Tuesday, January 10, 2023

Vom Paulus zum Saulus


 

gbs-Gründer Herbert Steffen veröffentlicht seine Lebenserinnerungen.


Collage von Roland Dahm (Hintergrundbild: Couleur/Pixabay)

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Bevor er den Kirchenkritiker Karlheinz Deschner unterstützte und die Giordano-Bruno-Stiftung gründete, war Herbert Steffen ein strenggläubiger Katholik. In seiner gerade erschienenen Autobiografie schildert er seinen langen Weg vom „frommen Paulus“ zum „freigeistigen Saulus“ – die Geschichte eines Mannes, der spät, aber nicht zu spät, „gottlos glücklich“ wurde.

 

„Ich stamme aus dem Mittelalter“, schreibt Steffen im Vorwort seines Buches, „aus einem kleinen Dorf im Hunsrück, das lange Zeit keine befestigten Straßen und keinen Strom kannte, in dem der Pastor der mit Abstand mächtigste Mann der Gemeinde war. Die Hälfte meines Lebens war ich gefangen in der geistigen Enge eines streng katholischen Weltbildes.“ Anschaulich beschreibt er die kargen Verhältnisse im Hunsrück, wo er 1934 in eine katholische Familie hineingeboren wird, sowie seine Jahre im katholischen Internat „Albertinum“, wo er Missbrauchsfälle beobachtet, auf die er sich aber zunächst keinen Reim machen kann.

 

Nach dem Abitur will er, wie vom Vater gewünscht, Priester werden, doch schon nach wenigen Tagen im Priesterseminar wird ihm die Doppelmoral des Klerus bewusst, mit der er sich nicht abfinden kann: „Ich war entweder warm oder kalt, doch niemals lau. Wenn ich von einer Sache überzeugt war, setzte ich mich hundertprozentig für sie ein. Dummerweise war meine ‚Herzenssache‘ damals der Katholizismus: Hätte die Kirche von mir verlangt, einen Sprengstoffgürtel anzuziehen und die ‚Ungläubigen‘ in die Luft zu sprengen – ich fürchte, ich hätte es getan! Deshalb kann ich gut nachvollziehen, was radikale Islamisten tun. Man muss die religiöse Hirnwäsche selbst erlebt haben, um begreifen zu können, was sie bei einem Menschen anrichtet.“

 

Vom Unternehmer zum Religionskritiker

 

Statt Theologie studiert Herbert Steffen Wirtschaftswissenschaften in Köln und tritt in die Möbelfirma seines Vaters ein, die zum damaligen Zeitpunkt rote Zahlen schreibt und von der Insolvenz bedroht ist. Es gelingt ihm, „Steffen-Möbel“ zu retten. Unter seiner Führung wächst die kleine Firma zu einem großen Unternehmen heran, das in den 1980er Jahren 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. In den 1990er Jahren jedoch gerät die deutsche Möbelindustrie durch die Globalisierung unter Druck, die Geschäfte laufen schlechter – mit der Folge, dass Herbert Steffen die Kontrolle über sein Unternehmen verliert, welches er wenige Jahre zuvor an die Börse gebracht hat.

 

Der Verlust der Firma ist ein dramatischer Einschnitt in seinem Leben, doch er hat bereits Jahre zuvor eine neue Lebensaufgabe gefunden, nämlich die Religionskritik. Auslöser dafür sind zwei (umgedrehte) „Damaskuserlebnisse“, die aus dem „gläubigen Paulus“ einen „ungläubigen Saulus“ machen: 1973 unternimmt er eine Studienreise nach Israel und ist schockiert über die Borniertheit seiner christlichen Mitpilgerinnen und Mitpilger, die im vermeintlichen „Abendmahlsaal“ ergriffen auf die Knie fallen, aber laut loslachen, als sie in der al-Aqsa-Moschee hören, Mohammed sei von hier aus auf einem geflügelten weißen Pferd gen Himmel aufgestiegen.

 

Auch das zweite „Damaskuserlebnis“ ereignet sich auf einer Auslandsreise: 1988 liest er in einem Bungalow auf Tahiti Deschners Buch „Abermals krähte der Hahn“: „Die Lektüre zog mich derart in ihren Bann, dass ich für alles andere nicht mehr zu haben war. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich Bücher mit dieser Inbrunst gelesen, und nie zuvor hat mich beim Lesen eine solche Wut gepackt.“

 

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Vom Mäzen zum Stiftungsgründer

 

Nach dem Urlaub lässt Herbert Steffen nicht locker, bis er die Adresse Deschners herausgefunden hat. Kurzentschossen fährt er nach Haßfurt, überredet den scheuen Autor, ihn ins Haus zu lassen, und bietet ihm seine Unterstützung als Mäzen an. Dass es Karlheinz Deschner gelingt, seine 10-bändige „Kriminalgeschichte des Christentums“ abzuschließen, ist nicht zuletzt Steffens Verdienst. Damit Deschners Werk nicht in Vergessenheit gerät, hat er vor, eine Karlheinz-Deschner-Stiftung zu gründen, doch noch fehlen ihm erfahrene Mitstreiter, um diese Idee umsetzen zu können.

 

Über Carsten Frerk, der im Herbst 2003 einen Vortrag über die Finanzen und das Vermögen der Kirchen in Deutschland hält, kommt Herbert Steffen in Kontakt zu Michael Schmidt-Salomon, der zufälligerweise wenige Tage vor dem ersten Zusammentreffen die Druckfahnen zu seinem Aufsatz über die Philosophie des „evolutionären Humanismus“ erhalten hat.  Steffen ist nicht nur von Schmidt-Salomon und Frerk begeistert, sondern auch von diesem neuartigen Denkansatz, der Wissenschaft und Philosophie, rationale Erkenntnis und humanistisches Engagement in Einklang bringt. An der Tür verabschiedet er sich von seinen künftigen Mitstreitern mit den Worten „Ich denke, das war heute der Beginn einer langen und fruchtbaren Freundschaft und Zusammenarbeit!“ Auf der Gegenseite sorgt dies allerdings für Verwunderung, wie Steffen schreibt: „Nach Michaels Gesichtsausdruck zu urteilen, dachte er wohl, ich hätte eine Meise!“

 

Wenige Tage später sprechen die beiden aber schon über die Gründung einer Stiftung. Schweren Herzens muss Steffen dabei die Idee einer Deschner-Stiftung aufgeben, da sich diese allein auf Kirchen- und Christentumskritik hätte konzentrieren müssen. „Giordano-Bruno-Stiftung“ ist der bessere Name für eine Organisation, die sich einem breiten Themenspektrum widmen soll. Nach anfänglicher Enttäuschung sieht dies selbst Karlheinz Deschner ein – die Schilderung des heiklen Gesprächs zwischen Deschner und Schmidt-Salomon zählt sicherlich zu den Höhepunkten des Buches. Herbert Steffen notiert dazu: „Ich war erleichtert, dass Karlheinz die Nachricht vom Ende der Idee einer Deschner-Stiftung so gut verkraftet hatte und dass sich meine beiden ‚Hausphilosophen‘ trotz der schwierigen Anfangsbedingungen so gut verstanden. Vor allem aber freute ich mich, dass es nun schon bald mit der Giordano-Bruno-Stiftung losgehen konnte, die mein Leben in den kommenden Jahren in völlig neue Bahnen lenken sollte…“

 

„Die beste Entscheidung meines Lebens“

 

Nur wenige Wochen nach dem Gespräch in Haßfurt, im März 2004, findet im neu errichteten gbs-Forum in Mastershausen die erste gbs-Veranstaltung statt: Der international anerkannte Evolutionsbiologe Prof. Dr. Franz M. Wuketits spricht vor rund 70 Gästen über ein Thema, das aufs Engste mit der Philosophie des evolutionären Humanismus verknüpft ist: „Der Affe in uns: Warum eine Entzauberung des Menschen überfällig ist“.  Die Wahl des Referenten ist kein Zufall, denn Franz M. Wuketits ist von Beginn an in die Pläne zur Gründung der gbs eingeweiht. Durch ihn kommt die Stiftung in Kontakt zu vielen anderen hochkarätigen Wissenschaftlern.

 

Steffen schreibt über Wuketits: „Manfred, wie ihn seine Freunde (zu denen ich mich bald zählen durfte) nannten, war ein wunderbarer, aber auch ein merkwürdiger Mensch. So richtig in die Gänge kam er erst in den Abendstunden, dann aber hörte er gar nicht mehr auf, über Gott und die Welt in seinem breiten wienerischen Dialekt zu diskutieren. Legendär waren die Gespräche mit Michael in unserer damaligen Stiftungsbar, die oft bis in die Morgenstunden dauerten und mit dem Konsum von reichlich Alkohol und Zigaretten einhergingen. (…) Aus Versehen leerten die beiden einmal in der Nacht meinen Geburtsjahrs-Portwein aus dem Jahr 1934! Am nächsten Morgen war Manfreds Gesicht so zerknittert, dass ich den großen Gelehrten kaum noch wiedererkannte.“

 

Anekdoten wie diese machen den besonderen Reiz des Buches aus. In seiner „kurzen Geschichte der Giordano-Bruno-Stiftung“ plaudert Herbert Steffen „frei aus dem Nähkästchen“ und verrät viele Hintergründe, die selbst Insidern der Stiftung nicht bekannt sein dürften. Aber natürlich berichtet er auch über die vielen Höhepunkte der Stiftungsgeschichte, etwa über die diversen Kampagnen zur Sterbehilfe, zum politischen Islam, zu Tierrechten, zum kirchlichen Missbrauchsskandal, zur Trennung von Staat und Kirche, zu den Menschenrechten, zur Knabenbeschneidung oder zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs. Gegen Ende des Buchs resümiert Steffen: „Die Gründung der Giordano-Bruno-Stiftung (…) war die beste Entscheidung meines Lebens! Denn durch die Stiftung habe ich so viel Neues erfahren und so viele hochinteressante Menschen kennengelernt, die ich ansonsten niemals getroffen hätte. Es stimmt schon, was ich vor einigen Jahren gesagt habe: ‚Ich verdanke der Giordano-Bruno-Stiftung weit mehr, als sie mir verdankt!‘“

 

Dabei macht der Autor klar, dass der Erfolg der gbs „ganz gewiss nicht allein auf meinem oder Michaels Mist gewachsen“ ist, sondern dass daran unzählige andere Menschen beteiligt waren. Namentlich listet er im Buch rund 250 Personen auf, ohne die die gbs nicht zu dem geworden wäre, was sie heute ist, nämlich, wie es der „Spiegel“ einmal formulierte, „das geistige Oberhaupt all derjenigen, die geistigen Oberhäuptern nicht trauen.“

 

Die Autobiografie „Mein langer Weg vom Paulus zum Saulus“ kann ab sofort als pdf-Dokument kostenfrei von der gbs-Website heruntergeladen werden. Mitglieder des gbs-Beirats und des gbs-Stifterkreises sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung und der aus ihr hervorgegangenen Organisationen erhalten das Buch zudem in gedruckter Form. Im regulären Buchhandel wird die Autobiografie auf absehbare Zeit nicht erhältlich sein.

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Vom Paulus zum Saulus


Thursday, November 02, 2017

Demokratie ohne Selbstbestimmung ist keine Demokratie

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Ich kann den Leuten, die gegen die Selbstbestimmung von Katalonien sind nur sagen, lernt die Geschichte Kataloniens. X-mal wurden ihnen gegebene Versprechungen wieder weggenommen. Irgendwann reicht es auch dem Gutmütigsten. Welches Vertrauen sollte Katalonien noch zu Spanien haben?

Aus der WELT

Den Autonomiestatus der Katalanen aufzuheben, ist ein unverzeihlicher Schritt und mit internationalem Recht nicht vereinbar. Ein Gastbeitrag des Völkerrechtlers Alfred de Zayas.


Die Ankündigung der spanischen Regierung, die Autonomie Kataloniens aufzuheben, ist bedauerlich. Ein derartiger institutioneller Angriff auf die katalanische Demokratie würde einen massiven Rückschritt bei der Verteidigung der Menschenrechte bedeuten und wäre unvereinbar mit den Artikeln 1, 19, 25 und 27 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte.

Es ist daran zu erinnern, dass laut Artikel 10, Absatz 2, und Artikel 96 der spanischen Verfassung internationale Verträge konstitutiv sind für das nationale Recht und dass Menschenrechte und Grundrechte des spanischen Rechts in Übereinstimmung mit internationalen Verträgen auszulegen sind.

Das Völkerrecht der Selbstbestimmung hat sich weit über die bloße Dekolonialisierung hinaus entwickelt. Einem Volk das Recht auf Selbstbestimmung zu verweigern, ihm die Rechtmäßigkeit eines Referendums abzusprechen und die begrenzte Autonomie eines Volkes durch Strafen und Einschüchterung aufzuheben, stellt eine Verletzung des Artikels 1 des Internationalen Paktes über bürgerliche und zivile Rechte (ICCPR) und des Internationales Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte dar.

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Der Autor: Alfred de Zayas, geboren auf Kuba und Staatsbürger der USA, ist Völkerrechtler, Historiker und UN-Sonderberichterstatter für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung
Quelle: picture alliance / Pacific Press

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Wir erinnern uns, dass der damalige Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien, Slobodan Milosevic, die Autonomie des Kosovo aufgehoben hat, was zur Gründung der Kosovo-Befreiungsarmee und zu einer Serie von Konflikten führte, die mit der Unabhängigkeit des Kosovo endete. Dieses Ergebnis oder eine großzügigere Autonomie bei fortgesetzter territorialer Integrität Jugoslawiens hätten durch Dialog und politische Verhandlungen erreicht werden können.

Anstatt nach Vermittlungslösungen zu suchen, lehnten 1999 einige Staaten Dialog ab und entschieden sich für Gewalt ohne Rechtsgrundlagen oder Zustimmung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Heute hat die internationale Gemeinschaft Interesse daran und eine Verantwortung dafür, sicherzustellen, dass in Katalonien der soziale Frieden geschützt und Gewalt verhindert wird.

Kein Staat kann sich auf das Recht der territorialen Integrität berufen, um das Recht auf Selbstbestimmung zu unterlaufen. Der Vorwurf, Beschlüsse des gewählten Parlaments von Katalonien seien „verfassungswidrig“ und das Referendum sei „illegal“, geht daher an der eigentlichen Frage vorbei. Derartige Argumente sind leere, positivistische, eigennützige Tricks, um das ius cogens, den unabänderlichen Charakter der Selbstbestimmung zu unterdrücken. Sie höhlen das Selbstbestimmungsrecht aus.

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Territoriale Integrität


Spanien muss daran erinnert werden, dass die Selbstbestimmung ein Recht der Völker ist und kein Vorrecht von Staaten, das sie gewähren oder verweigern können. Territoriale Integrität im Verständnis der Vereinten Nationen ist ein Anspruch nach außen mit dem Ziel, auswärtige Drohungen oder Eingriffe in die territoriale Integrität souveräner Staaten abzuwehren. Im Fall eines Konflikts zwischen den Prinzipien der territorialen Integrität und dem Menschenrecht auf Selbstbestimmung überwiegt letzteres.

Bekanntlich streben viele Völker weltweit nach Selbstbestimmung, entweder intern in Form von Autonomie oder extern in Form von Unabhängigkeit. Und obwohl die Verwirklichung von Selbstbestimmung nicht automatisch oder selbstständig erfolgt, handelt es sich um ein fundamentales Menschenrecht, bei dessen Implementierung als Mittel zur Konfliktvermeidung die internationale Gemeinschaft helfen muss.

Das Streben nach Selbstbestimmung verschwindet nicht durch dessen gewaltsame Unterdrückung. Vielmehr wird das Argument genährt, Abhilfe sei nur durch Sezession möglich.

Aus dem Englischen von Ansgar Graw

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Demokratie ohne Selbstbestimmung ist keine Demokratie


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Gruß Hubert

Sunday, October 15, 2017

Van der Bellen zeigt Balluch den Stinkefinger


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Martin Balluch ist zu recht bitter enttäuscht vom österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen. Seit vielen Monaten hatte Balluch versucht einen Termin bei van der Bellen zu bekommen. Er wollte nicht mit Balluch über Tierschutz reden. Er ist somit ein richtiges A…. lo (geworden, oder war er es schon immer?).

Hier aus martinballuch.com

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DER „GRÜNE“ BUNDESPRÄSIDENT ALEXANDER VAN DER BELLEN ZEIGT DEM TIERSCHUTZ UND MIR DEN STINKEFINGER

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Man hat sich doch so viel erwarten dürfen! Der erste Grüne Bundespräsident der Welt, noch dazu einer, der mich im Gefängnis besucht hat, als ich als Chef einer kriminellen Organisation im Tierschutz in U-Haft saß. Ein Bundessprecher der Grünen, der mich aus Solidarität in dieser Zeit maximaler Verfolgung auf symbolischer Position zwar, aber immerhin, auf die Bundesliste der Grünen für die Nationalratswahl gesetzt hat. Wir haben uns geduzt, er hat mich in den Medien verteidigt. Bei welchen anderen KandidatInnen, als ihm, hätte man sich mehr für den Tierschutz erhoffen können?

Zugegeben, von ihm selbst ist in seiner Zeit als Bundessprecher der Grünen zu Tierschutz nicht viel gekommen. Aber diese wirklich sehr mutigen Schritte in der Tierschutzcausa sprachen eine andere Sprache. Doch jetzt ist die Katze aus dem Sack: Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat mir in eindeutigen Worten mitteilen lassen, dass er von mir nicht kontaktiert zu werden wünscht.

Seit vielen Monaten versuche ich, und versuchen andere vom VGT-Büro, einen Termin bei ihm zu bekommen. Unser Anliegen war einerseits, über Tierschutz zu sprechen. Vielleicht wäre es ihm in seiner Position möglich, Kontakte zu knüpfen und neue Gesprächsebenen zu eröffnen? Vielleicht hätten wir statt eine konfrontative Kampagne führen zu müssen, z.B. eine Plattform bekommen, um mit der Schweineindustrie über ein Vollspaltenbodenverbot in der Mastschweinehaltung zu verhandeln? Oder vielleicht hätte er uns ein Gespräch mit der Führungsetage von Kleider Bauer ermöglicht, um in Sachen Pelzverkauf endlich einen Schritt weiterkommen zu können! Ein Bundespräsident, als moralische Instanz der höchste Vertreter der österreichischen Republik, müsste doch in der Lage sein, viele Türen zu öffnen. Doch nein, über Tierschutz zu sprechen wünscht er nicht. Stattdessen veröffentlicht er anlässlich des Welttierschutztages ein Hundestreichel-Foto!

Ich hätte auch sehr gerne mit ihm über die Tierschutzcausa geredet. Er stimmt doch sicher zu, dass das gesamte Vorgehen des Staates, seines Staates muss man ja nun sagen, ein einziges Verbrechen war. Könnte nicht er als höchster Repräsentant dieses Staates dafür eine Entschuldigung an alle unschuldig Verfolgten aussprechen? Wäre das nicht ein bedeutsamer Schritt zur Rehabilitierung gewesen? Und der Schaden, der bei mir durch diesen unfairen Prozess aufgrund des illegalen Vorgehens der Polizei entstanden ist, immerhin € 600.000, hätte er da nicht beim Justizministerium auf eine Kulanzlösung drängen können? Warum soll ich gezwungen werden, das mit den aggressiven AnwältInnen der Republik auszufechten, die mir bisher auch noch zusätzliche € 57.000 Kosten verursacht haben, obwohl so ganz offensichtlich ist, dass ich da unfair behandelt werde, dass mir die Republik praktisch mit Gewalt so viel Geld geraubt hat? Wie komme ich dazu, nach einem Freispruch wegen erwiesener Unschuld, auf meinen horrenden Verteidigungskosten sitzen zu bleiben? Das kann der Bundespräsident doch nicht richtig finden, oder?

Wenn es nach jener Rechtsexpertin geht, die mich aus seinem Büro dazu zurückgerufen hat, dann schon. Das Urteil sei legitim, die Sachlage rein rechtlich klar. Ich hätte nicht auf Wiedergutmachung klagen sollen, mein Anwalt hätte mir abraten müssen. Alles also meine Schuld, und jetzt, bitteschön, möge ich den armen Bundespräsidenten endlich damit in Frieden lassen. Er habe doch so viel zu tun. Zu viel, offenbar, um sich um die Opfer der politisch motivierten Raubzüge seiner eigenen Republik, der er vorsteht, zu kümmern!

Ach ja, so die Dame am Telefon weiter, und über Tierschutz sprechen wolle er auch nicht. Das wurde mir dann noch einmal aus seiner unmittelbaren privaten Umgebung bestätigt. Weitere Anrufe oder Kontaktaufnahmen seitens des VGT oder von mir sind unerwünscht. Punkt und aus.

Erstaunlich, was sich so ändert, wenn man von einer in den Anfängen idealistisch motivierten Partei bis zum höchsten Futtertrog des Staates aufsteigt. Plötzlich verliert man seine Freunde aus den Augen, genauso seine Ideale und Verantwortlichkeiten. Jetzt geht es nur mehr um die Erfüllung einer fragwürdigen Form von Pflicht, nämlich den Erwartungen der Mächtigen zu entsprechen. Jetzt hört man nur noch auf die Wirtschaftsspitzen.

Eine sehr traurige Entwicklung, muss ich sagen. Eine große Enttäuschung.

Wenn jene, die in Machtpositionen gewählt werden, im Augenblick ihres Erfolges einen rückgratlosen Wandel ihrer Einstellung vollziehen, hat dann wählen überhaupt noch einen Sinn? Gilt wirklich so gnadenlos konsequent der alte Spruch, dass Macht korrumpiert? Oder bedeutet das tatsächlich, dass man sich auf niemanden in diesem politischen System verlassen kann, und wenn man im parlamentarischen Tierschutz etwas weiterbringen will, dann nur dadurch, dass man selbst in die Politik geht und eine eigene Partei gründet, die sich ausschließlich dem Tierschutz verpflichtet fühlt?

Ich werde trotzdem wählen gehen und empfehle das allen anderen auch. Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch wenn Politikverdrossenheit unter diesen Bedingungen mehr als nachvollziehbar ist.

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Van der Bellen zeigt Balluch den Stinkefinger

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Gruß Hubert

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Friday, September 29, 2017

Trump wäre wieder mal beim feuern


Trump kann nur beleidigen, spalten und feuern und Verträge sind für ihn sowieso nur da um gebrochen zu werden. Jetzt möchte er aus Protest knieende schwarze Footballer feuern lassen, aber da wird man sicher nicht auf ihn hören. Von fehlendem Respekt sollte er besser nicht reden, da muss er „first“ bei sich selbst anfangen. Natürlich kommen bei Trump die Weißen first vor Schwarzen, daran zweifelt niemand. Ganz sicher wird er bei dieser Forderung auf Granit beißen. Welchen Rassismus es in den USA noch gibt weiß man ja, man erinnere sich nur an das erschießen von schwarzen, unschuldigen Bürgern, zum Beispiel bei einer Verkehrskontrolle. Die das Niederknallen von Schwarzen auch noch ungestraft tun, weil fast immer freigesprochen. Ist wohl klar, dass bei Trump und anderen Rassisten die Weißen first kommen, vor allen anderen Nicht-Weißen und zuletzt die Schwarzen.


Irgendjemand sagte mir: was kümmerst du dich um Trump und die USA, wir leben in Deutschland, in Europa. Da sage ich nur Trump steht für mich STELLVERTRETEND für die hässliche Fratze des Rassismus, für Nationalismus und für nationalen Egoismus. Wo kämen wir hin, wenn alle Regierungschefs sich so verhalten würden wie diese amerikanische Narzisst, der keine Ahnung von Politik hat? Einer, der sich mit Ultrarechten, wie Richard B. Spencer von der Alt-Right-Bewegung am rechtsextremistischen Rand der politischen Rechten abgibt oder mit Steve Bannon vom Breitbart News Network. Anhänger der Alt-Right werden oft auch als „White Supremacists“, Rechtsextremisten und Neonazisbezeichnet.


Man muss sich einmal überlegen warum sind denn Schwarze (Rassisten sagen Neger dazu) überhaupt in den USA. Sie wurden doch als Sklaven mit Schiffen in die USA gebracht! Man unterdrückte sie auf Baumwollplantagen, misshandelte sie und beutete sie aus. Und jetzt wären es Menschen dritter Klasse?

Die knieenden Footballer haben volkommen recht! Ich solidarisiere mich mit ihnen gegen alle Rassisten und gegen alle Rechtsextremen.


Aus Tagesschau.de
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Bild aus Tagesschau.de
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Protest bei Nationalhymne

Trump will kniende Footballer feuern

US-Präsident Trump ist für beleidigende Worte bekannt. Doch diesmal griff er in die unterste Schublade: Football-Spieler, die aus Protest gegen die Diskriminierung Schwarzer bei der Nationalhymne knien, nannte er „Hurensöhne“ und forderte die NFL auf, sie zu feuern.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Die Nationalhymne gehört zu jedem Football-Spiel dazu: Zu besonderen Anlässen wird sie von einem Musikstar live gesungen. Die Zuschauer und Spieler im Stadion erheben sich. Manche singen mit. Doch einige Spieler gehen in diesen Minuten bewusst auf die Knie. Sie wollen auf die Rassendiskriminierung aufmerksam machen. Seit gut einem Jahr wird in den USA über diese Form des Protests diskutiert.


Für US-Präsident Donald Trump handeln die knienden Football-Spieler respektlos. Trump wendete sich gestern auf einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Alabama an die Klubchefs der Football-Profiliga NFL. Diese sollten die protestierenden Spieler entlassen. Vor seinen feiernden Anhängern polterte Trump: „Würden Sie nicht gerne hören, dass einer der Bosse der National Football League sagt, wenn jemand unsere Flagge nicht respektiert: ‚Nehmt diesen Hurensohn sofort vom Feld! Er ist gefeuert!‘?“ Und weiter: „Dies ist eine totale Respektlosigkeit gegenüber unserer Tradition und gegenüber allem, für das wir stehen.“ (Anmerkung: für das wofür Trump steht, stehen nicht alle Amerikaner).


Welle des Protests

Begonnen hat der ungewöhnliche Hymnen-Protest vor gut einem Jahr. Quarterback Colin Kaepernik, damals bei den San Francisco 49ers, weigerte sich zu stehen. Dafür erntete der prominente Spieler viel Kritik. Weitere Spieler, auch anderer Teams, folgten seinem Beispiel. Derzeit ist Kaepernik vereinslos.

Trump will dieses Verhalten stoppen und ruft zum Boykott auf. „Auch wenn es nur ein Spieler ist – verlasst das Stadion! Ich garantiere euch, diese Dinge werden dann aufhören. Steht einfach auf und geht.“


NFL verurteilt Trump-Äußerungen


Die Football-Profiliga NFL reagierte mit scharfen Worten. Trumps Aussagen seien spalterisch und respektlos, heißt es in einem offiziellen Statement, das die NFL per Twitter veröffentlicht hat. Der Chef der NFL-Spielergewerkschaft, DeMaurice Smith, sagte, der Verband werde auf jeden Fall das Recht der Spieler auf freie Meinungsäußerung schützen.

Auch Basketball-Profis stimmten in die Kritik an Trump ein. Stephen Curry von den Golden State Warriors sagte, er werde gegen einen geplanten Besuch des aktuellen NBA-Meisters beim Präsidenten stimmen. Trump erklärte via Twitter, es sei für ein Meisterschafts-Team eine große Ehre, ins Weiße Haus zu kommen. „Stephen Curry zögert, darum ist die Einladung zurückgezogen!“ Basketball-Star LeBron James, der im Präsidentschaftswahlkampf Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton unterstützt hatte, schrieb daraufhin auf Twitter: „Ins Weiße Haus zu gehen war eine große Ehre – bis Sie aufgetaucht sind!“

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Trump wäre wieder mal beim feuern

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Hier noch einige Kommentare.

Am 24. September 2017 um 03:35 von Hanno1984
Der Splitter im Auge des Anderen…
„Für US-Präsident Donald Trump handeln die knieenden Football-Spieler respektlos.“ Die Diskriminierung von Minderheiten bzw. weniger mächtigen gesellschaftlichen Gruppen ist respektlos, und damit haben die USA ein Problem, das von weißen Oligarchen allzugerne negiert wird! Der (weiße) US-Bürger ist damit nicht alleine; auch wir sollten uns fragen: Wie gehen wir mit Randgruppen um? Politische, monetäre, ethnische, religiöse Minoritäten; was ist angemessen bezüglich Abgrenzung (dem Bedürfnis derer, die sich in ihrer Identität bedroht fühlen) und Integration (dem Bedürfnis der Marginalisierten bzw. Nicht-Deutschen)? Das ist wahrlich kein Thema von Nationalstaaten.

Am 24. September 2017 um 03:48 von Wendehammer
Nein, Mr. President!
Eine Schande für das „großartigeste Land dieser Welt“ sind ausschließlich Sie, der sich als Soziopath auf dem Pfad der 140-Zeichen-Gemeinde bewegt und und andersdenkende und -handelnde Menschen mit Spott, Drohungen und Respektlosigkeit überzieht.
Ich hoffe von ganzem Herzen, daß Ihre Amtszeit vorzeitig endet. Wie auch immer!

Am 24. September 2017 um 04:40 von Reginald
Teufelsbrut
Überall sind Idioten an die Macht gekommen. Diese Idioten werden überall die Gesellschaften spalten Bevölkerungsgruppen werden sich schon bald in unversöhnlichem Hass und Zwietracht gegenüber stehen. Wir brauchen keine Hassprediger gleich welcher Politik oder Religion. Diese Art von Politikern oder Religionsfaschisten gehören zur wahrhaftigen Teufelsbrut.

http://meta.tagesschau.de/id/127257/usa-trump-will-kniende-footballer-feuern

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Gruß Hubert

AfD-Kandidat mit Hitlergruß?


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Marc Jongen – Foto: Tageszeitung.it

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Hier einiges zum „großen Südtiroler Sohn“ Marc Jongen. 😉 (muss ich wohl setzen, sonst meint noch jemand ich meine das ernst).

Parteitag mit Nachspiel
AfD-Kandidat mit Hitlergruß?
Der Karlsruher AfD-Bundestagskandidat Marc Jongen soll auf dem Weg zum AfD-Parteitag in Karlsruhe den Hitlergruß gezeigt haben. Er hat den Vorwurf inzwischen als völlig absurd zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt inzwischen gegen Jongen, der Eingang einer Strafanzeige wurde mittlerweile bestätigt. Marc Jongen, AfD-Bundestagskandidat und Sprecher des AfD Landesvorstands in Baden-Württemberg hat gegenüber dem SWR eingeräumt, dass er – nach Provokationen durch Parteimitglieder der Linken – tatsächlich seinen linken Arm in Richtung der Demonstranten erhoben und „Vorwärts SED“ gerufen habe. Dies sei aber kein Hitlergruß gewesen, sondern nur eine Antwort auf die Provokationen gegen seine Person.
Ein Sprecher der Partei „Die Linke“ sagte, dass mehrere Parteimitglieder die Geste von Marc Jongen gesehen und als Hitlergruß erkannt haben wollen. Für einen weiteren Zwischenfall sorgte ein noch unbekannter Teilnehmer im Vorfeld des Parteitages der AfD in der Badnerlandhalle im Karlsruher Stadtteil Neureut. Mit den Worten „Ihr kommt alle ins KZ“ lief er an den Demonstranten vorbei und betrat den Veranstaltungsort. Auch in diesem Fall haben Mitglieder der Partei „Die Linke“ Strafanzeige gegen unbekannt bei der Polizei in Karlsruhe-Neureut erstattet.
Das hat mich inspiriert einen Leserbrief zu schreiben. Der Leserbrief war heute (29.09.2017) im „Tagblatt der Südtiroler“, der „Dolomiten“ veröffentlicht ist.

Man muss nur genau hinhören

Ich bin entsetzt, wie sehr man in Südtirol und auch im Sender Bozen den Rechtsruck mit der AfD verharmlost und nur Befürwortern der AfD Raum und Zeit bietet (u.a. auch dem Südtiroler Dr. Marc Jongen, Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg). Die AfD ist nicht nur gemäßigt rechts, konservativ, bürgerlich, sondern in großen Teilen rechtsradikal. Man muss sich nur viele rechtsradikale Aussagen von Höcke (der Geschichte unterrichtet…) mit Anleihen aus der NS-Zeit, Gauland usw. zu Gemüte führen. Der Karlsruher AfD-Bundestagskandidat Marc Jongen soll auf dem Weg zum AfD-Parteitag in Karlsruhe den Hitlergruß gezeigt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt (swr.de/swraktuell). Ein großer Sohn Südtirols? Wenn man das alles nicht für so schlimm hält, hat man ein ernsthaftes Problem. Also bitte genauer hinschauen und hinhören. Oder will man, dass Südtirol ruhig rechtsradikaler werden kann? Nur ein Beispiel für eine kritische Betrachtung: der Historiker Leopold Steurer wäre ein Experte für den Nationalsozialismus und für rechtsradikales Gedankengut. Ist er unerwünscht?

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AfD-Kandidat mit Hitlergruß?

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Aus der SZ

Die AfD steht für das Wehrhafte, das Heroische, das Starke

Jongen ist eben kein Björn Höcke, er argumentiert lieber mit Platon als mit dumpfen Parolen. Aber er verteidigt Höcke (Anmerkung: das sagt mir alles und ich weiß jetzt genau wo er steht) und lobt, dass die AfD die einzige Partei sei, die Wut und Zorn in der Bevölkerung nicht nur ernst nehme, sondern anzufeuern wisse. Die „Thymos-Spannung heben“ nennt Jongen das im Gespräch mit Journalisten. Was nichts anderes heißt, als den Zorn der Bürger zu schüren. Thymos ist bei Platon, neben Logos und Eros, eine der drei Gemütsbewegungen des Menschen. Der Wutbürger habe eben eine erhöhte Thymos-Spannung.

Versucht man Jongen mit der Frage zu konfrontieren, ob er tatsächlich wolle, dass der Zorn in der Gesellschaft steigt, wird deutlich, wie vorsichtig er im Umgang mit Medien inzwischen ist. Kein Interview mehr, nur schriftliche Fragen, jede Kürzung in seinen Antworten will er vorab vorgelegt bekommen. Aber dann streitet er keineswegs ab, dass er sich einen kräftigeren Thymos wünscht. „Zorn und Protest sind für die AfD aber kein Selbstzweck, sondern haben ein ganz konkretes Ziel: die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen, sodass die Sicherheit im Land und der soziale Frieden nicht weiter gefährdet werden“, schreibt er in seiner Antwort.

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Foto: Süddeutsche Zeitung

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In dem Szenario, das Jongen hier suggeriert, ist die Verfassung in Deutschland außer Kraft und der Wutbürger die Instanz, die die Sicherheit im Land gewährleistet. Eine Ordnung wiederherzustellen, ist ein vollmundiges Versprechen in diesen unübersichtlichen Zeiten. Wohlklingend für alle, die überfordert und desorientiert sind. Jongen sagt, er wünsche sich „mehr Selbstachtung“. Wut, Ordnung und Stolz, darauf ist sein Konzept gebaut.

Vor allem aber, das betont Jongen immer wieder, müsse das Erregungsniveau gehoben werden, damit die Deutschen nicht länger „wehrlos“ seien gegenüber „robusteren Naturellen“, sagte er der FAS. Er schürt die Angst vor einer Bedrohung durch „Masseneinwanderung“, um dieser „Gefahr“ dann die AfD als Gegenwehr entgegenzusetzen. Denn die AfD steht in Jongens Darstellung für das Wehrhafte, das Heroische, das Starke.

http://www.sueddeutsche.de/politik/philosoph-marc-jongen-der-wutdenker-der-afd-1.2865813

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Gruß Hubert

Saturday, September 09, 2017

Christliche Apologeten halten bei der Frage warum es all dieses Leid gibt das Argument entgegen, der Mensch sei selbst schuld, denn er hätte den freien Willen und ER sei böse.
Diese Argument kenne ich zur Genüge, so antworten christliche Apologeten wenn sie für das Leid in der Welt (Theozidee) keine Antwort mehr wissen. Oder macht der Mensch mit seinem „freiem Willen“ auch Erdbeben, Hurrikans, Tsunamis und alle anderen Naturkatastrophen? Da ist der Mensch einmal vollkommen unschuldig. Man will mit dem „freiem Willen“ dem Mensch die alleinige Verantwortung für alles Leid auf der Welt zuschieben. Das ist eine Zumutung und inakzeptabel – und es stimmt einfach nicht, lässt sich leicht widerlegen.

Der leider sehr früh verstorbene Dichter Georg Büchner, sagte das Leid in der Welt sei der Fels des Atheismus, und damit hatte er recht.

Hier dazu eine Abhandlung von diesseits.de

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Genialer Einzelgänger: Georg Büchners Werk und politischer Ingrimm erwuchsen aus dem Leiden.

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Georg Büchner ist überall präsent („Büchner lebt!“). Der früh verstorbene Büchner zeigt seine ungebrochene Vitalität jedenfalls einmal wieder in Hunderten von Veranstaltungen und Betrachtungen – zweihundert Jahre nach seinem Geburtstag.

Keine Geistesrichtung, die ihn nicht „irgendwie“ für sich vereinnahmen könnte oder wollte. Das Avangardistische! Das Fragmentarische! Das Radikale! Das Soziale! Das Revolutionäre! Die Literatur! Ja, sogar das Christliche! Und auch die schlussendliche Resignation vor der Übermacht der Verhältnisse! Ist da für jeden etwas dabei? Abgesehen von den Büchnerpreisträgerinnen und Büchnerpreisträgern, die ja jährlich auch ihren Bezug zum berühmten Büchner finden müssen?

Joachim Kahl hielt zum Büchnerjahr einen Vortrag über die religionskritischen Beiträge der Brüder Georg und Ludwig Büchner. Veranstalter war die Evangelische Kirche in Darmstadt-Land (Erwachsenenbildung), die sich in einem fünfteiligen Seminar mit dem Verhältnis der Familie Büchner zur Religion befasste.

Joachim Kahl ging von ausgewählten Zitaten der beiden Brüder aus, aus denen er die Kernpositionen zur Kritik des europäischen Christentums im 19. Jahrhundert entfaltete. Ihm war wichtig, die Büchnerschen Gedanken im Originalwortlaut zum Klingen zu bringen. Ihm war auch ein Anliegen, Georg Büchner dessen jüngeren Bruder Ludwig an die Seite zu stellen – nicht nur, weil Ludwig im 19. Jahrhundert die Werke von Georg herausgab und bekannt machte. Ludwig Büchner war vielmehr selbst eine prägende und prominente Figur der Geistes- und Sozialgeschichte eines Jahrhunderts, das er zu drei Vierteln mit erleben durfte.

Die Zitate von Georg Büchner waren seinen literarischen Werken sowie dem Hessischen Landboten entnommen, nicht seinen theoretischen Äußerungen. Es sprechen somit überwiegend die literarischen Figuren. Sie zeichnen in expressiven Farben eine unbarmherzige Natur, die ihrer ewigen Eigengesetzlichkeit folgt, die keine besondere Rücksicht auf die Menschen und Tiere nimmt, die sich in ihrer Entwicklung dem Menschen entgegenstellt und in ihrer Größe die Menschenopfer kaum „bemerkt“. „Die Natur folgt ruhig und unwiderstehlich ihren Gesetzen, der Mensch wird vernichtet, wo er mit ihnen in Konflikt kommt.“ (St. Just in „Dantons Tod“).

Woyzeck erzählt sein (Anti-)Märchen zu den Sterntalern der Gebrüder Grimm. Da ist ein Kind ohne Vater und Mutter und ohne jeden anderen Menschen auf der Welt. Der freundlich guckenden Mond, den es besucht, erweist sich als faules Holz, die Sonne ist nur eine verreckte Sonnenblume, die Sterne sind nur tote aufgespießte goldene Mücken und die Erde ist ein umgestürzter Nachttopf. Das Kind bleibt einsam und traurig in der leeren und sinnlosen Welt zurück.

Lenz aus der gleichnamigen Erzählung Georg Büchners findet die Gottesvorstellung des Pfarrers Oberlin alles andere als tröstlich. „Lenz wand sich ruhig los und sah ihn mit einem Ausdruck unendlichen Leidens an, und sagte endlich: aber ich, wär’ ich allmächtig, sehen Sie, wenn ich so wäre, ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten, ich will ja nichts als Ruhe, Ruhe, nur ein wenig Ruhe und schlafen können.“ Lenz misst den vorgestellten Gott an dem einfachen menschlichen Kriterium der Mitmenschlichkeit und sieht stattdessen Mitleidlosigkeit und Grausamkeit – ob durch aktives Einwirken oder durch Tatenlosigkeit.

Büchners Dramenfigur Thomas Payne ergänzt in „Dantons Tod“, was er von einem gütigen und allmächtigen Gott hält:

Man kann das Böse leugnen, aber nicht den Schmerz; nur der Verstand kann Gott beweisen, das Gefühl empört sich dagegen. Merke dir es, Anaxagoras, WARUM LEIDE ICH? DAS IST DER FELS DES ATHEISMUS. (Hervorhebung vom Autor)


Die Erlösung aller Gläubigen durch den Kreuzestod Christi erscheint Georg Büchner offenbar als ungeheuerliche Vorstellung, die er nicht glauben mag. Er lässt Robespierre in Dantons Tod argumentieren: „Was sehen wir immer nur nach dem Einen? Wahrlich des Menschensohn wird in uns Allen gekreuzigt, wir ringen Alle im Gethsemanegarten im blutigen Schweiß, aber es erlöst Keiner den Anderen mit seinen Wunden.“ In provokanter Weise relativiert Georg Büchner das im Christentum verherrlichte Leiden Christi durch das millionenfache schreckliche Leid der menschlichen Kreaturen überall auf der Erde.


Die Theodizee, die ungelöste Frage nach der Rechtfertigung eines von einem angeblich allmächtigen und allgütigen Gott tolerierten Leides auf der Welt, das ist offenbar der große Stein des Anstoßes für Georg Büchner, der ihm zum „Fels des Atheismus“ wird.


Damit stellt er sich an die Seite der zeitgenössischen Religionskritik von Feuerbach, Heine, Marx, Engels und anderen Linkshegelianern. Aber auch Epikur hat er offenbar gut gelesen und in sein Jahrhundert übersetzt.

Diesen Gott will er dann auch nicht als Legitimation der weltlichen Herrschaft anerkennen. Georg Büchners Urteil lautet: „Diese Regierung ist nicht von Gott, sondern vom Vater der Lügen. Diese deutschen Fürsten sind keine rechtmäßige Obrigkeit.“ (Der Hessische Landbote). Hier mündet die Religionskritik in politische Kritik.

Bei Ludwig Büchner kann man die gleichen Motive wie bei Georg Büchner finden, insbesondere in seinem Hauptwerk „Kraft und Stoff“, wie Joachim Kahl in den ausgewählten Zitaten belegte. In diesem Buch finden wir aber eine ausgearbeitete materialistische und naturalistische Weltanschauung vor, die mit Rationalität und rhetorischer Schärfe die damals vorherrschenden religiösen, idealistischen und metaphysischen Vorstellungen attackierte. Erwähnt werden sollen wichtige Leitthemen wie die „Unsterblichkeit des Stoffs“, die „Seelentätigkeit als Funktion der Gehirnsubstanz“ und die Kritik an der Konzeption des „Menschen als Gipfelpunkt der Schöpfung“, ohne sie an dieser Stelle zu vertiefen.

Hervorgehoben werden soll die Aufwertung des menschlichen Leibes im Gefolge einer Vorstellung von der „Würde des Stoffs“, die mit folgendem Zitat angedeutet werden soll: „Wer den Stoff erniedrigt, erniedrigt sich selbst und die ganze Schöpfung; wer seinen Leib misshandelt, misshandelt auch seinen Geist und fügt sich selbst in dem Maße einen Schaden zu, als er vielleicht in seiner törichten Einbildung einen Gewinst für seine Seele erlangt zu haben glaubt.“

Geradezu modern klingt auch die Kritik daran, dass sich der Mensch die Erde und alle Wesen untertan machen zu können glaubt: „Kein Wesen kann dazu bestimmt sein, für den Nutzen des Menschen zu leben; alles, was lebt, hat das gleiche Recht der Existenz, und es ist nur das Recht des Stärkeren, welches dem Menschen erlaubt, sich andere Wesen dienstbar zu machen oder zu töten. Es gibt keine Zwecke, welche die Natur zugunsten eines Bevorzugten zu erreichen bemüht wäre; die Natur ist sich selbst Zweck, sich selbst erzeugend, sich selbst erfüllend.“


Mit seinem Bruder teilte Ludwig Büchner das Theodizeeproblem. Deshalb soll dieser Bericht mit einem Zitat zu diesem Thema schließen, das das Pathos des (undogmatischen)  Büchnerschen Atheismus noch einmal hervortreten lässt:
Wozu, fragen wir mit Recht, das Heer der Krankheiten, der physischen Übel überhaupt?

Warum diese Masse von Grausamkeiten, von Entsetzlichkeiten, wie sie die Natur täglich und stündlich an ihren Geschöpfen ausübt? Konnte es ein bewusster, gütiger Schöpfer sein, welcher der Katze, der Spinne ihre Grausamkeit verlieh und den Menschen selbst, die sogenannte Krone der Schöpfung, mit einer Natur begabte, welche aller Gräuel und Wildheiten fähig ist? … Täglich und stündlich hat der Arzt Gelegenheit, sich bei Krankheiten, Verletzungen, Fehlgeburten usw. von der Hilflosigkeit der Natur, von der so oft unzweckmäßigen verkehrten und erfolglosen Richtung ihrer Heilbestrebungen zu überzeugen; ja, es könnte keine Ärzte geben, handelte die Natur nicht unzweckmäßig. Entzündung, Brand, Zerreißung, Verschwärung und ähnlich Ausgänge wählt die Natur da und wird tödlich, wo sie auf einfacherem Wege zum Ziel und zur Genesung hätte kommen können.“

Wohlan! Die Lektüre der Gebrüder Büchner lohnt noch immer und handelt nicht von Märchen, sondern von praktischem Humanismus: Die Biografien der beiden Brüder zeigen, welchen Weg sie beschritten haben, um dem menschlichen Leid zu begegnen: aktive Mitmenschlichkeit in Beruf und Privatleben, riskantes politisches Engagement für eine Verbesserung der gesellschaftlichen Umstände, Verbreitung der Ideen in einer allgemeinverständlichen Sprache, Mut zum Widerstand gegen die herrschenden Ideologien und Mächte, Einsatz für die Bildung und demokratische Teilhabe Aller.

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Das Leiden in der Welt ist der Fels des Atheismus


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Gruß Hubert

Friday, February 27, 2015

Mega-Zoff bei „Maischberger“

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Es ist unglaublich wie sich die Grünen von einer ehemals pazifistischen Bewegung zur Kriegstreiber-Partei entwickelt haben. Sie gehören mit zu den größten Russland-Hetzern. Der Grüne Werner Schulz tritt vehement für Waffenlieferungen an die Ukraine ein.
Werner Schulz setzt sich vehement für eine militärische Aufrüstung der Ukraine durch den Westen ein. "Die Ukraine muss Paroli bieten können", sagt er. Oder: "Manchmal muss man Waffen eben mit Waffen zum Schweigen bringen."
Dass die Grünen sich vom Pazifismus schon länger verabschiedet haben, das macht der frühere EU-Parlamentarier hier jedenfalls mehr als deutlich.
http://www.welt.de/vermischtes/article137805565/Dann-machen-Sie-Ihre-Sendung-doch-alleine.html
Sandra Maischberger verlor am Dienstagabend fast die Kontrolle über ihre Talk-Runde zum Thema „Zar Wladimir I. – Was will Putin wirklich?“. Vor allem die Ex-Moskau-Korrespondentin der ARD Gabriele Krone-Schmalz (65) und der Bündnis 90/Die Grünen-Politiker Werner Schulz (65) gerieten heftig aneinander.

Werner Schulz (l.) und Gabriele Krone-Schmalz bei „Maischberger“ (Bild: WDR/Max Kohr)Werner Schulz (l.) und Gabriele Krone-Schmalz bei „Maischberger“ (Bild: WDR/Max Kohr)
Talkshow-Moderatorin Sandra Maischberger hatte sich das Ziel gesetzt, über Wladimir Putin als „machthungriger Diktator" und weltpolitisches Phänomen zu diskutieren. Dabei sollte besonders die Rolle des Kreml-Chefs im Konflikt in der Ostukraine thematisiert werden, doch gleich zum Start der Sendung wurde es parteipolitisch.
Maischberger-24.02.2015-Zar Wladimir...(Video © Sabine)
http://www.4shared.com/video/xIQx7Tmoba/Maischberger___24022015___Zar_.html


Werner Schulz von Bündnis 90/Die Grünen warf durch die Blume auch der Bundesregierung vor, die Diplomatie habe im Ukraine-Konflikt versagt. Das Friedensabkommen Minsk II sei erfolglos geblieben. Dass ein Bürgerrechtler wie Schulz sich für Waffenlieferungen an die ukrainischen Truppen als einzige Lösung ausspricht, konnte schon als außergewöhnlich polarisierende These aufgegriffen werden.

Da ließ sich Gabriele Krone-Schmalz nicht zweimal bitten. Es sei ein Irrglaube, „dass sich die kämpfenden Milizen aus Moskau bzw. Kiew etwas diktieren lassen.“ Gemeinsam mit dem einzigen Russen in der Runde, Ivan Radionov, Journalist von „RTDeutsch“, dem deutschsprachigen Programm des russischen Staatsfernsehens, regte sie Gespräche zwischen den verantwortlichen Militärs an. Als Maischberger nach der Rolle und den Motiven der russischen Regierung in der Ukraine fragte, kochten die Gefühle hoch. Russland wolle eine Großmacht sein, wetterte Schulz, die versuche, die Anbindung der Ukraine an den Westen zu verhindern. Krone-Schmalz hingegen zog die Europäische Union und den ehemaligen Kommissionschef José Manuel Barroso zur Verantwortung:
„Die Ukraine hätte nicht gezwungen werden sollen, sich zwischen der EU und Russland entscheiden zu müssen.“


Der darauf folgende Dialog um die Westanbindung der Ukraine endet in persönlichen Spitzen; Krone- Schmalz zu Schulz: „Können wir Ihren Intellekt einmal aktivieren?“ Die ehemalige ARD-Russland-Korrespondentin musste aber auch ordentlich einstecken. „Sie haben eine solche schulmeisterliche Art und wollen alle belehren. Sie haben doch keine Ahnung", warf Historiker Arnulf Baring ein. Krone-Schmalz geriet immer wieder in die Defensive und drohte zwischendurch, die Sendung zu verlassen.
Alles in allem wurde in der Talk-Runde viel Küchenpsychologie über die Lage eines im Stolz verletzten politischen Systems (Russland) und einer machtbesessenen Persönlichkeit (Putin) betrieben. Am stärksten hallte ein Satz des russischen Redakteurs nach: „Ein schlechter Frieden ist besser als ein guter Krieg“.

Mega-Zoff bei „Maischberger“



Gruß Hubert

Tuesday, February 24, 2015

Academi - die US-Söldnerfirma in der Ukraine

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Ich dachte Söldner hätte es nur im Mittelalter gegeben. Nicht so, wenn man das Treiben der US-Söldnerfirma Academi, ehedem Blackwater, sieht. Jezt gibt es nicht nur einen neoliberalen Privatisierungswahn in der Wirtschaft sondern auch noch beim Krieg.

Privatisierung des Krieges: Der Vormarsch der US-Söldnerfirmen 

 

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Die Mitarbeiter der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater schützen Paul Bremer, den zivilen US-Verwalter im Irak (M), in Bagdad, Irak am 08. September 2003. Blackwater wurde 2011 in Academi umbenannt. (Foto: dpa)
Die Mitarbeiter der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater schützen Paul Bremer, den
zivilen US-Verwalter im Irak (M), in Bagdad, Irak am 08. September 2003. Blackwater
wurde 2011 in Academi umbenannt. (Foto: dpa)


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Die staatliche Nachfrage nach privaten Söldnern für globale Konflikte ist in den letzten 15 Jahren stark gestiegen. Die USA nutzten in den Kriegen im Irak und in Afghanistan mehr Söldner als jemals zuvor. Im Jahr 2010 befanden sich 207.000 Söldner in den Konfliktgebieten, lediglich 175.000 reguläre US-Truppen waren im Einsatz. Dagegen machten Söldner im Zweiten Weltkrieg nur etwa 10 Prozent der US-Armee aus.
Auch der Krieg in der Ukraine findet unter starker Beteiligung von Söldnern statt. Neben den Amerikanern setzen auch die Russen auf bezahlte Krieger – meist kampferprobte Tschetschenen. 
Die Ausgaben des Pentagons für Privatarmeen stiegen zwischen 1999 und 2008 von 165 Milliarden auf 466 Milliarden Dollar. Das Pentagon ist mittlerweile so abhängig von den Privat-Armeen, dass es nicht mehr ohne sie auskommt. Zu diesem Schluss gelangt Sean McFate, Dozent an der National Defense University und Mitglied des Atlantic Council sowie der RAND Corporation. McFate diente selbst zunächst bei der Army, bevor er für die Söldnerfirma DynCorp in Afrika anheuerte.

„Nun, da die USA die Büchse der Pandora des Söldnertums geöffnet haben, kommen private Krieger jeglicher Art aus dem Schatten, um sich an der profitablen Kriegsführung zu beteiligen“, zitiert The American Conservative den Ex-Söldner McFate.
McFate zufolge ist der Aufstieg der Söldnerfirmen Teil einer Verlagerung der globalen Machtstrukturen. Lag die Macht in der Vergangenheit vor allem bei den Nationalstaaten, formt sich gerade eine „multipolare Weltordnung“, in der Konzerne, NGOs und Staaten um Einfluss konkurrieren. Der Zugang zu privaten Armeen greife dabei direkt in das Gewaltmonopol des Staates ein, so McFate.

Er nennt dies den „neuen Geist des Mittelalters“, da es jener Ordnung gleicht, die vor dem dem Westfälischen Frieden von 1648 und dem damit verbundenen Aufstieg der Nationalstaaten in Europa vorherrschte.
Auch damals gab es schon Söldnerheere, die ihre Dienste an den Höchstbietenden verkauften und bei denen nicht immer klar war, ob sie die Nachfrage nur bedienen oder selber schaffen.
Unter US-Präsident George W. Bush und seinem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wurde das US-Militär derart umgerüstet, dass alle Aufgaben, die nicht direkt mit der Kriegsführung zu tun hatten, an Privatunternehmen vergeben wurden. So übernahm Halliburton im letzten Irak-Krieg den Aufbau und die Versorgung der US-Stützpunkte, während private Söldnerfirmen wie Blackwater und DynCorp zunächst Ausbildungs- und Sicherheitsaufgaben und später den Wiederaufbau des Landes übernahmen.

„Als die Politiker den Irak-Krieg begannen, dachten sie nicht, dass er mehr als ein paar Wochen andauern würde. Sie hatten dann drei schreckliche Möglichkeiten: Sie konnten den Rückzug befehlen, sie konnten eine Einberufung wie in der Vietnam-Ära anordnen oder sie konnten Aufträge ausschreiben. Also haben sie sich entschlossen, Subunternehmer anzuheuern. Deshalb haben wir nun dieses Phänomen und deshalb ist es nicht staatlich reguliert“, so McFate weiter.
Die Söldnerheere unterstehen keiner parlamentarischen Kontrolle und die Vergabe der Aufträge erfolgt höchst intransparent. Eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie kam 2011 zu dem Schluss, dass Betrug und Korruption den US-Steuerzahler in diesem Zusammenhang bis zu 60 Milliarden Dollar gekostet haben.

Trotz heftiger Kritik am Vorgehen von Blackwater, das unter anderen für ein Massaker an 17 irakischen Zivilisten verantwortlich war, und DynCorp, das für schlampige Arbeit und zu hohe Rechnungen kritisiert wurde, führt die US-Regierung die Zusammenarbeit bis heute fort. Der Chef von Blackwater, Erik Prince, benannte das Unternehmen aufgrund anhaltender Skandale später in Xe Services und schließlich in Academi um.
Doch dass die Söldnerfirmen einfach wieder verschwinden, glaubt McFate nicht. „Die Branche ist hier, um zu bleiben. Sie wird nirgendwo hingehen.“ So sollen auch in der Ukraine 500 Academi-Söldner aktiv sein.
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Academi - die US-Söldnerfirma in der Ukraine


Gruß Hubert