenne ich zur Genüge, so antworten christliche Apologeten wenn sie für das Leid in der Welt (Theozidee) keine Antwort mehr wissen. Oder macht der Mensch mit seinem „freiem Willen“ auch Erdbeben, Hurrikans, Tsunamis und alle anderen Naturkatastrophen? Da ist der Mensch einmal vollkommen unschuldig. Man will mit dem „freiem Willen“ dem Mensch die alleinige Verantwortung für alles Leid auf der Welt zuschieben. Das ist eine Zumutung und inakzeptabel – und es stimmt einfach nicht, lässt sich leicht widerlegen.

Der leider sehr früh verstorbene Dichter Georg Büchner, sagte das Leid in der Welt sei der Fels des Atheismus, und damit hatte er recht.

Hier dazu eine Abhandlung von diesseits.de

Bild: gemeinfrei
Genialer Einzelgänger: Georg Büchners Werk und politischer Ingrimm erwuchsen aus dem Leiden.

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Georg Büchner ist überall präsent („Büchner lebt!“). Der früh verstorbene Büchner zeigt seine ungebrochene Vitalität jedenfalls einmal wieder in Hunderten von Veranstaltungen und Betrachtungen – zweihundert Jahre nach seinem Geburtstag.

Keine Geistesrichtung, die ihn nicht „irgendwie“ für sich vereinnahmen könnte oder wollte. Das Avangardistische! Das Fragmentarische! Das Radikale! Das Soziale! Das Revolutionäre! Die Literatur! Ja, sogar das Christliche! Und auch die schlussendliche Resignation vor der Übermacht der Verhältnisse! Ist da für jeden etwas dabei? Abgesehen von den Büchnerpreisträgerinnen und Büchnerpreisträgern, die ja jährlich auch ihren Bezug zum berühmten Büchner finden müssen?

Joachim Kahl hielt zum Büchnerjahr einen Vortrag über die religionskritischen Beiträge der Brüder Georg und Ludwig Büchner. Veranstalter war die Evangelische Kirche in Darmstadt-Land (Erwachsenenbildung), die sich in einem fünfteiligen Seminar mit dem Verhältnis der Familie Büchner zur Religion befasste.

Joachim Kahl ging von ausgewählten Zitaten der beiden Brüder aus, aus denen er die Kernpositionen zur Kritik des europäischen Christentums im 19. Jahrhundert entfaltete. Ihm war wichtig, die Büchnerschen Gedanken im Originalwortlaut zum Klingen zu bringen. Ihm war auch ein Anliegen, Georg Büchner dessen jüngeren Bruder Ludwig an die Seite zu stellen – nicht nur, weil Ludwig im 19. Jahrhundert die Werke von Georg herausgab und bekannt machte. Ludwig Büchner war vielmehr selbst eine prägende und prominente Figur der Geistes- und Sozialgeschichte eines Jahrhunderts, das er zu drei Vierteln mit erleben durfte.

Die Zitate von Georg Büchner waren seinen literarischen Werken sowie dem Hessischen Landboten entnommen, nicht seinen theoretischen Äußerungen. Es sprechen somit überwiegend die literarischen Figuren. Sie zeichnen in expressiven Farben eine unbarmherzige Natur, die ihrer ewigen Eigengesetzlichkeit folgt, die keine besondere Rücksicht auf die Menschen und Tiere nimmt, die sich in ihrer Entwicklung dem Menschen entgegenstellt und in ihrer Größe die Menschenopfer kaum „bemerkt“. „Die Natur folgt ruhig und unwiderstehlich ihren Gesetzen, der Mensch wird vernichtet, wo er mit ihnen in Konflikt kommt.“ (St. Just in „Dantons Tod“).

Woyzeck erzählt sein (Anti-)Märchen zu den Sterntalern der Gebrüder Grimm. Da ist ein Kind ohne Vater und Mutter und ohne jeden anderen Menschen auf der Welt. Der freundlich guckenden Mond, den es besucht, erweist sich als faules Holz, die Sonne ist nur eine verreckte Sonnenblume, die Sterne sind nur tote aufgespießte goldene Mücken und die Erde ist ein umgestürzter Nachttopf. Das Kind bleibt einsam und traurig in der leeren und sinnlosen Welt zurück.

Lenz aus der gleichnamigen Erzählung Georg Büchners findet die Gottesvorstellung des Pfarrers Oberlin alles andere als tröstlich. „Lenz wand sich ruhig los und sah ihn mit einem Ausdruck unendlichen Leidens an, und sagte endlich: aber ich, wär’ ich allmächtig, sehen Sie, wenn ich so wäre, ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten, ich will ja nichts als Ruhe, Ruhe, nur ein wenig Ruhe und schlafen können.“ Lenz misst den vorgestellten Gott an dem einfachen menschlichen Kriterium der Mitmenschlichkeit und sieht stattdessen Mitleidlosigkeit und Grausamkeit – ob durch aktives Einwirken oder durch Tatenlosigkeit.

Büchners Dramenfigur Thomas Payne ergänzt in „Dantons Tod“, was er von einem gütigen und allmächtigen Gott hält:

Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz; nur der Verstand kann Gott beweisen, das Gefühl empört sich dagegen. Merke dir es, Anaxagoras, WARUM LEIDE ICH? DAS IST DER FELS DES ATHEISMUS. (Hervorhebung vom Autor)


Die Erlösung aller Gläubigen durch den Kreuzestod Christi erscheint Georg Büchner offenbar als ungeheuerliche Vorstellung, die er nicht glauben mag. Er lässt Robespierre in Dantons Tod argumentieren: „Was sehen wir immer nur nach dem Einen? Wahrlich des Menschensohn wird in uns Allen gekreuzigt, wir ringen Alle im Gethsemanegarten im blutigen Schweiß, aber es erlöst Keiner den Anderen mit seinen Wunden.“ In provokanter Weise relativiert Georg Büchner das im Christentum verherrlichte Leiden Christi durch das millionenfache schreckliche Leid der menschlichen Kreaturen überall auf der Erde.


Die Theodizee, die ungelöste Frage nach der Rechtfertigung eines von einem angeblich allmächtigen und allgütigen Gott tolerierten Leides auf der Welt, das ist offenbar der große Stein des Anstoßes für Georg Büchner, der ihm zum „Fels des Atheismus“ wird.


Damit stellt er sich an die Seite der zeitgenössischen Religionskritik von Feuerbach, Heine, Marx, Engels und anderen Linkshegelianern. Aber auch Epikur hat er offenbar gut gelesen und in sein Jahrhundert übersetzt.

Diesen Gott will er dann auch nicht als Legitimation der weltlichen Herrschaft anerkennen. Georg Büchners Urteil lautet: „Diese Regierung ist nicht von Gott, sondern vom Vater der Lügen. Diese deutschen Fürsten sind keine rechtmäßige Obrigkeit.“ (Der Hessische Landbote). Hier mündet die Religionskritik in politische Kritik.

Bei Ludwig Büchner kann man die gleichen Motive wie bei Georg Büchner finden, insbesondere in seinem Hauptwerk „Kraft und Stoff“, wie Joachim Kahl in den ausgewählten Zitaten belegte. In diesem Buch finden wir aber eine ausgearbeitete materialistische und naturalistische Weltanschauung vor, die mit Rationalität und rhetorischer Schärfe die damals vorherrschenden religiösen, idealistischen und metaphysischen Vorstellungen attackierte. Erwähnt werden sollen wichtige Leitthemen wie die „Unsterblichkeit des Stoffs“, die „Seelentätigkeit als Funktion der Gehirnsubstanz“ und die Kritik an der Konzeption des „Menschen als Gipfelpunkt der Schöpfung“, ohne sie an dieser Stelle zu vertiefen.

Hervorgehoben werden soll die Aufwertung des menschlichen Leibes im Gefolge einer Vorstellung von der „Würde des Stoffs“, die mit folgendem Zitat angedeutet werden soll: „Wer den Stoff erniedrigt, erniedrigt sich selbst und die ganze Schöpfung; wer seinen Leib misshandelt, misshandelt auch seinen Geist und fügt sich selbst in dem Maße einen Schaden zu, als er vielleicht in seiner törichten Einbildung einen Gewinst für seine Seele erlangt zu haben glaubt.“

Geradezu modern klingt auch die Kritik daran, dass sich der Mensch die Erde und alle Wesen untertan machen zu können glaubt: „Kein Wesen kann dazu bestimmt sein, für den Nutzen des Menschen zu leben; alles, was lebt, hat das gleiche Recht der Existenz, und es ist nur das Recht des Stärkeren, welches dem Menschen erlaubt, sich andere Wesen dienstbar zu machen oder zu töten. Es gibt keine Zwecke, welche die Natur zugunsten eines Bevorzugten zu erreichen bemüht wäre; die Natur ist sich selbst Zweck, sich selbst erzeugend, sich selbst erfüllend.“


Mit seinem Bruder teilte Ludwig Büchner das Theodizeeproblem. Deshalb soll dieser Bericht mit einem Zitat zu diesem Thema schließen, das das Pathos des (undogmatischen)  Büchnerschen Atheismus noch einmal hervortreten lässt:
Wozu, fragen wir mit Recht, das Heer der Krankheiten, der physischen Übel überhaupt?

Warum diese Masse von Grausamkeiten, von Entsetzlichkeiten, wie sie die Natur täglich und stündlich an ihren Geschöpfen ausübt? Konnte es ein bewusster, gütiger Schöpfer sein, welcher der Katze, der Spinne ihre Grausamkeit verlieh und den Menschen selbst, die sogenannte Krone der Schöpfung, mit einer Natur begabte, welche aller Gräuel und Wildheiten fähig ist? … Täglich und stündlich hat der Arzt Gelegenheit, sich bei Krankheiten, Verletzungen, Fehlgeburten usw. von der Hilflosigkeit der Natur, von der so oft unzweckmäßigen verkehrten und erfolglosen Richtung ihrer Heilbestrebungen zu überzeugen; ja, es könnte keine Ärzte geben, handelte die Natur nicht unzweckmäßig. Entzündung, Brand, Zerreißung, Verschwärung und ähnlich Ausgänge wählt die Natur da und wird tödlich, wo sie auf einfacherem Wege zum Ziel und zur Genesung hätte kommen können.“

Wohlan! Die Lektüre der Gebrüder Büchner lohnt noch immer und handelt nicht von Märchen, sondern von praktischem Humanismus: Die Biografien der beiden Brüder zeigen, welchen Weg sie beschritten haben, um dem menschlichen Leid zu begegnen: aktive Mitmenschlichkeit in Beruf und Privatleben, riskantes politisches Engagement für eine Verbesserung der gesellschaftlichen Umstände, Verbreitung der Ideen in einer allgemeinverständlichen Sprache, Mut zum Widerstand gegen die herrschenden Ideologien und Mächte, Einsatz für die Bildung und demokratische Teilhabe Aller.

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Das Leiden in der Welt ist der Fels des Atheismus


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Gruß Hubert